Space-View Filmguide: Der grüne Bogenschütze

Der grüne Bogenschütze

Fakten

Originaltitel: Der Grüne Bogenschütze
Deutschland, 1960
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 95 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Garre Castle, das britische Anwesen des steinreichen Amerikaners Abel Bellamy, birgt ein unheimliches Geheimnis. Seit Jahrhunderten soll dort der „grüne Bogenschütze“ umgehen – doch als die ersten Toten mit einem grünen Pfeil im Rücken auftauchen, glaubt Scotland Yard keineswegs an einen „geisterhaften“ Täter. Unterdessen zieht Valerie Howett, die Nichte Bellamys, sehr zum Unwillen des Misanthropen im Nachbaranwesen sein, denn sie sucht ihre vermeintlich tote Mutter, die sie in Bellamys Gefangenschaft glaubt. Inspektor Featherstone steht ihr zur Seite – und dies nicht nur aus rein beruflichen Gründen. Gemeinsam stolpern sie von einer prekären Situation in die Nächste.

Review

„Der grüne Bogenschütze“, der fünfte Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit, entstand nach der gleichnamigen Buchvorlage, die der Autor 1923 unter dem Originaltitel „The Green Archer“ verfasst hatte. Regie führte nach „Der rote Kreis“ zum zweiten (und letzten) Mal Jürgen Roland, der Zeit seines Lebens dem Krimi-Genre verpflichtet bleiben sollte – von „Stahlnetz“ (1958 – 1968), über die Krimi-Quiz-Reihe „Dem Täter auf der Spur“ (1967 – 1973) und die Serie „Großstadtrevier“ (ab 1986), bis hin zu zwölf „Tatort“-Episoden zwischen 1976 und 1997. Im vorliegenden Fall sollte ihm diese mit den Jahren kommende Expertise allerdings noch nicht viel nutzen – obwohl „Der grüne Bogenschütze“ ein vom Namen her bekannter Wallace-Film ist (das dürfte vor allem an Gerd Fröbe liegen), gehört er keinesfalls zu den Highlights der Reihe.
Der Film wurde erneut von der Rialto Film Preben Philipsen produziert und erstmals im Real-Film-Studio in Hamburg gedreht, wobei Außenaufnahmen in Hamburg und der Umgebung entstanden, darunter auf Schloss Ahrensburg, das als Garre Castle herhalten durfte, und an der Binnenalster, die hier zur Themse wird. Die Stimmungsaufnahmen von London entstammten natürlich der Konserve.
Trotz Fine-Tuning des Drehbuchs durch Jürgen-Roland-Intimus Wolfgang Menge, kam der Film beim Publikum nicht wirklich gut an. Nach Schätzungen des Constantin-Verleihs lockte er 1,7 Millionen Zuschauer ins Kino. Damit wäre er um gut 1,5 Millionen Besucher hinter den Einspielergebnissen der ihn flankierenden Wallace-Filmen zurückgeblieben. Als Gründe dürften vor allem die mangelnde Härte und das fehlende Grusel-Element gelten. Der „Bogenschütze“ kommt zu bieder daher – und auch relativ unspannend, was zu einem guten Teil an der Art der Inszenierung liegt, wie auch der Art der Kürzungen der Romanvorlage. Wie drückte es seinerzeit die „Kasseler Post“ aus: „Es interessiert schließlich schon fast gar nicht mehr, wer nun eigentlich der geheimnisvolle Bogenschütze ist.“ Das ist leider wahr.
Obendrein bleiben die Darsteller überwiegend blass: Klausjürgen Wussow, für den „Der grüne Bogenschütze“ ebenfalls der letzte Wallace sein sollte, hat nicht den weltmännischen Charme eines Joachim Fuchsberger, Wolfgang Völz fehlt die lässige Abgebrühtheit eines Siegfried Lowitz und Leinwandpräsenzen wie Klaus Kinski oder Fritz Rasp sucht man vergeblich – fast. Denn Gerd Fröbe sticht geradezu aus dem Ensemble heraus. Er mimt den Menschenfeind Bellamy mit großer Geste und lauter Stimme als jähzornigen Tyrannen, der mit der Pistole unterm Bett schläft, sich Bluthunde hält und niemals auch nur ein freundliches Wort über die Lippen bringt. Wenn „Der grüne Bogenschütze“ im Laufe der Jahre zu bescheidenem Ruhm kam, dann liegt es definitiv an Fröbe.
Ungewöhnlich an dem Film ist die Rolle von Eddi Arent als Filmreporter Spike Holland. Er taucht nicht nur an praktisch jedem Schauplatz auf – wobei ihn die Scheuklappen seines Eifers, einen Filmbeitrag für eine Nachrichtensendung zu drehen, scheinbar unantastbar und unverwundbar werden lassen (zumindest kann er inmitten eines Feuergefechts arglos nach einer Steckdose suchen) –, zugleich bricht er auch noch mit der binnenfiktionalen Realität, indem er sich gerade zu Beginn und am Ende mehrfach direkt ans Publikum wendet. So äußert er sich etwa im Prolog höchst skeptisch, ob ein Film über einen Kerl mit einem Bogen wirklich was taugen kann. (Angesichts der späteren Einspielergebnisse offenbar eine berechtigte Frage.) Kaum, dass der erste Tote aber mit Pfeil im Rücken ins Bild fällt, scheint er zufrieden zu sein. Und als in der Schlusszene in Garre Castle draußen unvermittelt Krach laut wird, schaut er aus dem Fenster und konstatiert nur lapidar, dass dort gerade der neue Edgar-Wallace-Film gedreht würde – vermutlich war der Ausspruch als Gag gemeint, er könnte aber auch ein selbstironischer Verweis auf die Back-to-Back-Produktionsweise gewesen sein, in der die Wallace-Streifen in den 1960ern entstanden.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Zum Zeitpunkt der deutschen Filmadaption war der Wallace-Stoff „The Green Archer“ bereits zwei Mal als US-Serial verfilmt worden: einmal 1925 in 10 Teilen unter der Regie von Spencer Gordon Bennet (dt. „Der Polizeispitzel von Chikago“), ein zweites Mal 1940 in 15 Episoden unter der Regie von James W. Horne. Man stelle sich vor: 285 Minuten Spielzeit! Vielen Zuschauern fehlte beim „Bogenschützen“ der grimmige Wallace-Touch. Er wurde als zu betulich empfunden. Ob das wohl damit zusammenhing, dass gleich zwei Ikonen des deutschen Gemütsfernsehens dort in Hauptrollen zu sehen waren, nämlich Klausjürgen Wussow, der zukünftige Dr. Brinkmann aus der „Schwarzwaldklinik“, und Heinz Weiss, der zwischen 1983 und 1999 als Captain Heinz Hansen auf dem „Traumschiff“ über sieben Weltmeere schippern sollte?

Hauptdarsteller

  • James Featherstone Klausjürgen Wussow
  • Valerie Howett Karin Dor
  • Spike Holland Eddi Arent
  • Julius Savini Harry Wüstenhagen
  • Sergeant Higgins Wolfgang Völz
  • John Wood Heinz Weiss
  • Smith Stanislav Ledinek
  • Mr. Howett Hans Epskamp
  • Lacy Georg Lehn
  • Fay Savini Edith Teichmann
  • Mrs. Bellamy Hela Gruel
  • Mr. Bellamy Gert Fröbe
  • Janet Helga Feddersen

Film-Crew

  • Regie Jürgen Roland
  • Drehbuch Wolfgang Menge
  • Drehbuch Wolfgang Schnitzler