Originaltitel: A Doppia faccia
Deutschland, Italien, 1969
Kinostart: unbekannt (FSK: 18)
ca. 81 Min.
Thriller
John Alexander glaubt seinen Ohren nicht, als ihm seine Frau Helen eine lesbische Affaire beichtet und danach für einige Zeit fortfahren will. Ein Sprengsatz unter Helens Auto sorgt dafür, dass sie nicht mehr von dieser Reise zurückkehrt, doch Scotland Yard verfolgt den Fall nicht weiter und geht von einem Autounfall aus. Dann erscheint die junge Christine in Johns Wohnung und führt ihm einen Pornofilm vor, in welchem John seine verstorbene Helen wieder erkennt. Sollte sie noch leben? Während Inspektor Steevens vom Yard den Indizien nachgeht, erhält der allmählich an seinem Verstand zweifelnde Witwer einen Anruf aus dem Jenseits.
Ein Psychothriller für das internationale Publikum sollte es werden, doch schon während seiner Entstehung äußerte Produzent Horst Wendlandt, die treibende Kraft hinter der meist erfolgreichen Serie von Filmen nach Motiven des britischen Schriftstellers Edgar Wallace, Zweifel daran, dass sich eine solche Produktion im Inland verkaufen ließ und sich insbesondere den zahlreichen Fans der Reihe würde schmackhaft machen lassen. Doch für Wendlandt und die Produktionsfirma Rialto Film stand fest, dass sie mit ihren Wallace-Titeln auf den internationalen Markt wollten. Zwar waren die bisherigen Filme gelegentlich auch im Ausland recht anständig gelaufen, doch wegen ihrer zumeist mangelnden internationalen Darstellerriege konnten sie dort nie große Wellen schlagen. Genau das wollte man 1969 ändern.
Wendlandt beauftragte abermals den Wallace-erprobten Paul Hengge mit der Entwicklung eines Filmstoffes, der sich als „Das Gesicht im Dunkeln“ produzieren ließe, und Hengge ersann ein spannendes, nahezu an Hitchcock erinnerndes Buch über eine Frau inmitten von Verschwörungen, Mordversuchen und dem Zweifel an der eigenen geistigen Gesundheit. Mit dem späteren Film hat es so gut wie nichts gemeinsam, denn was der erfahrene Autor und Regisseur Riccardo Freda aus Hengges Stoff machte, war eine ganz eigene Geschichte. Der gebürtige Ägypter Freda hatte schon zahlreiche Stoffe fürs Kino und Fernsehen adaptiert und inszeniert, ein Wallace dürfte für ihn keine große Sache gewesen sein. Umso unverständlicher ist, wie dilettantisch manche Einstellung des „Gesichts im Dunklen“ war. Selten hat man – selbst für die Standards der damaligen Zeit – so peinliche Effekte gesehen: Rückprojektionen, die zum Lachen anregen, Explosionen, die selbst ein Dreijähriger als unrealistisch abstrafen würde… Bei einem Budget von knapp 1,3 Millionen D-Mark wäre sicherlich mehr drin gewesen.
Überhaupt ist dieser Film, selbst wenn man ihn nicht mit den „klassischen“ Wallace-Streifen vergleicht, erschreckend unhomogen. Nicht Fisch, nicht Fleisch, ergeht er sich in Themen und einer Bildsprache, die das bieder-betulichere Publikum der Wallaces schlicht abschrecken musste. Wer es gewohnt war, sich in gruselig-absurden Geschichten von maskierten Superschurken zu verlieren, die London unsicher machten, aber in Berliner oder Hamburger Studios zusammengezimmert wurden, musste schon zweimal hinsehen, um in „Das Gesicht im Dunkeln“ noch einen Wallace zu erkennen. Lesbische Liebe? Pornofilme? Hatte ein Film denn „erwachsener“ zu sein, um international bestehen zu können? Im Heimatland der Wallace-Reihe scheiterte das „Gesicht“ jedenfalls auf ganzer Linie, woran nicht nur das gute Wetter des Sommers 1969 (bis heute Gift für Kinobesuche) und die Tatsache beitrugen, dass mittlerweile auch das Fernsehen auf den Zug aufgesprungen war und Wallace-Inhalte sendete. Nein, primär hatte sich der Film den kommerziellen Misserfolg selbst zuzuschreiben; die FSK-Freigabe ab 18 Jahren, und somit der Verzicht auf das meist jugendliche Kinopublikum, resultierte aus seiner Thematik, nicht aus der Konkurrenz. Horst Wendlandt und seine Partner waren vom kommerziellen Ergebnis ihres Versuchs, auf internationaler Ebene zu punkten so schockiert, dass sie die komplette Wallace-Reihe für ganze zwei Jahre auf Eis legten.
Für den Cast von „Das Gesicht im Dunkeln“ bediente man sich übrigens eines ungewöhnlichen Coups: Man lockte Klaus Kinski, der seit Jahren keinen Wallace mehr gedreht hatte, mit der Aussicht auf eine Hauptrolle zurück. Kinski hatte bisher nur in Nebenrollen geglänzt und dabei meist Gauner und zwielichtige Gestalten gegeben. Sein John Alexander war aber der Held und zudem sympathische Identifikationsfigur – für deutsche Zuschauer durchaus ungewohnt! Für große Namen im Vorspann sorgte auch die Verpflichtung des Amerikaners Sidney Chaplin, Sohn des weltberühmten Charles. Deutsche Wallace-Fans konnten sich zudem auf ein Wiedersehen mit Günther Stoll („Der Bucklige von Soho“) und auf Schauspielerin Christiane Krüger in der weiblichen Hauptrolle freuen.
Wussten Sie schon …? Der schlechten Rezeption in Deutschland half es auch nicht, dass man bei der Synchronisation des auf italienisch gedrehten Filmes nicht auf die Originalstimmen der beteiligten deutschen Schauspieler zurückgriff. Klaus Kinski mit der deutschen Stimme von Louis de Funes zu versehen, war und ist ein sträfliches Verbrechen, raubt es Kinskis Spiel doch einiges von seiner Brisanz. Frisch zitiert: „Edgar Wallace und Pornofilme – das kann ja nichts geben.” - Moviemaster.de