
Originaltitel: The Dark Knight
USA, 2008
Kinostart: 21.08.2008 (FSK: 16)
ca. 152 Min.
Action, Science Fiction, Thriller
Wenn ein als Blockbuster geplanter Film am ersten Wochenende alle Rekorde bricht, ist das planbar. Alle wollen den neuen Film sehen und wenn der Vertrieb nur genügend Geld in die Filmkopien steckt, dann ist das Ziel schon fast erreicht. Aber wenn ein Film auch in der dritten Wochen noch für Furore bei Fans und Kritikern sorgt, dann ist es amtlich, ein Blockbuster ist geboren.
The Dark Knight: jeder superheldenafine Mensch weiß es, damit ist Batman gemeint. Der ist neben Superman das Flagschiff von DC, des deutlich kleineren der beiden Amerika dominierenden Comicverlage. Marvel hat mit Spider-Man, Ironman, Draedevil, Elektra, dem Hulk, den Fantastischen Vier und den X-Men seine Top-Titel schon längst in den Kinos, DC hatte mit dem letzten Superman-Film keinen großen Erfolg und daneben nur noch Batman. Dessen Film "Batman Begins" war aber besonders in Fankreisen ein Hit, und so waren die Erwartungen hoch.
Und "The Dark Knight" funktioniert. Nicht nur als Superhelden-Märchen, sondern auch als exzellenter Thriller und buntem Agentenabenteuer. Dafür ist er mit 150 Minuten auch lang genug, aber niemals langatmig. Statt dessen fesselt dieser Streifen über die gewöhnliche Kinofilm-Distanz von 90 Minuten und ist nur an einer Stelle, da aber packend und bewegend, ruhiger. Immer wieder hat man das Gefühl, jetzt am Ende eines guten Films zu sein, und dann legt The Dark Knight noch eine Packung oben drauf.
Zuerst: "The Dark Knight", der neue James Bond. Wer liebte es nicht, wenn Q die neuen Spielzeuge dem staunenden Superagenten 007 vorführte. Natürlich ging dabei immer etwas zu Bruch. Genau das bietet Batman auch. Lucious Fox gibt hier den in die Jahre gekommenen Erfinder, der den Helden immer wieder mit den nötigen Gimmicks ausstattet, um auch ohne Superheldenkräfte "super" zu sein. Das war im Vorgängerfilm das neue Auto und ist hier, neben einem neuen Kampfanzug, eine Erweiterung des üblichen und verbreiteten Handys. Den Playboy nebst hübscher Frauen gibt Batmans Geheimidentität Bruce Wayne auch noch. Das zusammen mit wenigen guten Pointen ergeben einen würdigen James Bond - wenn der Held nicht so komischen Klamotten anhätte.
Wichtiger: "The Dark Knight", der Thriller. Ein irrer Killer, die Mafia, eine korrupte Polizei, ein Staatsanwalt, der mutig mit dem verbrechen aufräumen will und eine vertrackte Love-Story im Spannungsgeladenen Frau-Held-Staatsanwalt-Dreieck - dieser Film hat fast zu viel des Guten. Aber er hat ja auch 2,5 Stunden Zeit, um alles unterzubringen. Fantastisch ist die Charakterisierung der
Hauptfiguren. Der Polizist Gordon mit seiner als korrupt bekannten Truppe. Dennoch verlässt er sich auf diese Menschen und muss auch für seine Familie sorgen. Harvey Dent ist der Kämpfer des Lichts. Als Staatsanwalt scheut er das persönliche Risiko nicht. Dabei geht er an persönliche Grenzen. Comicfans wissen um den Namen und das der strahlende Held so nicht bleiben kann. Wie hier aus dem Guten einer der Bösen wird ist deutlich schlüssiger erzählt als das Star Wars auch nur versucht hat. Herausragend ist Heather Ledger als Joker. Der Pop-Art-Bösewicht Jack Nickolsen, der den Joker im Batman von 1989 spielte, wird hier flach wie ein Poster. Der aktuelle Prinz der Unterwelt ist einfach Irre. Geld interessiert ihn nicht, er will Aufmerksamkeit - oder was auch immer. Er lockt das Böse aus den Guten heraus und sorgt so auch für die funktionierenden psychologischen Momente des Films.
Und natürlich: "The Dark Knight", der Comic-Film. Der aktuelle Batman-Streifen bringt die Faszination der großen Batman-Stories der letzten 25 Jahre zusammen. Wir sehen den grimmigen Helden aus "The Dark Knight Returns", der zu unfeinen Mitteln greifen muss. Frank Millers Comic-Meilenstein krankte an der freundliche Nähe zum Totalitären, hier wird dieses Thema anders aufgelöst. Der Joker ist so irre und tödlich wie in "The Killing Joke", der gerade beim Panini-Verlag mit einer erweiterten Ausgabe aufgelegt wird. Zum Schluss gibt es noch eine derbe Kelle "Niemandsland". In diesen Comics
war Gotham von der restlichen Welt abgeschnitten. Der Neue Batman-Film ist weit weg vom Pop-Art Kitsch der 90er Batman-Streifen. Er ist die konsequente Fortsetzung des den Helden einführenden "Batman Begins". Wie im Comic tauchen alte Gegner immer wieder auf, hier die Vogelscheuche oder im Original Scarecrow aus dem ersten Film. Eine Anleihe an die spaßigen Batman-Filme kann sich aber auch dieser Streifen nicht verkneifen. Der Flip mit 180° Wende auf dem BAT-Motorrad bricht für Sekunden die dramatische Verfolgungsjagd mit einem ironischen Zwinkern auf, nur um das brutale Ende der Action-Sequenz in seiner gewaltigen Kraft zu unterstreichen.
Der neue Batman-Film überwältigt mit seiner Kraft, seiner Brutalität sowie durch einen fantastischen Jocker und bricht zu Recht alle Rekorde an den Kinokassen.