Originaltitel: Der Fälscher von London
Deutschland, 1961
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 93 Min.
Thriller
Die junge, gutaussehende Waise Jane wird von ihrem Onkel mit dem Millionenerben Peter Clifton verheiratet. Doch ihre Ehe beginnt aufregend: In den Flitterwochen auf Longford Manor überrascht Jane ihren Mann nachts an einer Gelddruckerpresse – doch morgens erinnert er sich an nichts. Ist er der seit langem von Scotland Yard gesuchte Geldfälscher „Der Gerissene“? Dann stirbt ein aufdringlicher Verehrer Janes – und alle Indizien belasten Peter. Während Peters Arzt Dr. Wells auf vererbte Schizophrenie pocht und der übereifrige Inspektor Rouper ihn zu überführen sucht, sind einzig der abgebrühte Oberinspektor Bourke und Jane von der Unschuld des Freundes und Ehemanns überzeugt.
Der achte Edgar-Wallace-Film der Nachkriegsgeschichte hat alles, was einen guten Krimi ausmacht: rätselhafte Tode, viele Tatverdächtige, falsche Spuren, ein verzwicktes Beziehungsgeflecht und einen coolen Ermittler, der sich nicht vom Anschein verleiten lässt, sondern den Dingen wirklich auf den Grund geht.
Obwohl er keineswegs der Hauptdarsteller des Films ist, könnte man Siegfried Lowitz in seiner Rolle des Oberinspektor Bourke den heimlichen Star der Geschichte nennen. Lowitz, der in „Der Frosch mit der Maske“ (1959) noch Inspektor gewesen war (allerdings Elk, nicht Bourke – so weit reicht die Continuity der Serie dann doch nicht), gibt den Kriminalisten als lässigen, abgebrühten Burschen, der das Herz am rechten Fleck hat und sich auch nicht zu schade ist, das Gesetz ein wenig zu dehnen, wenn es der Verfolgung des wahren Schuldigen eines Verbrechens dienlich ist.
Die Handlung des von Unterhaltungsregisseur Harald Reinl inszenierten Films basiert auf dem Wallace-Roman „Der Banknotenfälscher“ (engl. „The Forger”) von 1927 und besticht durch ein umfangreiches Figuren-Ensemble, dessen Beziehungen Stück für Stück bis zum überraschenden Ende aufgedeckt werden. Es wurde von Dr. Hanns Wiedmann für die große Leinwand adaptiert, der aufgrund seiner NS-Vergangenheit unter dem Pseudonym Johannes Kai schreiben musste. Dabei galt das Drehbuch als so gelungen, dass praktisch keine Korrekturen mehr vorgenommen wurden. Kai war später noch an „Die Tür mit den sieben Schlössern“ und „Der schwarze Abt“ beteiligt.
Gedreht wurde im Real-Film-Studio in Hamburg-Wandsbek, und obwohl die Geschichte natürlich einmal mehr in London spielt, reiste man für die Außenaufnahmen mitnichten in die britische Hauptstadt. Vielmehr durfte die Hamburger Speicherstadt als nächtliche Straßen der Metropole an der Themse und das Schloss Herdingen bei Neheim-Hüsten in Westfalen als Longford Manor herhalten – letzteres sollte erneut in „Der schwarze Abt“ als Kulisse dienen. Mit diesen nicht ganz billigen On-Location-Drehs wurde der zunehmenden finanziellen Zugkraft der Wallace-Filme sichtlich Rechnung gezollt.
Neben Lowitz sind Viktor de Kowa als Dr. Donald Wells, Mady Rahl als Majorie Wells, Reinls Ehefrau Karin Dor als Jane und Wallace-Neuling Hellmut Lange als Peter Clifton im „Fälscher“ zu sehen. Für Lange entschied man sich vor allem deshalb, weil man die Zuschauer darüber im Unklaren lassen wollte, ob der Protagonist nun schuldig oder unschuldig ist. Da sollte kein „vorbelastetes“ Gesicht, wie das von Joachim Fuchsberger, dem man den Mörder keinesfalls abgenommen hätte, störend im Weg stehen.
Der Film eröffnete die Saison 1961/1962 und blieb nach den zwei Krachern „Die toten Augen von London“ und „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, die jeweils mehr als drei Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser gelockt hatten, leicht hinter den Erwartungen zurück. Als Grund dafür wird das Fehlen eines zugkräftigen leading man vermutet. Im nächsten Film sollte auf jeden Fall wieder Joachim Fuchsberger mit von der Partie sein.
Wussten Sie schon …? Für die Filmmusik zeichnete erstmals Martin Böttcher verantwortlich, der mit seinen Kompositionen für die Karl-May-Filme in den 1960er-Jahren Berühmtheit erlangen sollte – allein das Titelthema zu „Der Schatz im Silbersee“ führte 1962 17 Wochen lang (!) die deutschen Charts an. Spaßvogel Eddi Arendt hat einen winzigen Gastauftritt als völlig vertrottelter Nachbar von Peters Rechtsanwalt Mr. Radlow. Er reißt einen Schrank um, plappert scheinbar pausenlos Unsinn – und liefert doch zwei wertvolle Hinweise auf der Suche nach dem Mörder! Das Pseudonym von Drehbuchautor Wiedmann geht auf seine Geburtsstadt Kairo zurück. Als „Kairoman“ wollte er sich eigentlich Roman Kai nennen, doch aufgrund der wenig klangvollen Phrase „ein Roman von Roman (Kai)“ besann er sich auf seinen eigentlichen Vornamen Hanns und machte daraus Johannes. Frisch zitiert „Sie haben Recht Mrs. Clifton, die ganze Geschichte ist etwas verworren, aber… halten Sie sich vor Augen, dass ich zwar theoretisch immer im Dienst bin, aber auch mal Erholung einlegen muss. Und seit zehn Minuten fühle ich mich als freier Mensch und in dieser Zeit bin ich ein sehr guter Freund Peters. Und deshalb möchte ich noch einmal auf den Hammer zu sprechen kommen… und auf den Anzug… und auf das blutige Hemd.“ „Warum sagen Sie das mir?“ „Wenn ich sicher wäre, dass das Zeug in Händen einer Person ist, die Peters Freund ist, dann wäre mir das eine große Erleichterung. Der Tee…“ - Oberinspektor Bourke ahnt, dass Jane Leith-Clifton Beweise versteckt