Space-View Filmguide: Das Geheimnis der weißen Nonne

Das Geheimnis der weißen Nonne

Fakten

Originaltitel: The Trygon Factor
Deutschland, Großbritannien, 1966
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 88 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

In Emberday Hall geht es kriminell zur Sache – findet zumindest der Scotland-Yard-Inspektor Thompson, der hinter der Fassade des englischen Anwesens mit zugehörigem Nonnenkloster eine heiße Spur zu den Verbrechern vermutet, denen eine ganze Reihe von Überfällen und Morden angelastet wird. Doch als Thompson selbst vor Ort ermittelt, findet auch er ein schnelles und gewaltsames Ende. Kollege Cooper-Smith übernimmt den Fall und ist ebenfalls von Emberday Hall fasziniert, stößt dort allerdings auf eine Mauer des Schweigens. Schließlich wird Clare O'Connor, eine des Klosters verwiesene Nonne, ermordet. Für den Superintendent vom Yard ist klar, dass er dem Rätsel des Anwesens auf den Grund gehen muss.

Review

Für die bis dato teuerste Wallace-Produktion – man spricht von einem Produktionsvolumen von vier Millionen DM – ging die Produktionsfirma Rialto Film kein Risiko ein. Um in London drehen zu können, machte man den lange gehegten Plan war und gründete in der Themsemetropole eine eigene Tochterfirma. Ian Warren leitete die Dependance, und selbige widmete sich mit großer Sorgfalt der Vorproduktion ihres ersten eigenen Filmes: „Das Geheimnis der weißen Nonne“. Etwa ein Jahr sollte von der ersten Planung bis zur Fertigstellung des Streifens vergehen. Besonderer Wert wurde dabei auch auf die Besetzung gelegt, da man einen so teuren Film auch international vermarktet wissen wollte und demnach international erfahrene Darsteller benötigte. Die Hauptrolle ging dennoch über den kleinen Dienstweg an Stewart Granger. Mit ihm hatte Rialto noch eine Rechnung offen: Granger hatte den „Old Surehand“ im gleichnamigen Film nach Motiven von Karl May gespielt. Da damals jeder von einer kleinen Surehand-Serie ausgegangen war, hatte Granger gleich einen Vertrag über zwei Filme bekommen. Doch Surehand verlor an den Kinokassen, eine Fortsetzung wurde zunächst verschoben, dann erst einmal gestrichen. Um den Vertrag mit dem englischen Schauspieler und zweifachen Bambi-Preisträger jedoch zu erfüllen, bot Rialto ihm kurzerhand die Hauptrolle in der „weißen Nonne“ an. Und Granger – erfreut darüber, wieder in seinem Heimatland drehen zu können – willigte ein.
Das restliche Ensemble setzte sich aus verschiedensten Kollegen zusammen. Als Identifikationspunkte für die deutschen Fans wurden Brigitte Horney und Eddi Arent verpflichtet. Horney hatte sich, so die Legende, bei den Produzenten eine böse Figur erbeten und spielte ihre maliziöse Mutter Oberin dann auch mit sichtlicher Freude. Und Eddi Arent… Nun, hier endete eine Ära. Der beliebte Darsteller war in den Wallace-Filmen längst zur Konstante geworden und bot meist einen albern-humoristischen Gegenpart zum düsteren Hauptgeschehen. Arent war der Clown, hinter welchem die Gräueltaten der maskierten und mysteriösen Erzschurken stattfanden – und eben dieser Arent zog sich mit „Das Geheimnis der weißen Nonne“ aus der Produktion zurück. Schade, dass er keinen würdigeren Abgang bekam. Bis in die Gegenwart hinein versuchen Oliver Kalkofe und die weiteren die Produzenten der liebevoll-albernen Wallace-Hommage „Der Wixxer“, ihn für eine Gastrolle in ihrer eigenen Serie zu verpflichten.
Wie so oft bei Wallace wurde der ursprüngliche Drehbuchentwurf, ein Projekt mit Leipnitz, Drache und Konsorten, vor Drehstart mehrfach verworfen und überarbeitet, bis das letztliche Skript nur noch wenige Übereinstimmungen mit der Buchvorlage aufwies. Aber daran hatte sich das Publikum ja noch nie gestört, wie man nach nunmehr 26 Wallace-Filmen sicher sagen konnte.
Qualitativ stellte die „weiße Nonne“ sicherlich nicht den besten Wallace dar, trotz des unglaublich hohen Budgets und Produktionsstandards. Die Geschichte ist reichlich verschachtelt und leidet anfangs auch unter dem frühen Wechsel der Identifikationsfigur für den Zuschauer, doch nach einigen Minuten ist man wieder voll in der Story und kann sich vor allem am gelungenen Spiel der Darsteller erfreuen, auch wenn’s mit der Handlung einmal hapern sollte. Auch wenn ihn die Fans eher im unteren Bereich der Wallace-Filme einstufen, kann sich „Das Geheimnis der weißen Nonne“ von Regisseur Cyril Frankel doch sehen lassen.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Um international verwertbar zu sein, drehte die Londoner Rialto dem „Geheimnis“ noch neue Szenen hinzu. Für den englischen Markt wurden die Szenen mit Sir John alias Siegfried Schürenberg mit dem britischen Schauspieler (und Ornithologen) James Robertson-Justice noch einmal nachgedreht. Hauptdarsteller Stewart Granger hieß mit bürgerlichem Namen James Lablanche Stewart und legte sich den Künstlernamen zu, um nicht mit dem Hollywood-Star James Stewart („Ist das Leben nicht schön“) verwechselt zu werden. Der Soundtrack dieser Produktion, abermals ein Werk von Peter Thomas, wurde auch als Langspielplatte veröffentlicht. Laut einer Zählung aus Fankreisen ist „Das Geheimnis der weißen Nonne“ mit 22 Toten der wohl leichenreichste Film der gesamten regulären Edgar-Wallace-Reihe. Laut Lexikon des Internationalen Films ist seine Brutalität geradezu „geschmacklos“. Frisch zitiert: „Ich habe keinen einzigen Film gemacht, auf den ich stolz wäre.“ - James Lablanche Stewart , alias Stewart Granger

Hauptdarsteller

  • Mr. Cooper-Smith Stewart Granger
  • Trudy Emberday Susan Hampshire
  • Hubert Hamlyn Robert Morley
  • Livia Embarday Cathleen Nesbitt
  • Sister General Brigitte Horney
  • Sophie Sophie Hardy
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Emil Clossen Eddi Arent

Film-Crew

  • Regie Cyril Frankel
  • Drehbuch Stanley Munro
  • Drehbuch Derry Quinn