Space-View Filmguide: Das Geheimnis der gelben Narzissen

Das Geheimnis der gelben Narzissen

Fakten

Originaltitel: Das Geheimnis der gelben Narzissen
Deutschland, Großbritannien, 1961
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 94 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Eine Mordserie an jungen Frauen hält die Londoner Polizei in Atem. Während Inspektor Whiteside an einen irren Sexualmörder glaubt – der Killer hatte seinen Opfern stets gelbe Narzissen hinterlassen –, ist Jack Tarling, der Sicherheitsexperte einer internationalen Fluggesellschaft, der Ansicht, die Morde könnten in Zusammenhang mit einem Fall groß angelegten Heroinschmuggels von China nach London stehen, denn auch die Droge wird in falschen gelben Narzissen transportiert. Mithilfe seines Kollegen Ling Chu verfolgt er eine Spur, die zu Raymond Lyne, dem Inhaber einer Import-Export-Firma führt. Und dann gerät die Mordserie außer Kontrolle.

Review

Düster und voller Toter – so präsentiert sich die siebte Edgar-Wallace-Produktion, die als deutsch-britische Koproduktion zwischen OMNIA Pictures Ltd. und der deutschen Rialto Film Preben Philipsen in London realisiert wurde. Dank dieser Zusammenarbeit spielt die Handlung diesmal übrigens auch wirklich in den Straßen von London (beziehungsweise den Sets der Shepperton Studios in Middlesex), statt an irgendwelchen deutschen Schauplätzen, die für gewöhnlich als Doubles für die Stadt an der Themse herhalten durften. Das Drehbuch basierte auf dem Wallace-Roman „The Daffodil Mystery“ von 1920, wurde allerdings in Teilen deutlich umgeschrieben, da sich die bestehende Erzählstruktur schlecht verfilmen ließ.
So wurde der Tod von Raymond Lyne – im Roman Thornton Lyne – vom Beginn ans Ende verlegt, was die Spannung hinsichtlich seiner Verwicklungen in die geschehenen und noch folgenden Verbrechen deutlich steigert. Zudem wurde die Verwandschaftsbeziehung zwischen Jack Tarling und Lyne gestrichen. Ein Echo davon findet man noch in einer frühen Szene, als Tarling Lynes Firma besucht, sich in seinem Büro umschaut und im ersten Gespräch mit dessen Sekretärin Anne Rider wie ein enger Bekannter von Raymond Lynes verstorbenem Vater wirkt – obwohl diese Beziehung später nicht weiter verfolgt wird und sich zumindest Tarling und Ray nicht auszustehen können scheinen.
Das Ensemble kann mit eindrucksvollen Namen aufwarten. So ist Joachim Fuchsberger als Jack Tarling zu sehen, der den Sicherheitsexperten smart und weltmännisch gibt und dabei in seiner eleganten Garderobe und mit der Pose des ritterlichen Beschützers des schwachen Geschlechts geradezu wie die deutsche Antwort auf James Bond wirkt. An seiner Seite verkörpert Christopher Lee, der im Film übrigens selbst Deutsch spricht, den undurchsichtigen Ling Chu – und stiehlt damit allen die Show. Der chinesische Ermittler wird aus ganz eigenen Motiven angetrieben und er demonstriert dabei Methoden, die Scotland Yard die Haare zu Berge stehen lassen würden (wüssten sie von allem). Insbesondere die Szene, in der er mit ausgesuchter Höflichkeit den Clubbesitzer Jan Putek foltert, um Informationen aus diesem herauszupressen, bleibt eindringlich in Erinnerung – und dürfte wohl ihren Teil dazu beigetragen haben, dass dem Film eine Freigabe ab 16 verpasst wurde (ebenso wie Ingrid van Bergens mit einer Gesangseinlage untermalter Striptease). Des Weiteren brilliert Klaus Kinski als Lynes leicht durchgedrehtes Mündel Peter Keene einmal mehr in einem Wallace-Film und Albert Lieven mimt den Geschäftsmann selbst als eiskalten Unsympath, eine Rolle, die er später noch zweimal in ähnlicher Art spielen sollte (in „Das Verrätertor“ und „Der Gorilla von Soho“).
„Das Geheimnis der gelben Narzissen“ entstand unter der Regie des 1908 in Budapest geborenen Akos von Rathony, der sowohl in London als auch in Hamburg zuhause war und sich somit quasi von selbst für den Job empfahl, und war die erste deutsch-britische Zusammenarbeit seit 1929. Filmhistorisches Kuriosum: Damals war der Film „Atlantic/Atlantik“ unter der Regie von E. A. Dupont entstanden – und der zweite Regieassistent hieß Akos von Rathony! (So klein ist die Filmwelt.) Als der Krimi im Sommer 1961 schließlich in die Kinos kam, wurde er zu einem Riesenerfolg – der sogar noch den Besucherrekord von „Die toten Augen von London“ zu brechen vermochte.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Zeitgleich mit der deutschen entstand auch eine englischsprachige Version der „Narzissen“. Sie trägt den Titel „The Devil’s Daffodil“ und wurde sogar in Farbe gedreht. Während ein Großteil der Schauspieler in beiden Filmen auftritt, wurden Joachim Fuchsberger, Sabine Sesselmann und Klaus Kinski durch William Lucas, Penelope Horner und Colin Jeavons ersetzt. Walter Gotell, der den stoischen Oberinspektor Whiteside mimt, sollte später durch seine Rolle als sowjetischer General Anatol Gogol in der James-Bond-Filmreihe berühmt werden. Er spielte den Militär insgesamt sechs Mal. Klaus Kinski trägt in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ exakt die gleiche Krawatte wie seine Figur des Edgar Strauss im Vorgängerfilm „Die toten Augen von London“. Frisch zitiert „Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort: Kein Strandgut ohne Treibgut.“ „Alt? Das hast du gerade erfunden.“ „Natürlich. Ist die Hauptbeschäftigung der Chinesen: alte chinesische Wörter zu erfinden.“ - Ling Chu ist gegenüber Tarling nie um weise Worte verlegen. „Spätestens wenn man den Toten aus der Themse zieht, wird sich der Wallace-Freund zurechtsetzen und auf eine von des Meisters fehlerlos kombinierten Geschichte gespannt sein. Und er wird nicht enttäuscht.“ - Kölner Stadt-Anzeiger

Hauptdarsteller

  • Jack Tarling Joachim Fuchsberger
  • Anne Rider Sabine Sesselmann
  • Peter Keene Klaus Kinski
  • Gloria Ingrid van Bergen
  • Raymond Lyne Albert Lieven
  • Oliver Milburgh Marius Goring
  • Charles Jan Hendriks
  • Jan Putek Peter Illing
  • Mr. Whiteside Walter Gotell
  • Ling Chu Christopher Lee

Film-Crew

  • Regie Ákos Ráthonyi
  • Drehbuch Basil Dawson
  • Drehbuch Donald Taylor