
Autor: Juan Gimenez
Verlag: Splitter-Verlag
Veröffentlichung: 2007
Science Fiction
Okay, seit Krieg der Sterne Episode 3 gibt es opulente Space Operas auch im Kino, aber seit jeher ist der Comic die wahre Heimat der bebilderten unvorstellbaren Weiten des Alls, der futuristischen Technik und der unterschiedlichsten Außerirdischen. Ein guter Zeichner kann jeden, der es zulässt, in Welten führen, die zuvor noch kein Mensch gesehen hat.
Der Argentinier Juan Gimenez ist einer dieser außergewöhnlichen Zeichner, der seit 1979 uns Leser seine Visionen von Raumschiffen und Schicksalen präsentiert.
Anfang der 90er veröffentlichte der Ehapa Verlag in seiner Serie "Seherlebnisse" den Band "Die vierte Gewalt". Obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen scheint, ist sie nur der erste Teil einer nun bei Splitter erscheinenden Trilogie.
Damals wie heute begeistern auf den ersten Blick Gimenez Bilder. Seine üppig gebauten Frauen zeigen gerne viel Haut und sind natürlich makellose Schönheiten -- zu Beginn zumindest. Als Nächstes fesseln den Science Fiction-Fan seine Motorräder, Flugzeuge und Raumschiffe. Deren elegantes Design, das die Technik oft nur erahnen lässt, steht im krassen Kontrast zu den oft gezeigten organischen Deformationen. Die sind blutig und eitrig. Gimenez lässt in seinen Comics gerne Situationen eskalieren, was er auch grafisch beeindruckend umsetzten kann. Sind seine Farben in normalen Situationen noch wie aus einem Guss und eher flächig, so scheinen sich bei den Action-Sequenzen in fleckigen Gesichtern dreckige Farben zu bekriegen.
"Die vierte Macht" ist eine Trilogie, dessen ersten Band "Supermental" Gimenez 1989 veröffentlichte und erst fünfzehn Jahre später -- nach seiner Serie "Die Metabarone" zusammen mit Autor Alexandro Jodorowsky -- mit den Bänden "Mord auf Antiplona" (2004) und "Die grüne Hölle" (2006) vollendete.
Eigentliche Heldin ist QB4. Sie ist die absolute Waffe der Krommion, die im Krieg mit der Erde sind. Sie ist aus der unfreiwilligen Verschmelzung vier mental begabter Frauen entstanden und soll den Sieg über die Erdstreitmächte sichern. Aber QB4 ist auch immer noch eine Frau und die wollen oft nicht so, wie die sie scheinbar lenkenden Männer es gerne hätten. Exether Mega ist das letzte Opfer der Häscher der Krommion. Ein Großteil des ersten Bandes beschreibt ihre Flucht vor den Militärs und die selbstaufopfernde Hilfe des Militärwissenschaftlers Khen, der seine bisherigen Taten beim Anblick der Schönheit noch einmal überdenkt und zum Renegaten wird.
In "Mord auf Antiplona" ist es wieder ein Mann, der die Geschichte zehn Jahre nach den Ereignissen aus Band eins ins Rollen bringt. Iron Fleer begibt sich zum Vergnügungsplaneten Antiplona, um seine Verflossene Gal wiederzufinden. Dabei gerät er in den Bandenkrieg von Gangsterchefin Triple, ihrem Ex-Geliebten Mister X und den offiziellen Polizeikräften. Ist die Zauberin Superma Power Gal? In welcher Beziehung steht sie zu QB4? Wird es diesmal neben vielen Toten auch ein Happy End geben? Ein ausgehöhlter Planet sorgt neben einem Kriegsraumer für die nötige Technik und nicht nur flohgroße Piranhas sorgen für die Gimenez-typische Portion rohen Fleischs.
Space-Opera mit gut eingepackten Kampfsoldaten, gewaltigen Raumern und großbusigen Frauen -- Captain Kirk hätte seine wahre Freude daran gehabt. Splitter bringt die Trilogie als großformatige Hardcover-Alben innerhalb nur eines Jahres zu uns nach Deutschland. Das ist übrigens ein Teil der Firmenphilosophie der SF-Freunde, die hinter dem Verlag stehen. Hohe Qualität zu angemessenem Preis und eine zügige sowie verlässliche Veröffentlichung der abgeschlossenen Geschichten ist der Anspruch, dem man sich seit mehr als einem Jahr erfolgreich verschrieben hat. Der deutsche Leser, der diese Konsequenz leider nicht gewohnt ist, darf sich freuen.
Wer nur die Comics haben möchte, ist mit den drei Alben gut bedient. Wer mehr möchte, kann sich mit der Figuren-Edition des ersten Bandes etwas Besonderes gönnen. Die detaillierte Figur ist aber nicht leicht im Handel zu finden. Bei der Verpackung der fragilen, weil sehr detaillierten, Figuren hat man bei Splitter leider noch nicht die optimale Lösung gefunden. Aber das Suchen lohnt sich! Stabiler ist der Schuber zu den drei Alben, der mit einem edel wirkenden und im eigenen Hardcover verpackten Druck ein Schmuckstück jeder SF-Comic-Sammlung ist. Band drei erscheint Anfang September, dann kann man den Schuber komplett gefüllt ins eigene Regal stellen.
Wer SF im Comic noch nicht kennt, erhält hier eine wunderbare Gelegenheit, dieses Land der Raumschiffe und der Sprechblasen für sich zu entdecken. Kenner danken dem Splitterverlag für sein Engagement auf diesem Gebiet - dem wollen wir uns gerne anschließen.
je Band € 13,80
Schuber mit Druck € 17,80
Figurenedition Band 1 € 26,80
Juan Gimenez
geboren 1943 in Mendoza, Argentinien
zeichnet seit er 16 ist
ständiger Gast im amerikanischen Heavy Metal, dem führenden Comic-SF-Magazin der USA
zeichnet die Serie "Metabaron" aus dem John Difool Universum
zeichnete die Harry Canyon Sequenz des Heavy Metal Zeichentrick-Films