Space-View Filmguide: Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Fakten

Originaltitel: Cosa avette fatto a Solange?
Deutschland, Italien, 1971
Kinostart: 09.03.1972 (FSK: 16)
ca. 96 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Als eine seiner Schülerinnen im Londoner Hyde Park ermordet aufgefunden wird – wobei eine mysteriöse grüne Stecknadel eine Rolle zu spielen scheint –, hat der frisch verheiratete Italienischlehrer Henry Rossini ein Problem, kommt doch durch die Ermittlungen auch seine Beziehung zu Elisabeth, einer weiteren Schülerin, ans Licht. Für Inspektor Barth von Scotland Yard ist Rossini schnell der Hauptverdächtige, also offenbart sich der Lehrer seiner Frau und bittet sie, ihn bei der Suche nach dem wahren Täter zu unterstützen. Während die Rossinis dem Fall nachgehen, kommt es unter den Schülerinnen zu weiteren Todesfällen.

Review

Wer an die deutschen Edgar-Wallace-Filme der 1960er Jahre denkt, der denkt an stereotype Handlungen, einen bieder-absurden Spannungsbogen und atmosphärische Kulissenaufnahmen, und an ein artifizielles Englandbild, das irgendwo in einem Studio in Hamburg oder Berlin filmgerecht realisiert wurde. An Filme wie „Der Hexer“, „Der Mönch mit der Peitsche“ und „Der Hund von Blackwood Castle“ – narrative Standardkracher, wie sie unlängst in den beiden Teilen der „Wixxer“-Komödie liebevoll persifliert wurden.
Doch Wallace ging auch anders. Die späteren Werke der Serie sind, nicht zuletzt aufgrund mangelnder TV-Ausstrahlungen, bei der breiten Bevölkerung in Vergessenheit geraten. Wer hätte schon gedacht, dass es in der offiziellen Wallace-Serie von Rialto Film, dem Hauptproduzenten dieser Kinohits, auch ausgiebige Duschszenen mit unbekleideten Jungschauspielerinnen gab? Vermutlich jeder, der sich an „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ erinnert.
Nachdem sich Rialto und Produzent Horst Wendlandt Ende der 1960er Jahre darauf besonnen hatten, die Wallace-Filme zu modernisieren und international attraktiver zu machen, suchten sie stets nach ausländischen Partnern, die einen Teil der Kosten und gerne auch die Filmarbeiten übernehmen konnten. So war „Das Gesicht im Dunkeln“ in Italien realisiert worden – und hatte das Zielpublikum ziemlich verstört. Trotzdem brachte der Film international gesehen Geld in die Kassen der Rialto, also versuchte man es 1971 abermals mit italienischen Partnern. Mehrere Konzepte und zum Teil sogar fertige Treatments standen Wendlandt zur Verfügung, als er sich für die „Stecknadel“, eine Idee von Herbert Reinecker, entschied und den Autor und Schriftsteller Peter M. Thouet mit der Überarbeitung des Materials beauftragte. Als Regisseur verpflichtete man Massimo Dallamano, der als Kameramann von Sergio Leone bereits Klassiker des Weltkinos fotografiert hatte.
Wie bei den Wallace-Kooperationen üblich rekrutierte sich die Crew des Filmes überwiegend aus dem jeweiligen Produktionsland, wobei Rialto noch einige deutsche Schauspieler beisteuerte, um dem heimischen Publikum den Zugang zu erleichtern. In diesem Fall gehörten dazu u.a. Günter Stoll, Ruth-Maria Kubitschek und Susanne Uhlen, allerdings wurde die Besetzung bis Drehstart noch geändert. Stoll, der bereits unter Vertrag stand und mit diesem Film seinen letzten Wallace ablieferte, spielte schließlich eine andere Rolle; der Inspektor ging ein weiteres (und ebenfalls letztes) Mal an den beliebten Joachim Fuchsberger. Um der Atmosphäre der Wallace-Filme Rechnung zu tragen, drehte Dallamano überwiegend in London, einzig einige Innenaufnahmen und die Friedhofszene entstanden in Italien. Dem Film kam diese Besinnung auf Originalschauplätze zugute, selten war die Themsestadt, in der doch so viele Wallace-Filme spielten, derart prominent im Bild.
Überhaupt ist „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ eigentlich sehr gelungen. Der Film schafft den Spagat zwischen Wallace-Thematik und einem (damals) modernen Thriller recht gut. Seine Handlung ist überschaubar und längst nicht so unsinnig verschachtelt, wie in früheren Teilen der Serie. Die Abkehr von den ewigen Studioaufnahmen ist eine wahre Frischekur, und auch die erwähnten jungen Damen bringen eine ganz neue, wenn auch nicht unbedingt narrativ notwendige Note ins Franchise: den längst nicht mehr subtil angegangenen eye candy. Dallamanos Film zählt nicht zu den Klassikern der Reihe, ist aber eine willkommene und gelungene Abwechslung zu den Eddi-Arent-Klaus-Kinski-Standardplotten, die man von der Wallace-Ära gewohnt ist. Und bleibt dennoch, wie auch das Kinoplakat stolz behauptete, „ein echter Edgar Wallace“.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Ohren auf: Die Filmmusik stammt von niemand geringerem als Ennio Morricone. Der berühmte italienische Komponist wurde mit seiner Arbeit zu Filmen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ unsterblich. Frisch zitiert: „Ein Regisseur wie Harald Reinl hätte so etwas als Wallace-Krimi niemals inszeniert. Unfreiwillige Komik kommt auf, wenn der unheimlich-bestialische Mörder mit der Stimme von Gert Martienzen à la Louis de Funés durchs Telefon droht. Den Wallace-Veteranen Joachim Fuchsberger und Karin Baal hätte man das lieber erspart. Fabio Testi als schmieriger Lehrer, der sich mit seinen Schülerinnen im Bett herumdrückt, ist alles andere als ein Sympathieträger. Trotz Außenaufnahmen in London verbreitet der Streifen nicht eine Sekunde lang britische Atmosphäre. Man hätte gut daran getan, Joachim Fuchsberger vor Beginn der Dreharbeiten erst einmal zum Friseur zu schicken.“ - Deutscher-Tonfilm.de

Hauptdarsteller

  • Enrico Rossini Fabio Testi
  • Herta Rossini Karin Baal
  • Inspektor Barth Joachim Fuchsberger
  • Elizabeth Seccles Cristina Galbó
  • Solange Beauregard Camille Keaton
  • Professor Bascombe Günther Stoll
  • Brenda Pilchard Claudia Butenuth
  • Mrs. Erickson Maria Monti
  • Janet Bryant Pilar Castel
  • Helene Giovanna Di Bernardo
  • Brendas Mutter Maria Michi

Film-Crew

  • Regie Massimo Dallamano
  • Drehbuch Bruno Di Geronimo
  • Drehbuch Massimo Dallamano