
Autor: Markus Heitz
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 654
Veröffentlichung: 2010
Science Fiction
„Wenn die Zukunft zur Legende wird“. Der Slogan verspricht eine große Space-Opera. „Collector“ lautet der Titel des Romans, sein Autor ist Markus Heitz. Der ist eigentlich bekannt als Autor von Fantasy- und Horrorromanen. Aber Heitz ist vielseitig, ein Genrefan, ein Schnellschreiber, der sich wenig um Genrekonventionen schert. Seinen neuen Roman allerdings als fantastisches Epos zu beschreiben, wie es der Heyne Verlag macht, ist dann doch übertrieben. Dies ist keinesfalls ein neuer „Wüstenplanet“. An sich ist „Collector“ nicht mehr als eine simple Story über einen Mann, der ohne sein Zutun in eine Verschwörung gerät, durchs halbe Universum fliegen muss, sich in eine wunderschöne Frau verliebt (die ihren Körper mit einem seltsamen Geistwesen teilt), der auch noch ein Auge auf ihre nicht minder hübsche Schwester wirft und gleichzeitig noch einen Vater-Sohn-Zwist zu lösen hat. Und warum das alles? Weil es eine Alien-Rasse namens Collectors gibt, die sich einst überlegt hat, dass es eine gute Sache wäre, die Menschheit unter ihren Schutz zu stellen. So übernehmen die Collectors Planet für Planet der Menschheit, sie unterbinden jegliche Kommunikation nach Außen hin und sie sind technisch dabei so überlegen, dass ein Sieg im Kampf um die Vorherrschaft ausgeschlossen erscheint. Und irgendwo in diesem Kampf steht Kris. Warum?
Die große Kunst des Markus Heitz besteht darin, dass er wie kein anderer deutscher Autor Spannung aufzubauen versteht. „Collector“ ist denn auch weniger ein großes Epos als vielmehr ein großes Action-Spektakel, bei dem es der Saarländer fast schon im Seitentakt krachen und scheppern lässt. Für seine Verhältnisse mag der Einstieg in die Geschichte zwar fast schon zahm verlaufen – er nimmt sich relativ viel Zeit um drei der Hauptfiguren der an handelnden Personen umfangreichen Geschichte vorzustellen – aber nach dieser Vorstellungsphase lässt er es dann ordentlich krachen. Er stürzt seinen Protagonisten Kris, einen einfachen Transportpiloten des frühen vierten Jahrtausends in ein Abenteuer, das dieser gerne nicht erleben täte. Tatsächlich ist Kris alles andere als ein Held. Er hasst den Weltraum, er hasst Gewalt, er hat ein eher zwiespältiges Verhältnis zu seiner Ex-Frau. An sich will er nur seine Ruhe haben und seiner Arbeit nachgehen. Aber das ist einfacher gesagt als getan, wenn man wegen des Diebstahls eines außerirdischen Triebwerkes gesucht wird, den man nicht wirklich begangen hat. Gut, Kris war der Pilot, dem das Triebwerk abhanden kam, aber er wurde übers Ohr gehauen ...
Dass er nicht zufällig in diese Geschichte schliddert, daran gibt es keinen Zweifel. Sein lang verschollener Vater nämlich besaß die Fähigkeit mit außerirdischen Rassen mentalen Kontakt aufzunehmen. Diese Fähigkeit könnte auch in Kris schlummern. Daher braucht man ihn für eine Mission ins Collectors-Territorium.
„Collector“ macht Spaß. Heitz’ Roman ist ein Seitendreher. Der Autor ist einfach ein großer Unterhalter. Er weiß wie man einen Leser packt, wie man eine Geschichte vorantreibt und wie man eine Geschichte mit Überraschungen spickt. Nur weil eine Figur eine große Rolle spielt heißt das nicht, sie wäre unersetzbar. Bei Heitz kann es so gut wie jede Figur erwischen, jede Wendung ist möglich, jede Idee bekommt ihre Chance.
Ein Epos? Nochmals - ein Epos ist „Collector“ nicht. Aber verdammt gute Unterhaltung. Was nicht jedes Epos von sich behaupten kann!