1978-2001
Mit den Anfängen des Teen-Horrorfilms haben wir uns im ersten Artikel beschäftigt. Von den Klassikern des Genres, wie „DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN“, führte uns unser Weg bis zu John Carpenters „HALLOWEEN“. An dieser Stelle setzt nun unser zweiter Teil über die Geschichte des Teen-Horrorfilms an, der uns vom Jahr 1978 bis in die Gegenwart führen wird.
DIE MÄR VOM SCHWARZEN MANN
Der Killer versteckt sein Antlitz hinter einer Maske. Für das Publikum bleibt er bis zum Ende ein Unbekannter. Die Maske verleiht ihm Macht. Er bleibt der schwarze Mann, eine fast schon mystische Figur: seelenlos, unbarmherzig, brutal. Unverwundbar aber ist er nur, solange er seine wahre Identität verheimlichen kann. Der Verlust der Maske ist gleichbedeutend mit dem Verluste seiner Macht. Er wird angreifbar, ja er kann sogar vernichtet werden. Doch niemals stirbt der Mann mit der Maske wirklich. Etwas bleibt zurück. Der Schrecken, den er verbreitet hat, seine Opfer, die alles verloren haben. Und vielleicht bedeutet sein Tod nur ein vorläufiges Ende. Und irgendwann kehrt er zurück ...
HALLOWEEN TRITT EINE LAWINE LOS
Nach dem Erfolg von „HALLOWEEN“ („HALLOWEEN“, USA 1978) – siehe hierzu auch den ersten Teil unserer Geschichte in der letzten SPACE VIEW – stand Hollywood unter einer Art Schockzustand. Niemand konnte sich den Erfolg dieses Filmes letztendlich erklären. Natürlich, er war ungemein spannend inszeniert und der junge Regisseur John Carpenter hatte einmal mehr bewiesen, zu den talentiertesten Spannungsmachern der Traumfabrik zu gehören. Doch wieso „HALLOWEEN“?
Es gibt im amerikanischen Kino einen Spruch, der lautet: „Der Farmer aus Minnesota will im Kino nicht den Farmer aus Minnesota auf der Leinwand sehen.“ Das ist richtig. Doch was passiert, wenn der Film-Farmer aus Minnesota in eine Extremsituation gerät, die über das, was einem normalen Menschen passiert, hinausgeht? In „HALLOWEEN“ sahen die jungen Kinogänger sich selbst auf der Leinwand. Sie sahen eine Schülerin, ihre Freundinnen, eben genau jenes Umfeld, aus dem sie selbst stammen. Diese Figuren, allen voran Laurie (Jamie Lee Curtis) geraten nun in das Fadenkreuz von Michael Myers, einem Mörder. Michael wird zur Personifizierung all ihrer Ängste, er wird zum Vollstrecker der gesellschaftlich manifestierten Moral. Einer verlogenen Moral? Wahrscheinlich. Die Jugendlichen, die sich nicht gesellschaftlich konform verhalten (sie haben Sex im Teenageralter!) sterben. Laurie aber darf überleben (sie lebt schließlich enthaltsam). Ist „HALLOWEEN“ daher ein reaktionärer Film? Die feministische Filmtheorie geht beispielsweise davon aus. Teenhorror sei stets ein männlicher Blick auf die Geschehnisse, heißt es dort. Vera Dika bemängelt dies in ihrer Abhandlung über den Teen-Horrorfilm, „Halloween, Friday the 13th, And the Films of the Stalker Cycle“ [Cranbuy (New Jersey)/London/Mississauga (Ontario) 1990]. Dieser männliche Blick sei auf Effekte gerichtet und behandle weniger die emotionalen Aspekte einer Geschichte. Die Frau wird zum Subjekt einer mörderischen Begierde, ohne dabei ihre Persönlichkeit entwickeln zu dürfen.
Diesen Vorwurf kann man sicher vielen billig heruntergekurbelten Filmen aus den 80er Jahren machen, die im Schatten von „HALLOWEEN“ ihren Weg in die Kinos gefunden haben. Immer wieder erleben Zuschauer in ihnen das gleiche Szenario: Eine Gruppe von Jugendlichen trifft sich an einem einsamen Ort, man schläft miteinander, reißt ein paar dämliche Witze und irgendwann tritt ein Killer auf, der sein Antlitz hinter einer Maske verbirgt und dezimiert die Anzahl der Mitwirkenden bedenklich. Eine Serie, die dieses Prinzip immer und immer wieder (überraschend erfolgreich) zelebriert hat, ist „FREITAG, DER 13.“ („FRIDAY, THE 13th”, ab 1981). Dieses Jahr wird von dieser Serie übrigens der zehnte Teil in die Kinos kommen.
Aber: „HALLOWEEN“ kann dieser Vorwurf eindeutig nicht gemacht werden, wie später auch „NIGHTMARE“ oder „SCREAM“. Es ist das Weibliche, das hier wahres Heldentum verkörpert. Frauen, in guten Teen-Horrorfilmen, agieren niemals wie männliche Stereotype des Horrorfilms: Sie suchen ihr Heil nicht in der Zerstörung des Gegners. Der Mann muss seinen Gegner zerstören, um nicht nur körperlich, sondern auch geistig überleben zu können. Eine Flucht scheidet für den Mann aus. „Er oder ich“ könnte sein Credo lauten. Frauen gehen mit weitaus mehr Vernunft an die Geschichte heran. Die Frau will überleben. Die Zerstörung des Feindes ist für sie eine Nebensache. Die Frau ist in diesem Fall weitaus stärker als ihr männlicher Kontrahent. Gebrochen wird diese Regel übrigens erst von „HALLOWEEN H:20“ („HALLOWEN H:20“, USA 1998), der eine um 20 Jahre gealterte Jamie Lee Curtis präsentiert, die vor einer Rückkehr ihres Peinigers Angst hat. Doch es ist nicht die Angst um ihr eigenes Leben, die sie fast wahnsinnig werden lässt. Es ist die Angst um ihren Sohn, was schließlich doch einen etwas anderen Blick auf das Thema Angst zulässt.
Obwohl der erste Teil noch wirklich spannend inszeniert war und mit einigen Überraschungen aufwarten konnte, hat sich die Serie im Laufe der Zeit sehr zu ihrem Nachteil entwickelt. Alles in allem ist sie nicht ganz unschuldig an dem schlechten Ruf, den das Genre im Allgemeinen besitzt. Schlechte Drehbücher, hölzern agierende Darsteller, Gewalt statt Spannung – kein Wunder, wenn dies viele Zuschauer eher abgeschreckt als angelockt hat.
SATURDAY NIGHT SLASHER
Einer der wichtigsten Genrefilme ist der hier zu Lande relativ unbekannte kanadische Spielfilm „PROM NIGHT – DIE NACHT DES SCHLÄCHTERS“ („PROM NIGHT“, Kanada 1979), der vom späteren „STAR TREK“-Serienregisseur Paul Lynch inszeniert worden ist. Der reißerische deutsche Titel suggeriert ein typisches Teenie-Blutbad. Doch hinter „PROM NIGHT“, der über seine Videoauswertung im angelsächsischen Raum inzwischen Kultstatus erlangt und mehrere Fortsetzungen nach sich gezogen hat, verbirgt sich eine intelligente Geschichte über den Übergang von der Kindheit in die Welt der Erwachsenen. Während ein Schulabschluss im deutschsprachigen Raum mehr oder minder feucht-fröhlich begangen wird, ohne dass eine Abschlussparty – beispielsweise nach der Erlangung des Abiturs bzw. der Matura – nun einen besonderen Initiationsritus darstellen würde, besitzt die Prom Night, der Abschlussball, im amerikanischen Schulsystem fast schon etwas Mystisches. Mit ihm wird der Eintritt in die Erwachsenenwelt gefeiert. Es ist also kein Wunder, dass dieser magische Moment immer wieder eine gewichtige Rolle in Teen-Horrorfilmen spielt. Und „PROM NIGHT“ ist der Film, der noch mehr als „CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHER“ („CARRIE“, USA 1976 – siehe hierzu auch Teil 1 unserer Serie) hierfür verantwortlich ist.
Die Geschichte beginnt in der Kindheit der Hauptfiguren, mit dem Unfalltod eines Mädchens. Schnitt. Jahre später, der Schulabschluss steht an. Und die seelischen Narben derer, die einst den Tod des Mädchens mit ansehen mussten, sind verheilt. Bis ein Killer auftaucht und Rache nimmt. Rache für den Unfalltod, in dem er einen Mord sieht!
Die Hauptrolle dieses Films spielt übrigens einmal mehr Jamie Lee Curtis, die nicht umsonst lange Zeit mit dem Spitznamen „Queen of Screams“ leben musste. Der Showdown des Filmes findet schließlich auf der Prom Night statt, wo Kim (Curtis) den Mörder stellt und tötet – um festzustellen, dass ihr eigener Bruder die Morde begangen hat. Der Übergang in die Welt der Erwachsenen geht eben nicht nur durch den Besuch einer Party vonstatten. Der Übergang bekommt etwas Bedrohliches, Zerstörerisches. Und man stellt sich die Frage, ob all das geschehen wäre, hätten die Protagonisten mehr Zeit gehabt, sich auf ihre neue Rolle als Erwachsene vorzubereiten.
Der Film, inszenatorisch eine Synthese aus Horrorfilm und Teendrama im Stile von „NUR SAMSTAG NACHT“ („SATURDAY NIGHT FEVER“, USA 1977), wirkt zwar oft inhomogen, seine Geschichte aber hat sich für den modernen Teen-Horrorfilm als wegweisend herausgestellt, auch wenn er in den 80er Jahren in seiner Radikalität ohne wirklichen Nachfolger bleiben sollte. Erst „SCREAM – SCHREI“ („SCREAM“, USA 1996) hat ein Thema wieder aufgenommen, mit dem sich „PROM NIGHT“ bereits 1979 beschäftigt hat: Die Bedrohung der Gruppe von Innen heraus!
ALBTRÄUME IN DER ELM STREET
Wes Craven. König des Teen-Horrorfilms. Seinen Titel verdankt er „NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME“ („NIGHTMARE ON ELM STREET“, USA 1984). 1984 hatte der Teen-Horrorfilm seinen durch HALLOWEEN ausgelösten Boom längst überschritten und war zu einem Fall für den Videomarkt geworden, der sich inzwischen etabliert hatte. Bis Wes Craven dem Genre einen neuen Impuls verpasste.
Waren die bisherigen Teen-Horrorfilme streng genommen Teen-Thriller, war „NIGHTMARE“ die perfekte Verbindung aus Thriller, Slasher und klassischem Grusel-/Horrorfilm. Zuerst einmal etablierte Craven eine Gruppe von vier Jugendlichen, mit denen sich jeder Kinozuschauer identifizieren konnte. Craven verwandte nun sehr viel Zeit darauf, das soziale Umfeld dieser Jugendlichen zu zeigen. Ein Umfeld, das bislang weitestgehend aus Teen-Horrorfilmen ausgespart worden war. Es wurde über Mütter und Väter gesprochen, vielleicht bekam man sie auch mal kurz zu sehen. Ansonsten aber wirkten die Filme auf dieser Ebene oft recht steril. „NIGHTMARE“ war anders. Zwar spielten die Erwachsenen auch hier nur eine untergeordnete Rolle, doch ihr Einfluss auf die Welt der Jugendlichen war nicht zu unterschätzen. Da gibt es eine Mutter, die nach ihrer Scheidung zur heimlichen Alkoholikerin geworden ist. Da ist eine andere Mutter, die sich lieber in Las Vegas mit ihrem Liebhaber vergnügt, anstatt für ihre Tochter da zu sein. Da sind die „liebenden“ Eltern, die ihrem Sohn den Umgang mit seiner Freundin verbieten, da diese aus zerrütteten Verhältnissen stammt und folglich geistig verwirrt sein muss.
Craven schont weder Zuschauer noch seine Figuren. Der junge Held wird ebenso von Freddy Krueger ermordet wie die beste Freundin. Nur das „final girl“, die tragische Heldin, darf überleben. Doch überlebt sie das Ende des ersten Teils wirklich? Oder stirbt sie ebenfalls am Ende und wir erleben nur ein Traum-Happyend (dass es jemals einen dritten Teil geben würde, in dem wir unser „final girl“ wiedertreffen sollten, wusste im Entstehungsjahr niemand ...).
Überhaupt Freddy Krueger. Mit ihm hat Craven einen neuen Typus von Monster erschaffen. Freddy, erfahren wir als Zuschauer, war einst ein geschätzter Nachbar, ein unauffälliger Mann aus der Nachbarschaft. Bis er des Kindsmordes überführt wurde, aber auf Grund eines Verfahrensfehlers auf freien Fuß gesetzt werden musste. Von den Menschen in seiner Nachbarschaft gelyncht und verbrannt, kehrt er in den Träumen ihrer Kinder zurück und nimmt Rache. Waren die meisten Killer des Teen-Horrorfilms nur tumbe Killermaschinen, ist Freddy ein intelligenter Zyniker, der mit seinen Taten einen Racheplan verfolgt. Rache für ein Unrecht, das ihm angetan worden ist – unfähig zu erkennen, dass nicht die, die ihn ermordet haben, die Monster sind, sondern er selbst.
Auch ist es kein Zufall, dass er in den Träumen der Jugendlichen agiert. Jeder Jugendliche, egal, aus welchem Umfeld er oder sie stammen mag, hat Träume. Und egal, wie trist und öde das eigene Leben auch sein mag: Die Träume sollten sicher sein. Indem Freddy nun in diese Träume eintritt und die Jugendlichen in diesen Traumwelten ermordet, zerstört er den letzten Hort der Sicherheit – und verbreitet damit einhergehend das größte Unbehangen, das Teen-Horrorfilme bis dato bei ihren Zuschauern ausgelöst haben.
EIN NACHSCHLAG VON CRAVEN
Ein sehr schöner Film von Craven ist leider in den Kinos etwas untergegangen. Zwei Jahre nach „NIGHTMARE“ erschuf der ehemalige Universitätsdozent seine Variante des Frankenstein-Motivs, „DER TÖDLICHE FREUND“ („DEADLY FRIEND“, USA 1986), ein Film, der noch radikaler den Bruch zwischen der Welt der Jugendlichen und Erwachsenen darstellen sollte als „NIGHTMARE“. Die 80er Jahre waren das Zeitalter des Teenagerfilms. Mit Produktionen wie „PRETTY IN PINK“ („PRETTY IN PINK“, USA 1985) oder „FERRIS MACHT BLAU“ („FERRIS BUELER’S DAY OF“, USA 1985) verdiente Hollywood Millionen. Teendramen, Teenkomödien und Teen-Horrorfilme ließen die Kassen süßer nie klingeln. Grundthemen aller (guten) Filme waren letztendlich der Konflikt der Welt der Jugend mit der der Erwachsenen und die Ängste, die mit dem Erwachsenwerden in Zusammenhang stehen. „DER TÖDLICHE FREUND“ treibt all das möglicherweise auf die Spitze, indem er die Geschichte Frankensteins in einer amerikanischen Vorstadt ansiedelt. Der moderne Frankenstein ist hier ein hyperintelligenter Junge, der mit seiner allein erziehenden Mutter in einer glücklichen Mutter/Sohn-Beziehung lebt. Eine Beziehung, die von den Nachbarn misstrauisch beäugt wird. Eine allein erziehende Frau? In der weißen Vorstadt? Wenn da mal nicht die Sünde Einzug hält. Dieser Junge, Paul mit Namen, freundet sich mit Samantha an. Samantha kommt ebenfalls aus zerrütteten Familienverhältnissen. Ihre Mutter ist weggelaufen. Und sie hat das Mädchen bei ihrem „armen“ Vater gelassen. Doch wo Paul Liebe erfährt, erlebt Samantha Ablehnung. Craven delektiert sich daran, die Verlogenheit der Vorstadt zu porträtieren. Der „arme“ Vater nämlich ist ein mieser Schläger, der seine Tochter drangsaliert. Jeder weiß dies. Doch niemand sagt etwas. Auch an dem Tag nicht, an dem Samantha nach einem Treppensturz stirbt. Jeder weiß, dass der Vater sie geschubst hat. Doch die Vorstadt schaut beiseite. Paul implantiert Samantha daraufhin einen von ihm entwickelten Mikrochip, in der Hoffnung, Sam ins Leben zurück zu holen. Doch, wie in der Geschichte Frankensteins, entwickelt sich Sam in ein Monster, das tödliche Rache an all denen nimmt, die ihren Tod zu verantworten haben.
Interessant an dem Film ist unter anderem der Tausch der Rollen. Ist es normalerweise der Erwachsene, der Jagd auf Teenager macht, ist es hier der Teenager, der die Erwachsenen in Angst und Schrecken versetzt.
JAHRE DER DÜRRE
Mit dem Niedergang des Teenagerfilms Ende der 80er Jahre verschwand auch der Teen-Horrorfilm vorerst in der Versenkung. So steht es in der einschlägigen Literatur überall zu lesen. Dabei ist dies nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich wurden kaum noch Filme produziert (und die, die produziert wurden, über die sollte man den Mantel des Schweigens legen). Aber all die, die in den frühen 80ern hergestellt worden waren, verschwanden ja nicht von der Bildfläche, sondern sie blieben über den Videomarkt präsent. Geht man einmal davon aus, dass alle fünf Jahre eine neue Video-Zuschauergeneration in die Videotheken drängt, sind inzwischen schon vier Generationen von Zuschauern entstanden, die allesamt einen in etwa identischen Grundstock an Filmen konsumiert haben.
SCHREI!
Mit genau diesem erworbenen Wissen spielte 1996 Wes Craven, als er, nach einem Drehbuch von Kevin Williamson, „SCREAM – SCHREI!“ in die Kinos brachte. Cravens Geschichte um Morde im Umfeld einer Jugendclique, ist ein Spiel der Zitate. Indem der Regisseur darauf vertraut, dass jene Generation von Jugendlichen, die er porträtiert, mit Filmen wie „HALLOWEEN“ oder seinem eigenen „NIGHTMARE“ aufgewachsen sind, sind ihnen auch die Funktionsmechanismen dieser Filme bestens vertraut. Die Jugendlichen aus „SCREAM“ beziehen ihr Wissen nicht aus einschlägiger Filmliteratur. Ihr Wissen haben sie aus den Filmen des Genres selbst bezogen.
Craven bedient all diese Klischees. Oder er bricht sie, je nach dem was er benötigt, um Spannung zu erzeugen. Da ist die beste Freundin des „final girls“, die stirbt, um für besondere Tragik zu sorgen. Da sind die Anschläge auf die Hauptfigur Sidney (Neve Campbell) selbst, die natürlich nicht den gewünschten Erfolg bringen. Da sind die Geschichten vom Sex und dem Alkohol, deren Genuss im Untergang münden muss (und dies auch tut). Doch da ist auch der Bruch mit den Konventionen. Da ist der Killer. Oder besser gesagt: Da sind die beiden Killer. Allein die Tatsache, dass sich am Ende zwei Mörder zu erkennen geben, ist ein Bruch mit jeder Konvention des Teen-Horrorfilms, in dem sämtliche Ängste bis zum Erscheinen von „SCREAM“ quasi ausschließlich in einer Person manifestiert wurden.
DIE GEGENWART
Der Teen-Horrorfilm der Gegenwart bedient sich im Endeffekt typischen Inhalten seines Genres. Der sichtbare Horror ist eine Metapher für die Ängste der Jugendlichen beim Übergang in die Welt der Erwachsenen. Beste Beispiele dafür sind unter anderem „CARRIE 2“ („THE RAGE – CARRIE 2“, USA 1999), „DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH“ („DISTURBING BEHAVIOUR“, USA/Kanada 1998) und „FACULTY“ („FACULTY“, USA 1998), die auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit diesem Thema spielen.
„CARRIE 2“, ein Quasi-Remake des Originals, spart die Welt der Erwachsenen aus der Handlung fast vollkommen aus und lässt diese lieber ausschließlich unter Jugendlichen spielen. Die Gefahr kommt in diesem Film nicht in Form eines Maskenträgers daher, sie ist subtiler. In „CARRIE 2“ sind es die Jugendlichen selbst, von denen die Gefahr ausgeht. Auf der einen Seite sind die Besitzenden, die Kinder aus wohlhabendem Hause. Es sind die Kinder, denen theoretisch jede Tür offen steht. Doch der Druck, der auf ihnen lastet, ist enorm. Erfolg lautet die Devise ihres Lebens. Erfolgslosigkeit wird mit Versagen gleichgestellt. So sind selbst die, die uns in diesem Film als Täter gegenübertreten, selbst Opfer ihrer Umwelt. Ihre Ängste verarbeiten sie in Form von Aggressionen, die sie an denen auslassen, die in der sozialen Skala unter ihnen stehen. Opfer wie Rachel, eine Außenseiterin. Wenn man einen Menschen wie Rachel jedoch ständig in die Enge treibt, muss man damit rechnen, dass dieser Mensch eines Tages zurückschlägt. Und wenn diese Person telekinetisch begabt ist, lässt der Horror nicht lange auf sich warten.
„DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH“ berichtet hingegen vom direkten Kampf der Jugendlichen gegen die Erwachsenenwelt, die in diesem Film moderne Technik einsetzt, um aufmüpfige Jugendliche zu konformen Staatsbürgern zu erziehen. Pech nur, wenn diese Technik versagt.
Wo „DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH“ auf Hintergründigkeit setzt, ist „FACULTY“, geschrieben von „SCREAM“-Autor Kevin Williamson, eine eher simple Geschichte: Die Erwachsenen, in diesem Fall allesamt Lehrer, werden von Außerirdischen übernommen, die finstere Pläne verfolgen – und die nur von einer Gruppe von Jugendlichen verteilt werden können (womit der Kreis zum Teen-Horrorfilm-Klassiker „BLOB – SCHRECKEN OHNE NAMEN“ [„THE BLOB“, USA 1958], der vom Grundprinzip eine ähnliche Handlung erzählt, geschlossen wird).
Auffällig ist die Tatsache, dass neuere Teen-Horrorfilme Horror weitaus subtiler verbreiten als dies früher der Fall gewesen ist. Der unzerstörbare Psychopath unter der Eishockeymaske ist heute eher die Ausnahme als die Regel – wie die drei zuletzt aufgezeigten Beispiele für Teen-Horrorfilme belegen. Wohin sich dieses Genre bewegen wird, darüber kann man zur Zeit nur Spekulationen anstellen, denn auf dem Markt herrscht ein wenig Stagnation. Doch nach fast fünf Jahren Teenhorror-Renaissance ist dies nicht weiter verwunderlich. Jedes Genre braucht hin und wieder eine Verschnaufpause, um neue Ideen zu entwickeln oder alte Ideen in neuen Gewändern präsentieren zu können.
BIBLIOGRAPHIE
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- McCarty, John: The Fearmakers – The Screen’s Directorial Masters Of Suspense And Terror. New York 1994
- McCarty, John: Movie Psychos And Madman. New York 1993
- McCarty, John: Splatter Movies – Breaking the Last Taboo of the Screen. Bromley (Kent) 1984
- Robb, Brian J.: Screams & Nightmares. The Films of Wes Craven. London 1998
- Westphal, Sascha/Lukas, Christian: Buffy – Das inoffizielle Fanbuch. München 1999
- Westphal, Sascha/Lukas, Christian: Buffy – Die neuen Abenteuer. München 1999
- Westphal, Sascha/Lukas, Christian: Buffy – Die Jagd geht weiter. München 2001
- Westphal, Sascha/Lukas, Christian: Die Scream-Trilogie und die Geschichte des Teen-Horrorfilms. München 2000
| geschrieben von: Christian Lukas | | |
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