Autor: Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke (Hrsg.)
Verlag: Heyne-Verlag
Seiten: 1594
Veröffentlichung: 2009
Science Fiction
Man sollte glauben, dass gerade das technikaffine Fandom der Science-Fiction längst auf ein gedrucktes Werk wie „Das Science Fiction Jahr 2009“ aus dem Heyne-Verlag verzichten könnte. Immerhin bietet das Internet gerade den Fans der SciFi eine gigantische Plattform zum Informationsaustausch. Doch der Schein trügt, denn mit sagenhaften 1594 Seiten liefern die Herausgeber Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke ein gutes Pfund Buch ab, das nicht nur Genrefans zu begeistern versteht.
Was ist Science-Fiction? Die Definition und die daraus resultierende Diskussion allein würden vermutlich ein Lexikon mit Inhalt füllen. Diese Diskussion findet denn auch in „Das Science Fiction Jahr 2009“ nicht statt. Alles, was irgendwie die Phantastik berührt, aber nicht dem Horror- oder Fantasygenre zugeordnet werden kann, findet einen Platz in dem Buch von Mamczak und Jeschke, wobei sie den Schwerpunkt in dieser Ausgabe auf das Superheldengenre legen. Nicht zu Unrecht, denn vor allem der Hype um den letzten „Batman“-Film und die posthume Oscarehrung Heath Ledgers für die Darstellung des Finsterlings im besagten Kinowerk, machen dieses Genre aus vielen Gründen interessant. Wer verfasste den ersten Superheldenroman, fragt beispielsweise John Clute in seinem Artikel „Er kam zur rechten Zeit“ und wagt sich mit seiner Hypothese weit aus dem Fenster hinaus: Demnach wäre der Graf von Monte Christo der Urvater heutiger Strumpfhosenträger. Was auf den ersten Blick verwundert, ist so weit hergeholt gar nicht. Auch der moderne Superheld wird nicht selten aus einem Rachegedanken heraus geboren (Batman beispielsweise verlor seine Eltern durch einen Mord), vor allem aber bezieht sich Clute auf Beschreibungen der Person des Grafen, die im Buch von Dumas zu finden sind und so de facto nie auf die Leinwand übertragen wurden. So zum Beispiels die Angewohnheit des Grafen, niemals zu schlafen. Ob der Superheld als gescheiterte Existenz oder als moralische Instanz, von der Problematik, ein Epos wie „Watchmen“ zu verfilmen oder der Superheldeninflation in Manga und Anime: Die Herangehensweise der Essays ans Thema sind vielfältig.
Ein ausführliches Interview mit dem Senkrechtstarter der SciFi-Literaturszene schlechthin, John Scalzi, gehört ebenso zum Inhalt wie ein ausführlicher Nekrolog, der den Großen der Szene gedenkt, die 2008 verstarben. Mit einem Bericht über das Cern verlässt der Autor Uwe Neuhold die Phantastik und reist in die Gefilde höchst realer Wissenschaften, die so phantastisch wirken, dass sie vor fünfzig, ach was, vor dreißig Jahren noch als wildeste Sciencefiction belächelt worden wären.
Ob neue Bücher, Computerspiele, Filme: Ein reichhaltiges Angebot an Rezensionen runden das Werk ab. SpaceView-Urgestein Hermann Urbanek widmet sich schließlich im Marktbericht der deutschen, der britischen und der amerikanischen SciFi-Szene.
Gibt es nicht doch einen Wehmutstropfen? Gibt es! Mit 29,95 Euro fällt der Preis für kleinere Geldbeutel happig aus.