Space-View Buchguide: Die Herren der Zeit

Herrem der Zeit, Die

Die Herren der Zeit

Fakten

Autor: Helmut W. Pesch
Verlag: Bastei TB
Seiten: 529
Veröffentlichung: 2000

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Review

Als im Sommer 1998 „Die Ringe der Macht“ auf den Markt kam, war die Sensation perfekt: Ein Fantasy-Epos, ganz und gar in der Tradition von Altmeister Tolkien, von Helmut W. Pesch und Horst von Allwörden, also zwei deutschen Autoren, die in der Szene selbst zwar schon bestens bekannt waren, aber noch keinen einzigen Roman publiziert hatten! „Die Herren der Zeit“ mit seinen sympathischen Protagonisten – dem jungen Ffolksmann Kimberon Veit, dem Elfen Gilfalas, dem Zwerg Burin und Prinz Fabian von den Menschen – ein Meilenstein in der Geschichte der deutschen Fantasy. Nie zuvor war von deutschen Autoren der epochale Kampf zwischen Gut und Böse so packend, so tolkienesk geschildert worden, nie ein Rätsel wie das um die Ringe der Macht und die Herkunft des Ffolks so überzeugend und stimmig. Und das alles mit einem Schluss, der eine Fortsetzung nicht erforderlich machte.
Als nun Helmut Pesch diese ankündigte, war die Grundfrage, wie denn eine solche Fortsetzung aussehen müsste, damit es nicht ein Selbstplagiat wurde, was aber von vorne herein auszuschließen war. Nun, um es kurz zu machen, „Die Herren der Zeit“ ist ein eigenständiges Werk, auch wenn zum besseren Verständnis dringend die Lektüre des Vorläufers anzuraten ist. Die Handlung selbst ist sehr komplex und detailreich und trotz ihrer neuerlichen Nähe zu Tolkien originell und innovativ. Nach dem siegreichen Kampf gegen die Horden der Finsternis bereitet sich Kimberon Veit darauf vor, endlich seine Magisterarbeit zu schreiben. Da erreicht ihn mit Verspätung eine Einladung des Kaisers, seines Freundes und Mitstreiters Fabian, in die Hauptstadt zu kommen und dort an seiner Krönung teilzunehmen. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Kim, der von immer wiederkehrenden Albträumen heimgesucht wird, dazu überreden und bricht in Begleitung des jungen Aldo nach Süden, zum Imperium Humanum auf. Nachdem sich ein mysteriöser Nebel gelichtet hat, stoßen sie auf eine finstere Feste und erkennen nach und nach mit Entsetzen, dass sie in einer anderen Realität gelandet sind, einer Gegenwart, in der die Finsternis nicht vor eintausend Jahren besiegt und in die Länder des Westens verbannt wurde, sondern das Dunkle Imperium seine immerwährende Herrschaft über die Mittelreiche begonnen hat. Und sie treffen auf weitere Ringträger, die sich daraufhin an die verlorene Realität zu erinnern beginnen. Gemeinsam schlagen sich die wiedergefundenen Gefährten in die Hauptstadt durch, um in den Archiven eine Spur zu finden, die aufzeigt an welchem Punkt sich die Geschichte geändert hat. Dort werden die Gefährten getrennt, nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Auf gesonderten Wegen versuchen sie, nach Zarakthror zu gelangen, den magischen Ort, an dem sich alle Welten treffen. Doch kann die Veränderung rückgängig gemacht werden, ist ein Sieg über die Finsternis möglich, solange der Schattenfürst offenbar im Besitz eines Ringes ist, mit dem er durch die Zeit reisen und diese nach seiner Vorstellung verändern kann?
Wie sein Vorläufer ist auch „Die Herren der Zeit“ Fantasy pur – und erneut innovativ. Während im ersten Roman die Fantasy-Version eines Automobils präsentiert wurde, so hat Helmut Pesch mit seinem neuesten Roman den ersten reinen Fantasy-Alternativ- und Zeitreise-Roman vorgelegt, der – im Gegensatz zu früheren Alternativwelt-Geschichten wie der „Lord Darcy“-Zyklus von Randall Garrett – ganz ohne Technik auskommt und dafür genauso verwirrend ist wie die meisten Zeitreise-Geschichten der SF-Literatur. Dazu ist Pesch ein hervorragender Erzähler, der seinen Leser von der ersten Zeile an in seinen Bann schlägt und bis zur letzten Seite nicht mehr daraus entlässt. Schlichtweg brillant!

Bewertung: 5 Sterne

geschrieben von: Hermann Urbanek