Space-View Filmguide: Die Gruft mit dem Rätselschloss

Die Gruft mit dem Rätselschloss

Fakten

Originaltitel: Die Gruft mit dem Rätselschloss
Deutschland, 1964
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 90 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Einst wurde der leidenschaftliche Spieler Mr. Kent von der Bande des raffgierigen Spielhöllenbesitzers Real um Vermögen und Ansehen gebracht. Es trieb ihn in den Selbstmord. Kurz vor seinem Tod verspürt Real Reue und vermacht Kents Tochter Kathleen seine ergaunerten Reichtümer, die zum Schutz vor Unbefugten in einer mit einem genialen Schloss versiegelten Gruft verborgen liegen. Als die noch unwissende Kathleen Kent in Begleitung des Juristen Westlake in London eintrifft, wird sie von Reals Ex-Croupier Connor und dessen Schergen entführt, die ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen. Doch es gibt noch mehr interessierte Parteien…

Review

An sich waren die Filme der Edgar-Wallace-Reihe in den 1960ern regelrechte Erfolgsgaranten – doch manchmal ging die Sache auch in die Hose. „Die Gruft mit dem Rätselschloß“, der 19. Teil der populären Krimi-Serie, gehört nach Ansicht vieler damaliger und heutiger Fans eher zu den verunglückten Episoden. Dabei begannen die Probleme schon bei der Wahl des Titels.
Die Geschichte basiert auf dem zweiten Roman aus der Feder von Edgar Wallace, dem 1908 erschienen Abenteuer „Der Safe mit dem Rätselschloß“ (engl. „Angel Esquire“). Da die Macher – produziert wurde der Film einmal mehr von der Rialto Film – einen Safe gut ein halbes Jahrhundert später für ziemlich unspektakulär hielten, lies man den Drehbuchautor R. A. Stemmle die Story gründlich entstauben – und bestimmte eine Gruft zum Aufbewahrungsort des Real’schen Vermögens. (Ob eine Gruft nun moderner als ein Safe ist, sei einmal dahingestellt.) Weil eine Mühle – nicht nur im dramatischen Endkampf – als wiederkehrender Schauplatz auftaucht, wurde kurzzeitig über den Titel „Die Mühle des Grauens“ nachgedacht, doch letztlich verwarf man die Idee als zu brutal klingend.
Die Wahl der Schauspieler – und die Verteilung der Rollen – muss leider als nicht immer ganz gelungen bezeichnet werden. Hintergrund dafür war die mehrfache Verschiebung der Produktion, denn gleich drei Filme („Der schwarze Abt“, „Das indische Tuch“ und „Zimmer 13“) wurden ihr vorgezogen, was zur Folge hatte, dass etliche eingeplante Darsteller – darunter Dietmar Schönherr, Heidelinde Weis und René Deltgen – plötzlich nicht mehr zur Verfügung standen. Das nun machte diverse Um- und Neubesetzungen nötig. So kam es, dass der charismatische Harald Leipnitz statt der Rolle des Inspektor Angel nun den Gauner Jimmy Flynn spielte, während man ihm den allzu netten, allzu blassen Harry Meyen als Mann von Scotland Yard gegenüberstellte. Regelrecht kurios ist die Rolle von Klaus Kinski, dessen legendäres darstellerisches Talent in der Figur des stummen Burschen namens George, der ab und zu durchs Bild wandert, schlichtweg verschwendet wurde. Eindruck hinterlässt dagegen Ernst-Fritz Fürbringer – in früheren Filmen Scotland-Yard-Chef, hier nun ein Mistkerl, wie er im Buche steht –, der den Gangster Connor nicht nur eiskalt mimte, sondern ihm zudem ein Ende bereitete, das den Zuschauern in Erinnerung bleibt.
Den größten Vorwurf, den nicht nur Edgar-Wallace-Fans, sondern auch Verehrer von Harald Leipnitz dem Film machten, war die Veränderung der Rolle von Jimmy Flynn. In der Romanvorlage hatte dieser noch im Grunde auf der Seite der Guten gestanden, im Film entpuppt er sich entgegen der Zuschauererwartung als Schuft, den die Geldgier einmal mehr verdorben hat. So schaut er etwa tatenlos zu, als sich Kathleen Kent in Lebensgefahr befindet, und am Ende liefert er sich ein erbittertes Duell mit Inspektor Angel. Es stellt sich die Frage, warum Regisseur Franz-Joseph Gottlieb, der das Drehbuch von Stemmle in vielen Teilen überarbeitet und abgeändert hatte, ausgerechnet das Schicksal dieser Figur nicht korrigierte. Für diesen Fehler sollte ihn das unzufriedende Publikum an der Kinokasse spürbar abstrafen.
Eine ungewöhnliche inszenatorische Idee findet sich am Anfang des Films: Die Eröffnungssequenz beginnt gleich mit einem Finale. Polizisten stürmen einen Gangsterhort und retten ein Mädchen. Dann ist der Film vorbei – und man sieht, dass man sich in einem Kino befindet. Dieser Film-im-Film, der die Zuschauer für einen Augenblick in die Irre führt, macht nachdrücklich auf die Täuschung, der man sich gerade im Krimi-Genre willentlich hingibt, aufmerksam – im vorliegenden Fall war er allerdings nur ein Gag ohne inhaltlichen Bezug.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Trotz einiger wohlwollender Kritiken erhielt der Film ausgesprochen schlechte Mundpropaganda – Stichwort Jimmy Flynn – und entwickelt sich zum größten Flop in der gesamten Wallace-Serie. Harald Leipnitz, der in „Die Gruft mit dem Rätselschloß“ noch den Schurken spielt, sollte in zwei späteren Filmen der Reihe („Der unheimliche Mönch“, 1965; „Die blaue Hand“, 1967) als Inspektor auftreten. Neben Leipnitz gaben Ilse Steppat als ältliche Mühlen-Betreuerin Margaret und Vera Tschechowa (die 1962 frisch gekürte Preisträgerin des Deutschen Filmpreises als beste Hauptdarstellerin für „Das Brot der frühen Jahre“) als leichtes Mädchen Feder-Lissy ihr Wallace-Debüt. Die FSK war damals über den Film stellenweise not amused: Die grausige Todesszene von Connor, der einen 33-sekündigen Kampf gegen einen Mühlstein ausficht, wurde sowohl im Kino als auch im TV geschnitten. Erst auf der DVD ist sie wieder enthalten. Trotzdem gab es nur eine Freigabe ab 16.

Hauptdarsteller

  • Jimmy Flynn Harald Leipnitz
  • Kathleen Kent Judith Dornys
  • Real Rudolf Forster
  • Spedding Werner Peters
  • Connor Ernst Fritz Fürbringer
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Inspektor Angel Harry Meyen
  • Feder-Lissy Vera Tschechowa
  • Margaret Ilse Steppat
  • Goyle Harry Wüstenhagen
  • Cyril Kurd Pieritz
  • George Klaus Kinski
  • Ferry Westlake Eddi Arent
  • Mr. Simpson Kurt Waitzmann

Film-Crew

  • Regie Franz Josef Gottlieb
  • Drehbuch Franz Josef Gottlieb
  • Drehbuch Robert A. Stemmle