Originaltitel: Der Gorilla von Soho
Deutschland, 1968
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 94 Min.
Thriller
Als ein australischer Millionär tot in der Themse schwimmt, ist das Interesse von Scotland-Yard-Mitarbeiter David Perkins geweckt. Der rührige Inspektor folgt gleich zwei Spuren: Zum einen hatte der Tote eine Puppe und einen Zettel mit afrikanischer Beschriftung bei sich, was Perkins in das St.-Marien-Heim für Mädchen führt. Zum anderen unterstützte der Australier die Hilfsorganisation „Love and Peace for People“, deren Vorstand eine kriminelle Vergangenheit hat. Während Perkins mit seinem Team den Fall untersucht, taucht ein Unbekannter in einem Gorillakostüm auf und versetzt London in Angst und Schrecken.
Zugegeben: Die Voraussetzungen waren nicht die besten. Herbert Reinecker hatte ein sehr passables Drehbuch abgeliefert, nachdem man ihn für „Der Gorilla von Soho“ verpflichtet hatte – einen Film, der sich ruhig wieder ein wenig weiter von den Wallaceschen Vorlagen entfernen durfte. Ein Ensemble war verpflichtet und um Hauptdarsteller Horst Tappert herumgruppiert worden, der den Produzenten der Edgar-Wallace-Serie in vorjährigen „Der Hund von Blackwood Castle“ gefallen hatte und den man bei der Rialto Film, der Produzentin der meisten Wallaces, gerne wieder einsetzen wollte. Ttasächlich ordnete Horst Wendlandt, die treibende Kraft hinter der Serie, gleich zwei Drehbücher für den von Tappert zu verkörpernden Inspektor an. Dennoch ging das Projekt „Gorilla“ gründlich in die Hose, und über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Es mag an fehlenden Drehgenehmigungen gelegen haben (wie Joachim Kramp in seinem Buch „Hallo! Hier spricht Edgar Wallace“ vermutet), oder an anderen äußeren Umständen. Fakt ist aber, dass der für das Projekt vorgesehene Regisseur Alfred Vohrer und Produzent Wendlandt selbst das Reinecker-Buch nahezu komplett fallen ließen und sich eine eigene Geschichte zum „Gorilla“-Titel ersannen. Obwohl: So ganz stimmt das nicht, die Geschichte lag nämlich längst vor.
„Der Gorilla von Soho“ ist nichts anderes als ein recht uninspirierter Zweitaufguss des Films „Die toten Augen von London“ von 1960, Vohrers erster Arbeit für die Wallace-Serie, und schon damals fand der Duisburger Generalanzeiger die „Mischung aus penibel erdachten Gänsehaut-Effekten, Sex und Humor kaum originell, weil als altbekanntes Wallace-Schema schon hinreichend strapaziert”. Die unter dem Pseudonym Freddy Gregor arbeitenden beiden Autoren Vohrer und Wendlandt paraphrasierten sozusagen Egon Eis’ ursprüngliche Story; so machten sie beispielsweise aus dem Blindenheim des Originalfilmes ein Mädchenheim und aus der Versicherungsgesellschaft eine humanitäre Vereinigung. Trauriger Nebenaspekt dieser Recyclingmaßnahme: Wer sich noch an „Die toten Augen von London“ erinnerte, sollte auch die Identität des Mörders in „Der Gorilla von Soho“ schnell herausfinden. Überraschung geht anders.
Visuell ist der neue Film eine solide Routinearbeit, bei der auch wieder in die Handlung hineingeschnittene Außenaufnahmen aus London verwendet wurden. Vohrer kannte die Serie mittlerweile sehr genau und wusste, wie er die gewünschte Atmosphäre auf die Leinwand zaubern konnte. Auch die Darsteller konnten sich sehen lassen, allen voran der mit sichtlicher Spielfreude agierende, spätere „Derrick“ Horst Tappert in der Hauptrolle. Sein Assistent Uwe Friedrichsen hört im Film auf den Namen „Sergeant Jim Pepper“, was an der Alkoholabstinenz der Autoren zweifeln lässt. Diesen Verweis auf einen Beatles-Hit dürfte auch der letzte Zuschauer verstanden haben. Uschi Glas war dem Publikum bereits aus Wallace-Streifen vertraut, ursprünglich war sie als Krankheitsvertretung für Grit Böttcher bei einem Film eingesprungen, und spielte nicht zum ersten Mal die weibliche Hauptrolle.
„Der Gorilla…“ konnte an den Kinokassen und in der Presse nicht überzeugen. Das Publikum, von den deutlich besseren Vorgängern „Im Banne des Unheimlichen“ und „Der Hund von Blackwood Castle“ wieder heiß auf Wallace, strömte zwar in Mengen in die Kinos, verließ sie aber enttäuscht.
Uwe Friedrichsen sollte von den Pilzköpfen aus Liverpool nicht loskommen. Ebenfalls 1968 synchronisierte er Ringo Starr im Musikfilm „Die Beatles: Yellow Submarine“. Friedrichsens Rolle ist für einen Assistenten des Kommissars erstaunlich groß, wenn man sie mit anderen Wallace-Filmen vergleicht. Das lag daran, dass den Produzenten Horst Tapperts Darstellung als kalt erschien und sie zur Sicherheit gleich eine zweite Identifikationsfigur fürs Publikum etablieren wollten. Frisch zitiert: „Als den Drehbuchschreibern partout nichts mehr Neues einfiel, fing man Ende der 60er einfach an, Wallace-Filme aus den ersten Phasen zu „remaken“. Bei DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE funktionierte das wunderbar, doch DER GORILLA VON SOHO wurde ein Griff ins Klo: Der Film ist ein Remake von DIE TOTEN AUGEN VON LONDON und gibt die Handlung fast identisch wieder. […] Lediglich die Schauspieler wurden ausgetauscht: Statt Joachim Fuchsberger ermittelt nun Horst Tappert im Fall eines Killers im Gorilla-Kostüm, statt Karin Baal spielt Uschi Glas das junge, hilflose Opfer. Furchtbar aufgesetzter Humor und peinliche Sprüche vom permanent zum Overacting neigenden Horst Tappert (der wohl Fuchsberger imitieren sollte) machen den Film neben dem ulkigen Gorilla-Killer fast zu einer unfreiwilligen Komödie.” - DVD-Palace.de