
Originaltitel: Deep blue Sea
USA, 1999
Kinostart: 28.10.1999 (FSK: 16)
ca. 104 Min.
Action, Science Fiction
Susan McAlester experimentiert mit Mako-Haien, manipuliert deren Sinne und Reflexe, um die DNS zu verändern. Ihr Ziel: aus dieser veränderten DNS ein Serum zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit zu erschaffen, auf dessen Grundlage auch andere Krankheiten geheilt werden könnten. Haie kennen keinen Krebs, sie bekommen keinen Gehirnschlag, sie sind gegen die meisten Viren immun. Und um die Doktorin zu entschuldigen: Sie will mit dieser Arbeit nicht reich und berühmt werden, sondern sie hat mit ansehen müssen, wie ein Mensch, der ihr nahe stand, auf Grund seiner Krankheit dahin vegetierte. Dieses Schicksal soll anderen Menschen erspart bleiben. Dr. Alester arbeitet auf einer Forschungsstation weit draußen auf dem Pazifischen Ozean. Die meisten Ebenen des modernsten Laboratoriums seiner Art liegen unter Wasser. Als eines Tages Unschuldige in einen Unfall verwickelt werden, will man das Projekt auflösen. Bis dahin hat die Ärztin sich jedoch zwei Tage Aufschub erbeten. In dieser Zeit hofft sie, den Durchbruch zu erlangen. Doch kurz bevor sie ihren Triumph feiern kann, kommt es erneut zu einem Unfall, bei dem einer ihrer Männer einen Arm verliert. Um ihn zu retten, wird ein Hubschrauber gerufen, der bei dem einsetzenden Unwetter eigentlich nicht mehr hätte starten dürfen. So nimmt das Unglück seinen Lauf: Der Hubschrauber gerät ins Schlingern, einer der Haie schnappt nach dem auf einer Trage liegenden Schwerverletzten, der Hubschrauber knallt gegen den Tower und die folgenden Explosionen lösen einen Domino-Effekt aus, der schließlich die halbe Station in Schutt und Asche legt. Die Haie dringen in die mit Wasser überfluteten Ebenen ein – und mit ihrem Eindringen nimmt die Zahl der Labormitarbeiter rasant ab!
„Deep Blue Sea“ ist die Geschichte von drei ziemlich bösartigen Haien, die die Besatzung auf einer Forschungsstation im Ozean gewaltig dezimieren. Den Film jedoch auf diesen Aspekt beschränken zu wollen, das wird ihm nicht gerecht. Denn hinter der Action-Fassade verbirgt sich eine klassische Frankenstein-Geschichte über einen Forscher, der die Grenzen des Erlaubten überschreitet, sich als Gott aufspielt und damit eine Katastrophe heraufbeschwört. Nur hier ist Frankenstein eine äußerst attraktive Frau und heißt Dr. Susan McAlester.
Gegenüber den genmanipulierten Haien von Regisseur Renny Harlin ist Spielbergs weißer Hai ein zahnloser Hering. Der Finne Harlin, der für Actionfilme wie „Stirb langsam 2“ und „Tödliche Weihnachten“ verantwortlich zeichnete, hat mit „Deep Blue Sea“ einen Schocker geschaffen, der die Grenze des nervlich Erträglichen nicht nur einmal überschreitet. Er baut seine Spannung auf ganz verschiedenen Ebenen auf: Da ist die Station, die unterzugehen droht. Die Gänge und Räume werden mit Wasser überflutet, so dass der Bereich, in dem sich die Protagonisten bewegen können, immer enger wird. Und als reiche dieses Katastrophen-Szenario noch immer nicht aus, befinden sich in den Gängen schließlich drei Haie, die nicht nur einen verdammt großen Hunger haben, sondern zu allem Überfluss auf Grund ihrer veränderten DNS-Struktur auch noch weitaus intelligenter sind als ihre Artgenossen. Diese Zutaten alleine würden nicht ausreichen, den Film von unzähligen ähnlichen Produktionen zu unterscheiden. Was „Deep Blue Sea“ allerdings hervorhebt, ist die Einbringung der Haie als den Menschen gleichberechtigte Gegenspieler. Harlin projiziert in sie menschliche Urängste. Der Hai wird zum seelenlosen Killer. Er frisst seine Opfer nicht nur, er vernichtet auch ihre unsterblichen Seelen. Der Hai ist nicht einfach nur ein seinen Instinkten überlassener Raubfisch, in seinem Antlitz findet der Teufel ein Gesicht frei von jeder Emotion. Ein Antlitz, das nicht die Natur, sondern der Mensch erschaffen hat.