
Originaltitel: Beowulf
USA, 1998
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 89 Min.
Fantasy
„Beowulf“ ist eine der klassischen Sagen des nordisch-germanischen Kulturraumes. Hier bietet der dänische Krieger Beowulf den von Grendel arg dezimierten Goten seine Hilfe an, um in einem Kampf auf Leben und Tod dem Monster tatsächlich den Gar auszumachen. Und wie dies bei einer Sage so ist, besiegt der Held nicht nur das Monster, er wird schließlich auch König der Goten, der sein Volk bis zu seinem Tode mit Weisheit und Edelmut führt.
Die klassische Sage, die vermutlich um 799 erstmals in England niedergeschrieben wurde, dient nun dem Spielfilm „Beowulf“ als Vorlage, der trotz 30 Millionen Dollar Produktionskosten in Deutschland gar nicht erst ins Kino gekommen ist. Dafür gibt es viele Gründe. So darf „Beowulf“ sicher als Anwärter auf einen der vorderen Plätze in der Kategorie „bizarre Ideen, die wirklich ausgeführt wurden“ gelten. Einerseits sind Teile der Sage recht präzise in die Geschichte übertragen worden: Da ist das furchterregende Monster Grendel, da ist Beowulf (Christopher Lambert), der uneigennützig den belagerten Burgherren seine Dienste anbietet und auch der Kampf Mann gegen Monster entspricht durchaus der klassischen Vorlage. Andererseits: Wer hatte die Idee, „Beowulf“ in ein Zeitalter der Postapokalypse zu verlegen? Tatsächlich spielt der Film in einer nicht datierten, zukünftigen Welt, in der der Mensch sein technologisches Wissen verloren hat und sich intellektuell auf dem Niveau des frühen Mittelalters befindet. Diese Idee als solche wäre nicht schlecht, bekäme man eine Erklärung für die Existenz dieser Welt. Warum ist die Menschheit untergegangen? Warum verschwanden die Religionen der Gegenwart, um vom Glauben der Vergangenheit ersetzt zu werden? Welche Rolle spielen die Götter des Nordens in dieser Geschichte? Ohne diese Hintergrundgeschichte wirkt „Beowulf“ nur wie eine Ansammlung bizarrer Bilder, Kulissen, Kostüme, in denen Mittelalterliches und Gegenwärtiges vollkommen willkürlich zusammenfließen, ohne eine bildliche oder inhaltliche Einheit zu ergeben. Das Endergebnis bleibt zwar durchaus unterhaltsam, doch überzeugen kann es nicht.