Space-View Filmguide: Das Böse unter der Sonne

Das Böse unter der Sonne

Fakten

Originaltitel: Evil Under the Sun
Großbritannien, 1982
Kinostart: 30.09.1982 (FSK: 12)
ca. 116 Min.

Genre

Mystery, Thriller

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Kurzübersicht

Sein neuester Fall führt den weltberühmten und leicht schrulligen belgischen Detektiv Hercule Poirot ins Königreich Tyrania, wo Daphne Castle in seiner Majestät alter Sommerresidenz ein Hotel betreibt. Unter den Gästen befindet sich die bekannte Schauspielerin Arlena Marshall nebst gehörntem Ehemann, der Autor eines Enthüllungsbuches über Arlena, sowie viele weitere Personen, die mit der exzentrischen Dame Probleme haben. Als Arlena eines Tages tot aufgefunden wird, hat Poirot Mühe, den Mordfall aufzuklären, denn jeder der Anwesenden hat ein wasserdichtes Alibi.

Review

Alles dreht sich um Arlena, und wenn diese auch noch von Diana Rigg gespielt wird, ist das nur verständlich. Die britische Actrice hat immerhin schon Generationen von (meist männlichen) Serienfans verzaubert und in ihrer Rolle als Emma Peel aus der Kultproduktion „The Avengers“ („Mit Schirm, Charme und Melone“) vor die Mattscheiben gebannt. Außerdem ist sie bis heute (!) die einzige Frau, die jemals den wohl notorischsten Junggesellen aller Zeiten ehelichen durfte: James Bond himself (im George-Lazenby-Streifen „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ aus dem Jahr 1969). Zugegeben, die Ehe dauerte nur wenige Stunden und endete tragisch … aber trotzdem: Was für eine Frau!
1974 war es, als Agatha Christie das Kino wiederentdeckte. Mit Sidney Lumets Erfolgsfilm „Mord im Orient-Express“, basierend auf dem gleichnamigen Kriminalroman, bewies die Filmbranche, dass sie zu (halbwegs) werkgetreuen Adaptionen der Christie-Bücher in der Lage war. Seit Margaret Rutherford in den 1960ern in vier Kinoproduktionen als resolute Miss Marple aufgetreten und die literarische Vorlage zum Zwecke der Pointe mit Füßen getreten hatte, stand Christie mit diesem Medium nämlich auf dem Kriegsfuß. Doch Lumet überzeugte sie, dass es auch anders ging. Und die Folgen waren weitere, groß budgetierte und mit Staraufgebot gedrehte Verfilmungen. Nach dem mehrfach preisgekrönten „Mord auf dem Nil“ (1978) setzten sich die damaligen Produzenten John Brabourne und Richard B. Goodwin ein weiteres Mal zusammen und suchten neuen Stoff für einen Christie-Film. Da man bereits zweimal gut mit Poirot-Geschichten gefahren war, fiel die Entscheidung nicht schwer, sich abermals auf den kleinen Belgier zu konzentrieren. 1982 fiel die erste Klappe für „Das Böse unter der Sonne“, und abermals stand der große Sir Peter Ustinov in der Hauptrolle vor der Kamera.
Das Drehbuch, erneut von Anthony Shaffer verfasst und erstaunlich nah an der Romanvorlage, verschlägt Poirot in den sonnigen Süden, wo er sich erneut und in bester Columbo-Manier mit den Reichen und Schönen beschäftigt – und mit dem Blick hinter die Fassaden dieses Menschenschlags. Dabei ist Poirot trotz aller Schrullen und Eigentümlichkeiten kein Außenseiter dieser Gesellschaft, sondern ein guter Beobachter und Meister der Deduktion. Kein Actionheld, sondern jemand, der sich den Gegnern mit der Macht seiner – wie er selber sagt – „kleinen grauen Zellen“ entgegensetzt.
Um diesen Film zu inszenieren, holten sich Brabourne und Co. Regisseur Guy Hamilton an Bord, der in der Vergangenheit bereits vier Bond-Filme für Broccoli gedreht und spätestens damit bewiesen hatte, dass er ein Händchen für Spannung vor exotischen Kulissen hatte. Die Dreharbeiten für „Evil“ führten Hamilton und sein Team neben den Studios in die Lee International Studios in London, sowie nach Mallorca, das für die Außenaufnahmen des fiktiven Königreichs Tyrania doubelte. Der Film wurde 1982 uraufgeführt und stieß auf positive Resonanz, auch wenn so mancher Kritiker (und Kinogänger) abermals die arge Kopflastigkeit der Geschichte bemängelte – Lesern der Romanvorlage dürfte dieser Vorwurf ebenfalls vertraut sein. Deutsche Zuschauer kamen 1982 in einen besonderen Genuss: Im Gegensatz zum 1978 entstandenen „ersten Teil“, synchronisierte sich Sir Peter in „Das Böse unter der Sonne“ nämlich selbst. Sein Deutsch war so gut – und der belgische Hintergrund seiner Filmfigur ohnehin eine gute Erklärung für eventuelle Sprechakzente – dass sich das Synchronstudio die Chance nicht entgehen ließ, den beliebten Star selbst zu verpflichten.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Guy Hamilton inszenierte in seiner Zeit bei Broccoli gleich zwei Bond-Darsteller: Sean Connery und Roger Moore. Zu Comic-Verfilmungen hat der 1922 geborene Regisseur keinen guten Draht. Die Regie bei „Superman“ (1978) musste er aus steuerlichen Gründen absagen und seinen Platz für Richard Donner räumen (er verlangte aber dennoch das volle Gehalt). Und als man ihm einige Jahre später den Film „Batman“ anbot, lehnte er ab. Bis in den Sommer 2008 hinein agierte Dame Enid Diana Elizabeth Rigg als Kanzlerin der Universität von Stirling in Schottland. Der Ortsname sollte ihr vertraut sein, war sie doch jahrelang mit einem Mr. Archibald (Laird of) Stirling verheiratet. Frisch zitiert: „Es beginnt auf übliche Weise: mit einer Leiche. Es geht obligatorisch weiter, mit der Ansammlung einer großen Zahl bunter und exzentrischer Verdächtiger an einem abgelegenen Fleckchen, das zufällig auch Ziel von Hercule Poirot war. Und es geht weiter mit der Entdeckung einer zweiten Leiche, mit der freizügigen Verteilung gigantischer Hinweise und mit Poirots genussvoller Zusammenfassung der Beweislage. Es ist die Besetzung, die ‚Das Böse’ vergnügsamer macht, als es die vorherigen Fassungen dieses Standardplots waren.“ - Roger Ebert

Hauptdarsteller

  • Hercule Poirot Peter Ustinov
  • Christine Redfern Jane Birkin
  • Sir Horace Blatt Colin Blakely
  • Patrick Redfern Nicholas Clay
  • Odell Gardener James Mason
  • Rex Brewster Roddy McDowall
  • Myra Gardener Sylvia Miles
  • Captain Kenneth Marshall Denis Quilley
  • Arlena Stuart Marshall Diana Rigg
  • Daphne Castle Maggie Smith

Film-Crew

  • Regie Guy Hamilton
  • Drehbuch Anthony Shaffer