Rezension - Die "Dudu!"-Edition auf DVD

Die deutsche Filmreihe im Blick

Die 70er Jahre haben in den deutschen Lichtspielhäusern seltsame Blüten getrieben. Neben dem knallharten Selbstfindungskino des Neuen Deutschen Filmes mit seinen bleiernen Zeiten, dem Schlagerfilm vom Wörtersee und all den Schulmädchen- und Hausfrauenreportstreifen, da trieb sich sieben lange Jahre auch ein gelber VW-Käfer in den Kinos herum. Dudu hieß er und in den Sonntagsmatineen der Kinos von Flensburg über Witten an der Ruhr bis nach Oberammergau war ihm ein langes Leben beschieden. Und ja, ich habe sie im Kino gesehen. Alle, manche sogar mehrfach. Im City-Kino an der Ruhrstraße in Witten. Das City-Kino gibt es heute nicht mehr in seiner damaligen Form. Es trägt heute den Namen Burg 1 und ist Teil eines kleinen Kinocenters. Sonntagsmatineen, die gibt es auch nicht mehr. Jene Sonntagsvorstellungen, in denen wir, die um 1970 geborenen, tatsächlich noch „Godzilla“- oder sogar „Winnetou“-Filme auf der großen Leinwand präsentiert bekamen! Ja, „Godzilla“ auf Großleinwand! Und zwar der echte und einzige „Godzilla“, nicht sein amerikanisches Plagiat. Viele Filme, die da in sonntäglicher Runde gezeigt wurden, sind inzwischen spurlos vom Markt verschwunden. „Der Infra-Superman“ aus Japan (oder Hongkong?) ist einer dieser Filme, die irgendwie jeder Sonntagsmatinee-Gänger kennt, aber der nur mehr als Mythos, nicht aber auf Zelluloid zu existieren scheint. Eine Filmreihe aber hat überlebt und erlebt nun tatsächlich seine Veröffentlichung auf DVD: Besagte „Dudu“-Serie!
Zwischen 1971 und 1978 entstanden fünf Filme, in deren Mittelpunkt besagter Käfer stand. Allesamt geschrieben, produziert und inszeniert von einem Österreicher namens Rudolf Zehetgruber, der unter dem Namen Robert Mark auch noch die Hauptrolle aller fünf Filme spielte. Zehetgruber verdiente sich seine Sporen im deutschen Kriminalfilm der 60er Jahre und drehte immerhin 1968 mit „Ich spreng’ euch alle in die Luft“ einen – auf die Zeit bezogen - durchaus respektablen Actionkracher, der mit Götz George prominent besetzt war. Jedoch muss man konstatieren, dass es Zehetgruber nie wieder gelingen sollte, einen inszenatorisch so geschlossenes Werk zu inszenieren. Statt dessen verbrachte er ein ganzes Jahrzehnt damit, sein Leben einem gelben VW-Käfer zu widmen. Deutschlands Antwort auf den amerikanischen Wunderkäfer „Herbie“.
Und was soll man sagen?
Aus heutiger Sicht betrachtet wirken die Filme unfassbar. Wenn Dudu fliegt – und fliegen konnte er ebenso wie Wände hinauf fahren – erkennt man das Hubschraubermodell unter der gelben Karosserie. Wenn Dudu schwimmt, dann sind die Luftfässer, auf denen er übers Wasser gleitet, unschwer zu erkennen. Machen wir uns nichts vor: Nicht nur aus heutiger Sicht betrachtet, sind die „Dudu“-Filme Trash. Sie waren schon Trash, als sie in die Kinos kamen! Aber wie so vieles wird auch Dudu heute verklärt: Wer 1978 neun Jahre alt gewesen ist und Dudu im Kino sah – war begeistert. Es gab noch kein Morphing, Computerspezialeffekte kannte man höchstens aus Sciencefiction-Romanen. Und für den Steppke aus Witten an der Ruhr war Dudu 1978 nun einmal State of the Art, das Non plus Ultra, schlicht großes Kino. So gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten, die Serie wahrzunehmen: Durch die rosarote Brille des Nostalgikers, der alt genug ist um sich an Zeiten zu erinnern, in denen in deutschen Kinos noch nicht Tonnen von umweltfreundlichen Verpackungsmaterial (im Allgemeinen Popcorn genannt) gemampft wurden – oder aus der Perspektive des unvoreingenommenen Filmeguckers, der sich beim Konsum der Dudu-Filme vermutlich die Frage stellen wird, ob hier die Laienspielgruppe Bochum-Langendreer-West einen Betriebsausflug mit der Kamera festgehalten und auf DVD gebrannt hat!
1971 nahm die Geschichte mit „Ein Käfer geht auf’s Ganze“ ihren Anfang. In Afrika, auf einer Rallye, arbeitet der Held der Reihe, besagter Robert Mark, als Sevicemitarbeiter eines Rennstalls. Und irgendwo, mitten im Busch, entdeckt er das Wrack eines alten VW Käfers. Er restauriert den vollkommen heruntergekommen Wagen nicht nur, sondern jagt mit ihm unter anderem auch noch Schurken hinterher, die, warum auch immer, auf einem Luftkissenboot durch den Dschungel flitzen. Dazu muss man sagen, dass der Wagen zwar mit allerlei Gimmicks ausgerüstet wird – es steht aber außer Frage, dass er auch eine Seele besitzt, dass er lebt. Ja, wir sind schließlich im Reich der Phantasie.
Was soll man zu diesem ersten Film sagen?
Der Dschungel wurde aus Filmszenen anderer Filme zusammengeschnipselt, die Effekte sind lausig, der Humor ist albern - der Film aber wurde ein Erfolg, weshalb 1972 mit „Ein Käfer gibt Vollgas“ Dudu nicht nur ein zweites Mal über die Leinwand huschte. Dudu entpuppt sich im zweiten Abenteuer endgültig als Wunderauto, das im Notfall schon einmal den Seeweg der asphaltierten Straße vorzieht. Der Held hört ab diesem Film auf den Namen Jimmy Bondi (!) – was allerdings Joachim Fuchsberger dazu verleitet hat, die Gast-Hauptrolle dieses Filmes zu spielen, wird wohl sein Geheimnis bleiben.
1973 folgte „Ein Käfer auf Extratour“, 1975 „Das verrückteste Auto der Welt“, womit die Serie offenbar beendet werden sollte, denn das Interesse ließ bereits spürbar nach. Doch wo eine Kuh ist, ist auch ein Melker und 1978 schloss sich mit „Zwei tolle Käfer räumen auf“ ein fünfter Film an, der jedoch – seltsam ist. Selbst im Rahmen einer Reihe wie dieser. Dudu nämlich wird nach zehn Minuten verschrottet und seinen Platz nimmt eine Roboterkrabbe (!!) ein. Ursprünglich sollte der Film den Titel „Superbaby - der Kleine mit der großen Klappe“ tragen. Ist dies ein Hinweis darauf, dass Dudu erst nachträglich in den Film hineingeschnitten wurde, um einen anderen, ziemlich missratenen Actionfilm zu retten?
Rudolf Zehetgruber lehnt es leider ab, seine Filme zu kommentieren, daher ist vieles, was über seine Filme gesagt wird, reine Spekulation. Warum spielen zum Beispiel in fast allen Filmen die Schauspieler Sal Borgese, Walter Roderer und Kathrin Oginski mit - jedoch stets in neuen Rollen? So kann die DVD-Veröffentlichung leider nicht mit üppigen Bonusmaterial protzen, denn sollte noch Material in den Archiven liegen, rücken die Rechteinhaber dieses nicht heraus. Schade eigentlich. Es heißt, Zehetgruber sei darüber unglücklich, dass seine Filme heute vor allem als Partybrüller, nicht aber als echte Kinofilme betrachtet werden. Andererseits: Ist es keine Kunst, eine ganze Reihe von schlechten Filmen zu drehen, die selbst über 30 Jahre nach ihrer Fertigstellung noch in der Öffentlichkeit präsent sind?
PS: Der Name Dudu kommt aus der Sprache Kisuaheli und heißt in Deutsche übersetzt – Käfer!
PS II: Gerüchte besagen, dass der amerikanische Fernsehproduzent Glen A. Larson die Idee zu seiner überaus erfolgreichen TV-Serie „Knight Rider“ bekam, nachdem er von den „Dudu“-Filmen erfahren hat. Ob es stimmt?
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Die „Dudu Edition“ mit allen fünf Filmen ist bei Kinowelt HE erschienen.

Fakten:

Ein Käfer geht auf’s Ganze
BRD / Schweiz 1971
Kinostart: 31. Dezember 1971 (FSK ab 6)

Ein Käfer gibt Vollgas
BRD / Schweiz 1972
Kinostart: 21. Dezember 1972 (FSK ab 6)

Ein Käfer aus Extratour
BRD 1973
Kinostart: 13. Dezember 1973 (FSK ab 6)

Das verrückteste Auto der Welt
BRD 1975
Kinostart: 14. März 1975 (FSK ab 6)

Zwei tolle Käfer räumen auf
BRD 1978
Kinostart: (?) (Kinofassung FSK ab 12, auf DVD auf 6 reduziert)

Hauptdarsteller

Rudolf Zehetgruber ...... Ben (ab Teil 2 Jimmy Bondi)
Sal Borgese
Kathrin Orginski
Walter Roderer
Sowie
Joachim Fuchsberger
Walter Giller
Brad Harris
Herbert Fux
Franz Muxeneder
Ruth Jecklin

Crew
Regie, Drehbuch, Produktion Rudolf Zehetgruber

geschrieben von: Christian Lukas

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.: Dudu Edition (5 DVDs)



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