Originaltitel: Im Banne des Unheimlichen
Deutschland, 1968
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 90 Min.
Thriller
Sir Oliver, Herr über Crowfield, ist nicht mehr. Der wohlhabende Grundbesitzer kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, und doch gibt es Zweifel an seinem Tod – nicht zuletzt genährt durch die unheimliche Tatsache, dass bei seiner Trauerfeier ein hämisches Lachen aus seinem Sarg zu dringen schien. Als Dr. Merryl, der Anwalt des Verstorbenen, ebenfalls das Zeitliche segnet und dabei 10.000 Pfund gestohlen werden, die Merryl laut Testament einer Nachtclubtänzerin überbringen sollte, schaltet sich Inspektor Higgins von Scotland Yard ein. Kurze Zeit später ist auch die Tänzerin ermordet, und eine „lachende Leiche“ macht den Hinterbliebenen des Sir Oliver das (Über)Leben schwer.
Eigentlich müsste „Der Gorilla von Soho“ an dieser Stelle stehen. Bei der deutschen Produktionsfirma Rialto Film wollte man dem letztjährigen Kassenknüller „Der Hund von Blackwood Castle“ nämlich einen weiteren Reißer nach Motiven von Edgar Wallace anschließen. Der Film war besetzt, die Crew gefunden, da besann man sich um: Sollte man einem Film über einen Hund gleich nahtlos eine Produktion mit Gorilla im Titel folgen lassen? „Im Banne des Unheimlichen“ wurde dazwischen geschoben – und das für den „Gorilla“ verpflichtete Ensemble kurzerhand hier verwendet.
Das Drehbuch stammte von zwei Wallace-Neulingen: Ladislas Fodor, Autorenstar der damals immens beliebten „Dr. Mabuse“-Filmserie, entlieh sich die Rialto von Artur Brauners Berliner CCC-Studios, wo schon so mancher Wallace gedreht worden war. Und Paul Hengge wurde von der Produktionsfirma ohnehin als Autoren-Alleskönner aufgebaut und war in mehreren Genres versiert. Beide lieferten ein letztliches Drehbuch ab, das sich in Sachen Spannung und Humor, den Eckpfeilern eines guten Wallace, nicht hinter Klassikern wie „Der unheimliche Mönch“ verstecken musste.
Das Publikum bekam im „Banne des Unheimlichen“ vertraute Gesichter zu sehen, aber auch die Illusion der fortlaufenden Zeit innerhalb der Filmreihe vermittelt: Denn nach „Der Hexer“ von 1964 und dem Vorjahreshit „Der Mönch mit der Peitsche“ spielte leading man Joachim Fuchsberger nun zum dritten und letzten Mal den weltoffenen und überaus cleveren Yard-Inspektor Higgins. (Seinen Abschied von Wallace nahm „Blacky“ dadurch aber noch lange nicht, auch vor Higgins hatte er schon andere Rollen in der Serie verkörpert.) Und mit Hubert von Meyerincks Sir Arthur bekam Siegfried Schürenbergs Scotland-Yard-Chef Sir John endlich die wohlverdiente Pensionierung ins Drehbuch geschrieben: Sir Arthur wurde im „Unheimlichen“ schlicht als Nachfolger des verrenteten Sir John eingeführt. Das machte nicht nur die Fans skeptisch. Selbst Arthurs Sekretärin hatte mit dieser neuen Figur noch so ihre Probleme…
Für die weibliche Hauptrolle, die Journalistin Peggy Ward, wagte Rialto einen diskutablen Casting-Coup und besetzte die Schwedin Siw (auch Siv) Mattson. Mattson, nicht gerade mit gar zu viel schauspielerischem Talent gesegnet, hatte zuvor in Softsex-Filmen auf sich aufmerksam gemacht und bot auch den weitaus züchtigeren Wallace-Zuschauern einen schönen Anblick. Da störte es auch niemanden, dass man sie deutsch synchronisieren musste, was Schauspielerin Helga Trümper, Synchronstimme von Catherine Deneuve, übernahm.
Heraus kam ein Film, der sicher nicht zu den besten der Wallace-Ära des deutschen Kinos zählt. Die Handlung schlägt so viele Kapriolen, dass wohl auch der Geduldigste unter den Zuschauern irgendwann geschlagen kapituliert und einfach nur noch die Fahrt genießt. Der Soundtrack, diesmal wieder von Peter Thomas komponiert, versteht zwar zu überzeugen, und an Blacky Fuchsberger konnte sich das Publikum ohnehin noch nie satt sehen, doch machen Filme wie der „Unheimliche“ deutlich, wie sehr sich die routinierten Wallace-Streifen mittlerweile ähnelten, wie wenig Originalität und Idee noch in ihnen steckte. Man kann „Im Banne des Unheimlichen“ problemlos genießen, für einen kultigen Filmabend liefert er alle nötigen Zutaten. Betrachtet man aber das Gesamtwerk der Serie, merkt man schnell, dass der Rialto das Wasser in narrativer Hinsicht allmählich bis zum Hals stand. Ob die Produktionsfirma dies aber ähnlich sah, würde erst der nächste Streifen, „Der Gorilla von Soho“, zeigen.