Space-View Filmguide: Freeze – Alptraum Nachtwache

Freeze – Alptraum Nachtwache

Fakten

Originaltitel: Nightwatch
USA, 1997
Kinostart: 13.08.1998 (FSK: 16)
ca. 102 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Student Martin Bells jobbt als Nachtwächter in einem Krankenhaus. Die Arbeit geht ihm leicht von der Hand, einzig vor der pathologischen Abteilung hat Martin Respekt. Ihm ist klar, dass ihn die dort gelagerten Toten nicht ans Leder wollen, unangenehm ist ihm der Aufenthalt unter ihnen aber dennoch. Währenddessen mach ein Serienkiller die Stadt unsicher, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Die Spur der Ermittler, vertreten durch den bärbeißigen Inspektor Thomas Albert Cray, führt in die Pathologie – und ehe er sich versieht, ist Martin Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Schlimmer noch: Auch seine Freunde werden nach und nach in das Geschehen verwickelt.

Review

Die Zutaten stimmen. Man nehme einen immens erfolgreichen europäischen Thriller der jüngeren Vergangenheit und adaptiere ihn für amerikanische Leinwände. Dazu verpasse man ihm ein moderat-adäquates Budget, einen tollen Ensemblecast und beeindruckende Kulissen. Vermittelt man dann auch noch dem Talent hinter dem Erfolgsrezept, also dem Autor und Regisseur des Originals, das Gefühl, Hollywood habe nur auf ihn gewartet und seine Mitwirkung beim Remake sei eine unverzichtbare Zutat zu dessen Erfolgsrezept, müsste einer Wiederholung des Phänomens Kassenknüller eigentlich nichts mehr im Wege stehen, oder? Oder??
Weit gefehlt. Dieser Deal geht nur in den seltensten Fällen auf, und warum das so ist… naja, diese Lektion muss Hollywood allem Anschein nach jedes Mal aufs Neue lernen. „Freeze – Alptraum Nachtwache“ ist die US-Version von „Nattevagten“, einem Geheimtipp und Kultfilm unter europäischen Thriller- und Gruselfans. Der dänische Regisseur, Produzent und Schauspieler Ole Bornedal hatte die auf seinem eigenen Drehbuch fußende Story 1994 fürs Kino inszeniert und der dänischen Filmbranche damit internationale Beachtung (und Hochachtung) verschafft. Nahezu auf dem ganzen Kontinent ließen sich die Zuschauer von Bornedals schwarzhumorig-atmosphärischen Schauermär begeistern und nahmen ihrer Handlung auch so manche Offensichtlichkeit nicht übel. Was zählte, waren die Stimmung und die Schockeffekte – und mit denen kannte sich Bornedal ganz offensichtlich bestens aus.
Das fand auch Steven Soderbergh. Der vieldiskutierte Regisseur solch unterschiedlicher Streifen wie „Sex, Lügen und Video“, „Kafka“, „Solaris“ und der Danny-Ocean-Reihe (also von „Ocean’s Eleven“ und seinen Folgen) wurde auf Bornedals Werk aufmerksam und lud den Dänen ein, das in Planung befindliche Hollywood-Remake doch gleich selbst in Szene zu setzen. Bornedal folgte dem Ruf und drehte seinen Überraschungshit drei Jahre später einfach noch ein zweites Mal, mit anderen Darstellern und in einer anderen Sprache. Soderbergh selbst nahm sich Bornedals Drehbuch vor und bemühte sich um eine behutsame Amerikanisierung des Materials, welche die Struktur und – zum Großteil – auch die Spannungselemente der Vorlage beibehielt. Never change a running system.
Auch vor der Kamera tummelte sich Talent: Die verpflichteten Schauspieler Nick Nolte, Patricia Arquette und Hauptdarsteller Ewan McGregor mühten sich auch redlich, doch gelang es „Nightwatch“, wie der Film in der englischen Fassung betitelt wurde, nicht, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten und zu einem Geheimtipp des Spannungskinos zu werden. Vielleicht hätte der Verleih doch einfach das dänische Original synchronisieren sollen – anstatt es dem US-Markt so lange vorzuenthalten, bis die eigene Fassung abgedreht und ausgewertet worden war. Diese Auswertung dauerte übrigens länger als erwartet, hatte doch Miramax, der Verleih der amerikanischen Neuverfilmung, nach erster Sichtung des fertigen Streifens kalte Füße bekommen. Miramax zweifelte am kommerziellen Erfolg seines Remakes – zu Recht, wie sich erweisen sollte – und hielt den fertig abgedrehten Film stolze achtzehn Monate zurück, verschob den anvisierten Kinostart also kurzerhand um anderthalb Jahre. Und das – so merkte auch die Presse schnell – ist nie ein gutes Zeichen. Als „Freeze“ endlich anlief, hatte sich die US-Journaille bereits über den alles andere als vielversprechenden Hintergrund der Produktion informiert. In den schließlich doch noch stattfindenden Pressevorführungen fand sie ihre Erwartungen bestätigt, und dementsprechend vernichtend fiel ihr Urteil aus: Lustlos, lieblos, leblos. Was in Europa funktioniert hatte, wo das Publikum sich an der Atmosphäre des Originals erfreute und ihm seinen Mangel an Innovationen gerne verzieh, verkam im zweiten Aufguss zu einer kruden Nummernrevue aus dem Lehrbuch.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Nebendarsteller Josh Brolin bekommt mittlerweile die großen Rollen. Nach Gastspielen bei Quentin Tarantino und Robert Rodriguez („Grindhouse“) drehte der Stiefsohn von Barbra Streisand 2007 mit den Coen-Brüdern den beeindruckenden Neo-Western „No Country For Old Men“, der im Februar des Folgejahres zahlreiche Oscars gewann – darunter auch den für den besten Film. Frisch zitiert: „Meine Geduld dummen Thrillern gegenüber, in denen das Publikum den Figuren immer etwa zehn Schritte voraus ist, wird langsam dünn. Wären da nicht Bornedals visuell interessanter Ansatz und ein paar effektvolle Gruselsequenzen, bliebe ‚Freeze – Alptraum Nachtwache’ eine reine Zeitverschwendung. Doch selbst so kann ich ihn für kaum mehr als einen Videoabend empfehlen – und auch das ohne Begeisterung.“ - James Berardinelli

Hauptdarsteller

  • Katherine Patricia Arquette
  • Professor Scott Burkholder
  • Nachrichtensprecher Lonny Chapman
  • Nachrichtensprecher Erich Anderson
  • Arzt Brad Dourif
  • Joyce Alix Koromzay
  • Marie Lauren Graham
  • James Christian Gallman Josh Brolin
  • Martin Ewan McGregor
  • Inspector Cray Nick Nolte
  • Gangster Robert LaSardo

Film-Crew

  • Regie Ole Bornedal
  • Drehbuch Ole Bornedal
  • Drehbuch Steven Soderbergh