Space-View Filmguide: Das Gasthaus an der Themse

Das Gasthaus an der Themse

Fakten

Originaltitel: Das Gasthaus an der Themse
Deutschland, 1962
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 92 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Ein Schmuggler ist in seinem Boot auf der Themse harpuniert worden. Hinter der Tat vermutet man einen berüchtigten Verbrecher, der nur als „Hai“ bekannt ist. Scotland-Yard-Chef Sir John übergibt den Fall an Inspektor Wade von der Flusspolizei. Die erste Spur führt diesen in die Hafenspelunke „Mekka“ unweit des Tatorts. Die Besitzerin Nelly Oaks, deren Pflegekind Leila Smith, der scheinheilige Kapitän Brown und der zwielichtige Händler Gregor Gubanow haben von dem Mord angeblich nichts mitbekommen, scheinen aber in die Angelegenheit verstrickt zu sein. Letztlich geht es um eine Erbschaft, um viel Geld – und ums Überleben.

Review

„Mekka“ heißt das Gasthaus an der Themse, und dabei handelt es sich um ein wenig einladendes Etablissement. Das Gasthaus ist nicht mehr als eine Kaschemme, eine Hafenkneipe, in der die Wirtin ihre Gäste mit Alkohol und Seemannsliedern unterhält. In diese Spelunke traut sich kein redlicher Bürger. Denn die Gäste des Hauses sehen aus, als wollten sie jedem unwillkommenen Fremden ohne Vorwarnung ein Messer zwischen die Rippe stoßen.
Die ungemütliche Schenke ist der perfekte Schauplatz für einen unheimlichen Kriminalfilm und Dreh- und Angelpunkt der Edgar-Wallace-Adaption „Das Gasthaus an der Themse“, einer weiteren Produktion der Rialto Film, die im Real-Film Studio in Hamburg-Wandsbek hergestellt wurde. Der Film basiert auf dem Wallace-Roman „The India-Rubber Men“ von 1929. Dieser hatte die Story einst als lose Fortsetzung seines Romans „The Fellowship Of The Frog“ entworfen, der als Vorlage zum Film „Der Frosch mit der Maske“ aus dem Jahr 1959 diente, dem ersten deutschsprachigen Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit, der die beispiellose Kriminalfilmreihe erst begründete.
Tatsächlich sind sich die beiden Geschichten in vielen Punkten sehr ähnlich. Und auch die Filme weisen Parallelen auf. Hier wie dort bekleidet Joachim Fuchsberger eine Hauptrolle, wenn auch in der Verkörperung unterschiedlicher Figuren. War er im Film „Der Frosch mit der Maske“ noch ein freiberuflicher Amateurdetektiv, so steht er in „Das Gasthaus an der Themse“ im Dienst der Polizei, genauer der Wasserschutz- beziehungsweise Flusspolizei.
Auch Eddi Arent ist wieder mit von der Partie. Und mit Brigitte Grothum, Klaus Kinski, Jan Hendriks, Siegfried Schürenberg, Hans Paetsch, Hela Gruel und Rudolf Fenner kehrten weitere Schauspieler vor die Kamera einer Edgar-Wallace-Verfilmung zurück. Zum Starensemble von das „Gasthaus an der Themse“ gehörten darüber hinaus Heinz Engelmann, bekannt als Kommissar aus der beliebten Fernsehserie „Stahlnetz“, Richard Münch und Elisabeth Flickenschildt. Für die angesehene Staatsschauspielerin mit festem Engagement am Hamburger Schauspielhaus Elisabeth Flickenschildt war die Rolle als zwielichtige Barbesitzerin Nelly Oaks auch schon die zweite Beteiligung an einem Film nach einer Vorlage von Edgar Wallace. Zuvor hatte sie bereits 1960 bei „Die Bande des Schreckens“ mitgespielt. Allerdings hatte sie dort keinen Gesangsauftritt zu absolvieren. Anders in „Das Gasthaus zur Themse“. Hier gibt sie das hintersinnige, von Martin Böttcher komponierte Lied „Besonders in der Nacht“ zum Besten. Und dieses erinnert wiederum stark an das von Eva Pflug in „Der Frosch mit der Maske“ vorgetragene „Nachts im Nebel an der Themse“.
Regie führte wiederholt Alfred Vohrer. Und als Kameramann war ein weiteres Mal Karl Löb tätig. Die Außenaufnahmen, die das überwiegend nächtliche London abbilden sollten, entstanden in der Hamburger Umgebung. Als Themse musste die Elbe herhalten.
Der Film wurde an der Kinokasse ein großer Erfolg. Zu recht, denn er vereint auf überzeugende Art und Weise alle Elemente, die Edgar-Wallace-Filme zu etwas Besonderem und zu etwas besonders Unterhaltsamen machen: eine spannende Geschichte voller Rätsel und Wendungen, namhafte Schauspieler in interessanten Rollen und souveränes Filmhandwerk.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Der zugrunde liegende Roman „The India-Rubber Men“ diente bereits 1938 als Vorlage für einen Film. Dieser trägt den Titel „Return Of The Frog“ und ist die Fortsetzung des Films „The Frog“ aus dem Jahr 1936. Der von Klaus Kinski verkörperte Russe Gregor Gubanow trägt den Namen des Vaters von Produzent Horst Wendlandt. In der Buchvorlage handelte es sich bei der Figur um einen chinesischen Händler namens Wong. „Das Gasthaus an der Themse“ ist der erste Edgar-Wallace-Film der Rialto Film, in dem der Haupttäter von der Romanvorlage abweicht. Zwischen Eva Pflug in „Der Frosch mit der Maske“ und Elisabeth Flickenschildt in „Das Gasthaus an der Themse“ absolvierte eine dritte Schauspielerin einen Gesangsauftritt in einem Edgar-Wallace-Film: Ingrid van Bergen in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“. Der Titel ihres Liedes: „Bei mir ist alles nur Natur“. Frisch zitiert: „Man hat’s gewußt und dann doch wieder nicht, man ahnt etwas, aber Regie und Buch sagen vernehmlich ‚ätsch’ und fahren auf einem anderen Handlungsgleis weiter! Das ist der Reiz der Serie, das ist der Reiz auch dieses Films, der, handwerklich bestechend sauber gemacht, die Beliebtheit dieser Krimigattung erneut rechtfertigt. Und das ganz sicher: wenn Elisabeth Flickenschildt ihr darstellerisches Können in den Dienst der Spannungsmache stellt, wenn Eddi Arent seine Spaßvogeleien treibt und Martin Böttcher eine kesse Nervenmusik beisteuert. Um das Themsewirtshaus würde ich einen Bogen machen, aber den Film habe ich mit Wonnegrusel gesehen!“ – Neue Rhein Zeitung, Köln, 29.09.1962 „Die Jagd nach dem ‚Hai’ wird immer aufregender, bis er von Inspektor Wade endlich zur Strecke gebracht wird. Joachim Fuchsberger ist der nie verzweifelnde Inspektor mit der großartigen Kombinationsgabe. Die Regie von Alfred Vohrer hat das zwielichtige Geschehen ausgezeichnet eingefangen.“ – Düsseldorfer Nachrichten, 20.10.1962

Hauptdarsteller

  • Inspektor Wade Joachim Fuchsberger
  • Leila Smith Brigitte Grothum
  • Dr. Collins Richard Münch
  • Roger Lane Jan Hendriks
  • Mr. Broen Heinz Engelmann
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Anna Smith Hela Gruel
  • Rechtsanwalt Hans Paetsch
  • Big Willy Rudolf Fenner
  • Sergant Frank Manfred Greve
  • Schwester Gertrud Prey
  • Gregor Gubanow Klaus Kinski
  • Barnaby Eddi Arent
  • Nelly Oaks Elisabeth Flickenschildt

Film-Crew

  • Regie Alfred Vohrer
  • Drehbuch Harald G. Petersson
  • Drehbuch Egon Eis
  • Drehbuch Gerhard F. Hummel