Space-View Filmguide: Der Bucklige von Soho

Der Bucklige von Soho

Fakten

Originaltitel: Der Bucklige von Soho
Deutschland, 1966
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 89 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Sitten und Anstand gehören in Schloss Castlewood, einem Heim für vom rechten Weg abgekommene Mädchen, nicht gerade zum Tagesplan. Während der verwirrte Schlossherr langwierige Kriegsschlachten im Sandkasten nachstellt, tanzen die Mäuse sozusagen um den Speck: Hauspfarrer David betreibt nebenher ein Bordell, das er mit Mädchen aus dem Heim bestückt. Als dann auch noch die junge Amerikanerin Wanda Merville, Nichte des Schlossherrn, auftaucht und ein ihr versprochenes Erbe antreten will, überschlagen sich die Ereignisse, und ein mysteriöser Buckliger beginnt, auf und um Castlewood sein Unwesen zu treiben.

Review

„Pfui Deibel, hier stolpert man ja förmlich über Tote“, ruft Sir John von Scotland Yard an einer Stelle des Filmes angewidert aus, und man kann ihn verstehen. Inhaltsangaben zu Edgar-Wallace-Filmen klingen irgendwie immer leicht surreal. Wo sonst, wenn nicht beim Versuch, die Essenz der vielfach verschachtelten und trotz aller Stereotypien doch spannend erzählten Handlung adäquat wiederzugeben, wird die innere Absurdität des Streifens erst richtig deutlich? Es ist wie bei einem alten „James Bond“: Während man im Kino sitzt, schluckt man so manche Handlungswendung und so manches Plotloch bereitwillig, weil einfach zu viel passiert. Will man die Kerngeschichte später aber noch einmal formulieren, kommt nur Murks dabei heraus. Wem tut man damit nun Unrecht: etwa dem Film?
Es wäre schade, würde er daran scheitern, denn „Der Bucklige von Soho“ ist, trotz seines Handlungsgewirrs, ein respektabler Wallace geworden, auch wenn die Vorbedingungen alles andere als ideal waren. 1966 brannte bei der Rialto Film nämlich, salopp gesagt, die Hütte. Zwar waren einige der aktuellen Produktionen – darunter der erste „Old Surehand“-Streifen frei nach Karl May – hinter ihren kommerziellen Erwartungen zurückgeblieben, doch lag dies primär an einer Marktüberflutung, nicht an -übersättigung. Allein 1965 kam statistisch gesehen alle 8 Wochen ein neuer May in die Kinos, da ist es nicht verwunderlich, wenn das Publikum irgendwann nicht mehr so ganz euphorisch darauf reagierte. Reagieren musste aber Rialto, die bei der May-Produktion ordentlich vom Gas ging (und Kassenknüller Winnetou alias Pierre Brice in bereits konzeptionierte Projekte reinschreiben ließ, um deren Zugkraft zu stärken), und die bei Wallace aus den Erfahrungen anderer Serien lernte und es erst gar nicht zu einer Übersättigung kommen ließ. „Der Bucklige von Soho“ war der Weihnachts-Wallace des Jahres 1966, in gewisser Weise also ein Eventfilm, und er passte wunderbar in die kalte, beschauliche Jahreszeit. Seine Atmosphäre des Grusels und des Rätselhaften harmonierte mit finsteren Winterabenden. Und Herbert Reineckers Drehbuch machte das Beste aus Harald G. Peterssons Vorlage: Kein Zuschauer hätte mehr geahnt, dass der „Bucklige“ eigentlich der Plot für den dritten, dann aber verworfenen Teil der „Hexer“-Subserie hätte sein sollen. Günter Stoll in der Rolle des Inspektors (ursprünglich für den „Hexer“-Ermittler Joachim Fuchsberger konzipiert), war dem Publikum durch die TV-Produktion „Melissa“ (ebenfalls 1966) nach Francis Durbridge bestens vertraut.
„Der Bucklige von Soho“, narrativ vielleicht recht bieder und stereotyp, war visuell doch ein Meilenstein für die deutschen Wallace-Produktionen. Denn als sich die Internationale Funkausstellung 1967 ankündigte – und mit ihr auch die Einführung des Farbfernsehens in Deutschland –, musste Rialto nachziehen. Um weiterhin attraktiv zu bleiben, wurden nun auch die Wallace-Filme in Farbe gedreht und aufgeführt.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Gisela Uhlen, die sich mit dieser Produktion aus der Wallace-Reihe verabschiedete, sollte noch einmal zu dem britischen Autor zurückkehren. Für die grottigen TV-Filme nach altem Vorbild, die ein Privatsender Ende der 1990er Jahre produzieren ließ, stand sie abermals vor der Kamera. Regisseur Alfred Vohrer war für den dritten „Hexer“-Film bereits eingeplant, als Rialto von dessen Realisierung absah und das Buch zum „Buckligen“ umschreiben ließ. Daher inszenierte der Mann hinter den beiden „Hexern“ nun auch den „Buckligen“. Das Krimigenre ließ Vohrer nie los. Ab Mitte der 1970er Jahre arbeitete er als Regisseur u.a. zahlreicher Fernsehkrimis in Serien wie „Derrick“ und „Der Alte“. Lassen Sie sich von den establishing shots aus London nicht täuschen: Das „wahre“ Schloss Castlewood steht in Berlin und hört auf den Namen Zitadelle Spandau. Eigentlich hätte Ursula „Uschi“ Glas die weibliche Hauptrolle spielen sollen, doch zogen sich die Dreharbeiten zu einem Winnetou mit ihr so lange hin, dass sie für den „Buckligen“ nicht länger zur Verfügung stand. Frisch zitiert: „Reichlich verworren wirkt die Story – ist sie auch. Eine gradlinige Handlung ist erst nach einer ganzen Weile des Films und viele Leichen später zu erkennen. Wenn auch das altbewährte Team um Regisseur Alfred Vohrer und Drehbuchautor Herbert Reinecker um die filmische Umsetzung dieser Edgar Wallace-Story kümmerten – ein Highlight der Serie wurde „Der Bucklige von Soho“ beileibe nicht. Die Spannung weicht allzu oft einer nüchternen Routine. Immerhin kann „Der Bucklige von Soho“ für sich in Anspruch nehmen, die erste Wallace-Verfilmung in Farbe gewesen zu sein...” - Moviemaster.de

Hauptdarsteller

  • Inspektor Hopkins Günther Stoll
  • Alan Davis Pinkas Braun
  • Wanda Merville Monika Peitsch
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Lady Marjorie Perkins Agnes Windeck
  • Puffmutter Gisela Uhlen
  • General Perkins Hubert von Meyerinck
  • Gladys Uta Levka

Film-Crew

  • Regie Alfred Vohrer
  • Drehbuch Herbert Reinecker