
Autor: Trisha Biggar
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seiten: 250
Veröffentlichung: 2006
Science Fiction
Die „Star Wars“-Filme waren schon immer ein Fest für die Augen. Die atemberaubenden Schauplätze von Coruscant bis Mustafar, die imposanten Fahrzeuge und Raumschiffe vom eleganten Royal Starship (ganz in Chrom-Optik) bis hin zum gewaltigen Sternenzerstörer der Venator -Klasse und nicht zuletzt: die unglaubliche Vielfalt und Detailfreude der Kostüme. In ihrem neuen Buch „Dressing a Galaxy“, auf Deutsch bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen, gewährt uns Kostümdesignerin Trisha Biggar einen Einblick in ihre Arbeit an den Prequels und plaudert dabei aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen.
„Wenn ich die Seiten durchblättere, steigt in mir wieder die Erinnerung an die zigtausend Stunden und die zigtausend Entscheidungen hoch, die in die Gestaltung dieser fantastischen Kostüme eingeflossen sind und die zweifellos einen wesentlichen Bestandteil der Star Wars- Galaxis darstellen“, so Saga-Schöpfer George Lucas in seiner Einleitung zu dem opulenten Hardcover-Bildband.
Zumindest was den zweiten Halbsatz angeht, kann man dem Mann nur Recht geben. Wer von uns hat nicht die fantasievollen, prächtigen, kultigen Outfits der Helden, Schurken und zahllosen Nebenfiguren der Prequels bewundert? Welches weibliche Wesen hat nicht mit einer Mischung aus Entsetzen und Bewunderung die teils gewagten Kleider von Königin Amidala angestarrt? Sind Gestalten wie Darth Vader, Jango Fett und die Klontruppen nicht auch deshalb so unglaublich cool, weil sie diese Furcht einflößenden Rüstungen tragen? Und gewinnt das „Star Wars“-Universum nicht gerade dadurch so an Farbe und Exotik, dass die überall präsenten Alienrassen nicht nur völlig fremdartig aussehen, sondern auch völlig fremdartig gekleidet sind?
Sechs Kapitel umfasst das Buch, das auf 216 großformatigen Seiten mehr als 300 Farbfotografien, Skizzen und Computergrafiken präsentiert. Nach einem Grußwort von Trisha Biggar, einer Einleitung von George Lucas und einem Vorwort von Rick McCallum (wobei die Texte in aufsteigender Reihenfolge immer länger werden), geht es in „KAPITEL EINS: Jedi vs. Sith“ um die prinzipiell schlichten, im Detail jedoch oft überraschend kunstvoll gefertigten Roben der Machtanwender. „KAPITEL ZWEI: Majestätische Gewänder“ widmet sich indes dem vollen Staatsornat von Königin (und später Senatorin) Amidala sowie den Frauen in ihrem Umfeld. Die rote Senatorenrobe aus „Episode I“ wird dabei sogar auf vier Seiten ausführlich bebildert.
In „KAPITEL DREI: Militärische Kleidung“ wird es dann für uns Männer interessanter. Wookieekrieger, Senatswachen, Klonsoldaten und Mitglieder der Streitkräfte von Naboo geben sich hier unter anderem ein Stelldichein. Bemerkenswert ist auch der Vergleich zwischen den neuen und alten imperialen Offiziersuniformen. Man ist fast erschüttert, wie sich doch die Verarbeitungsqualität in 20 Jahren verändert hat. „KAPITEL VIER: Der galaktische Senat“ nimmt uns mit auf's Parkett der Politik. Sehen und gesehen werden heißt hier die Devise und entsprechend prachtvoll und extravagant nehmen sich die Gewänder aus. Persönlich finde ich ja die Amtsrobe von Bail Organa nach wie vor am coolsten, derweil das Kleid seiner Beraterin Sheltay Retrac von höchst interessantem Schnitt ist.
Eine gute Mischung aus Pragmatik und eigenem Stil verspricht „KAPITEL FÜNF: Sklaven, Schurken, Kopfgeldjäger“. Seien es Farmer auf Tatooine, Kopfgeldjäger oder Nachtschwärmer auf Coruscant – getreu dem Motto von Konzeptdesigner Sang Jun Lee: „Kostümdesign und Persönlichkeit der Figuren sind nicht voneinander zu trennen...“ wird hier ein breites Spektrum an Gewandungen präsentiert. Das Highlight sicher: Saga-Schöpfer George Lucas als Baron Papanoida. „KAPITEL SECHS: Padmés Reise“ kommt noch einmal auf die 1000 Kostüme der späteren Mutter von Luke und Leia zu sprechen. Hier werden sozusagen die non-zeremoniellen Kleider abgebildet, die einmal mehr zeigen, mit welch ausufernder Garderobe eine Königin und Politikerin zu reisen hat.
Ein sechsseitiger Kostümindex, der die Outfits nahezu aller auch nur entfernt wichtigen Figuren als Bildergalerie auflistet, rundet das Werk ab.
Über 200 großformatigen Seiten zum Trotz ist die Textmenge innerhalb des Buches überschaubar. Meist handelt es sich nur um kurze Kommentare zu den oft seitenfüllenden Bildern. Dabei kommen neben Trisha Biggar, der als Autorin das Privileg gehört, die jeweiligen doppelseitigen Kapiteleinleitungen zu schreiben, zahlreiche Macher hinter den Kulissen wie auch die Schauspieler, die nachher in den Kostümen steckten, zu Wort. Samuel L. Jackson, Mark Hamill, Liam Neeson, Christopher Lee, Carrie Fisher, Kostümdesigner John Mollo und Konzeptkünster Iain Craig – praktisch jeder von Rang und Namen meldet sich mal mit Wissenswertem, mal mit kleinen Anekdoten zu (s)einem Kostüm zu Wort.
Das eigentliche Herzstück des Bandes sind indes seine Bilder. Und diese können sich sprichwörtlich sehen lassen. Auf stabiles Glanzpapier gedruckt, gestochen scharf und von exzellenter Farbigkeit erfüllen die Fotografien eigentliche alle Kriterien, die man an einen Bildband für gewöhnlich anlegt. Einige der Motive kennt man bereits aus dem Promomaterial zu den Filmen, viele andere jedoch sieht man hier zum ersten Mal – das betrifft vor allem natürlich die Bilder im Detail, die mitunter feinste Verarbeitungsmethoden in den Fokus rücken und einen immer wieder staunen lassen, wie viel Mühe sich die Kostümabteilung selbst für Gewandungen gegeben hat, die man im fertigen Film nur im Zwielicht oder aus der Entfernung zu sehen bekommt. Es gibt also viel zu Gucken fürs Geld.
Wenn man dem Buch etwas vorwerfen möchte – und der Vorwurf ist ein geringer –, dann, dass es tatsächlich noch zu wenig Anschauungsmaterial liefert. Klar, wenn man Dutzende und Aberdutzende Kostüme nur für die wichtigsten Figuren zu präsentieren hat, kann kaum einem Kostüm mehr als ein Bild, manchmal ergänzt durch ein bis zwei Detailaufnahmen, gewidmet werden. Kostümfans – und ich rede hierbei nicht einmal von denen, die in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne Stormtrooper-Rüstungen tiefziehen oder Amidalakleider nähen – hätten sich aber sicher noch mehr gewünscht. Noch mehr Detailfotos, noch mehr Kostüme und noch mehr Beschreibungen hätten das ohnehin sehr sehenswerte Werk einfach noch schöner gemacht. Aber gut, Fans kann man es eben nie Recht machen. ;-)
„Dressing a Galaxy – Die Star Wars-Kostüme“ kommt als opulenter Bildband daher, der anhand zahlloser, großformatiger Fotos und kurzer, interessanter Begleitanekdoten einen schönen Überblick des großen Komplexes Kostümdesign innerhalb der Prequel-Trilogie bietet. Fans der klassischen Trilogie kommen leider nur bedingt auf ihre Kosten – immer dann, wenn Kostüme zum Vergleich herangezogen werden –, doch wer sich auch nur im Geringsten für „Star Wars“ oder phantastievolle Kostümkunst erwärmen kann, der wird in diesem gewichtigen Werk einiges zu entdecken haben.
Trisha Biggar / Mit einer Einleitung von George Lucas
Dressing a Galaxy
Die STAR WARS-Kostüme
Übersetzung Angela Meermann
ca. 250 Seiten, mit zwei Ausklappseiten
ca. 300 farbige Abbildungen
Premium-Hardcover mit Schutzumschlag im Großformat 24 x 30 cm, fadengeheftet, schweres Bilderdruckpapier, durchgehend vierfarbig gedruckt.
49,90 Euro
ISBN 3-89602-702-6 / ab 2007: 978-3-89602-702-3