
Originaltitel: Gantsu
Japan, 2004
Kinostart: direct-to-video (FSK: 16)
ca. 740 Min.
Horror, Mystery, Science Fiction
Das Leben ist öde, die Menschen entfremdet und was zählt schon Freundschaft? Kei ist genauso mit seinem Leben unzufrieden, wie wahrscheinlich die meisten Leute auf dem Bahnsteig um ihn herum. Aber mit seinem Tod wird er nicht glücklicher werden, und der steht kurz bevor. Achtung liebe Leser: es wird blutig! Kei wird nach eine Ewigkeit des Zauderns seinem alten Freund auf die Schienen der U-Bahn folgen, um einen Betrunkenen vor dem nahenden Zug zu retten. Danach schlägt das Schicksal erbarmungslos zu, Kei und sein Freund überleben ihre gute Tat nicht und der Zuschauer darf die Gedanken des eben Verstorbenen verfolgen, als dessen abgetrennter Kopf durch den Bahnhof fliegt.
Dieser Anime ist nichts für schwache Nerven und neben der gezeigten Gewalt gibt es zwei heftigen Sex-Szenen. Die Altersfreigabe ab 16 Jahren ist gerechtfertigt. Ein Aufdruck „ab 18“ wäre auch verständlich gewesen.
Kei ist also tot, aber damit beginnt diese Geschichte erst so richtig. Der Junge findet sich in einem Raum zusammen mit weiteren Verstorbenen und einer schwarzen Kugel wieder. Plötzlich fordert die Kugel die Menschen auf, die Lauch-Menschen zu jagen. Nur einer scheint die Gesetzte dieses „Spiels“ zu kennen, aber der hilft den anderen nicht wirklich und so müssen die Ahnungslosen die Funktion der fremden Waffen und Anzüge selbst herausfinden. Auch das wird brutal und der kleine grünhäutige Junge mit der Lauchstange wird jedem, der nicht aus Stein ist, noch leid tun. Aber mit dessen Ableben ist die Mission der Untoten nicht zu Ende und auch das Blutvergießen geht literweise weiter.
Immer wieder fragt man sich, warum? Warum leben die Toten weiter? Warum müssen sie immer gefährlichere Außerirdische jagen? Warum zieht das Mädchen mit der gewaltigen Oberweite bei Kei plötzlich ein? Und warum darf Keis „normales“ Leben in den Pausen zwischen den Missionen weitergehen?
Was als Action-Kracher im Mystery/Science-Fiction Genre startet, wird plötzlich zum Beziehungsdrama. Kei scheint am Ziel seiner Träume zu sein, aber das Mädchen liebt einen anderen. Dennoch gibt sie sich sehr unterwürfig und bezeichnet sich selbst als sein Haustier. Die Grausamkeit der ersten Episoden wandelt sich von Splatter zur Achterbahn der Emotionen und der Präsentation verletzter Seelen. Doch der Fan zerplatzender Därme wird später wieder auf seine Kosten kommen, wobei die gezeigte Gewalt immer wieder den Fokus auf eher methaphysische Fragen lenkt.
An Dramatik spart dieser Film wirklich nicht. Ständig sterben Leute, und die Freunde unseres Helden machen da keine Ausnahme. Auch eine alte Frau wird endgültig ihren letzten Atemzug machen, wobei deren Ableben heroischer und unblutiger als die meisten anderen Tode erzählt wird. Je weiter die Serie fortschreitet, so klarer wird es: Hier gibt es keine Antworten. Das Ende ist nicht ganz so unerträglich wie beim Klassiker Neon Genesis Evangelion, aber auch hier beginnt die Geschichte als Action und endet mit Fragen über Fragen.
Über alle Kritik ist die Technik der Animation erhaben. Da fast alles im Computer entstanden ist, darf man sich auf für den Anime eher untypisch viele und komplexe Kamerafahrten freuen. Nicht nur wegen der hohen grafischen Qualität wird man sich Gantz mehrmals anschauen. Vielleicht begreift man ja beim nächsten Mal, was uns diese Geschichte sagen will?
Die Serie lief beim mittlerweile eingestellten Anime-Programm auf MTV, und die brachten schließlich echte Anime-Perlen auf die germanischen Flimmerkisten. Auf DVD darf man Gantz in seiner ganzen Härte erleben, die vom Musiksender zensierten Szenen sind auf den Silberlingen enthalten. Die Extras sind vor allem Interviews mit den Synchro-Sprechern. Das sind in Japan wohl echte Celebrities, aber die Making-Ofs der Effekte sind auch für uns Teutonen beeindruckend. Die Songs gibt es natürlich auch noch pur zu sehen und zu hören.
In den diversen Foren wird Gantz entweder geliebt oder gehasst. Solch polarisierende Geschichten sollte man einfach mal antesteten – wenn man eine geballte Ladung fliegender Gedärme aushält. Dass dabei auch noch fast philosophische Fragen aufgeworfen werden, kann man zu Beginn nur ahnen, macht aber aus einem sehr souverän gemachten Trickfilm mit spektakulären Kamerafahrten etwas Besonderes.