
Originaltitel: The Second angel
Autor: Philip Kerr
Verlag: Wunderlich
Seiten: 442
Veröffentlichung: 2000
Der Brite Philip Kerr hat sich mit seinen Krimis – speziell mit seiner im Deutschland der 30er und 40er Jahre spielenden Trilogie um Bernhard Gunther – und Thrillern, in denen zumeist SF-Elemente dominierten, einen Namen gemacht. Man denke nur an „Das Wittgenstein-Programm“, „Game Over“ und „ESAU“. Jetzt ist der „Near Future“-Reißer „Der zweite Engel“ herausgekommen, der seinen Ruf als innovativer Autor noch festigen wird.
Der Roman spielt in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Naturkatastrophen haben die Erde erschüttert, Kriege ihr Antlitz verwüstet und kontaminierte Zonen der Zerstörung hervorgerufen und ein neues, tödliches Virus namens P2 hat 80 Prozent der Menschheit befallen. Da diese Krankheit nur durch völligen Blutaustausch heilbar ist, wurde Blut zum wertvollsten und auch teuersten Gut auf Erden. Diese Entwicklung hat die Menschheit in zwei Gruppen gespalten: In die Immunen, die durch regelmäßige Blutspenden eine immer reichere Elite werden, und den großen Rest, der de facto keine Überlebenschancen besitzt. Dana Dallas, ein genialer Techniker, gehört zu den Privilegierten dieser Zeit, den das Virus zu einem reichen Mann gemacht hat. Doch als seine kleine Tochter an einer seltenen Krankheit leidet und er plötzlich selbst große Geldmittel benötigt, wird er für seine Firma zum Sicherheitsrisiko und zur Eliminierung freigegeben. Doch im Gegensatz zu seiner Familie entkommt er durch einen Zufall dem Anschlag, woraufhin er beschließt, blutige Rache zu nehmen. Dazu muss er etwas wagen, was als unmöglich angesehen wird, nämlich in die in höchstem Grade abgesicherte Blutbank einzudringen, die sich auf dem Mond befindet und deren von einen lernfähigen Computer namens Descartes gesteuertes Hochsicherheitssystem, das er selbst entwickelt hat, zu überwinden. Ein Duell zwischen Mensch und Technik beginnt – mit unvorhersehbarem Ausgang.
Kerr entwirft in „Der zweite Engel“ eine beeindruckende apokalyptische Zukunft, wobei die Faszination des Buches eine zweifache ist: Zum einen besticht der Roman durch seine klare Struktur und die packende Spannung. Und zum anderen brilliert Kerr durch die Detailfülle, mit der er seine Welt entworfen hat, und mit dem (pseudo-)wissenschaftlichen Background, der sie erschreckend real werden lässt. Kurz: Ein moderner Klassiker!