Space-View Filmguide: Der Hexer

Der Hexer

Fakten

Originaltitel: Der Hexer
Deutschland, 1964
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 82 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Gwenda Milton weiß zu viel – und darum wird die Sekretärin von Anwalt Maurice Messer umgebracht. Unglücklicherweise (für die Schurken) war sie die Schwester von Arthur Milton, des so genannten Hexers, der als gesuchter Vigilant Verbrecher auf seine Weise richtet. Natürlich kehrt der Hexer aus dem Exil nach London zurück, um den Mord zu rächen. Während die Übeltäter, die einen schwunghaften Mädchenhandel betreiben, zittern, versuchen die Inspektoren Higgins und Warren von Scotland Yard, den mysteriösen Rächer dingfest zu machen, bevor er erneut das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit zahllosen Verdächtigen beginnt…

Review

Der 20. deutsche Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit basiert auf dem vielleicht bekanntesten und meistverfilmten Stoff des Krimi-Autors. Bereits neun Mal war der Roman adaptiert worden, der 1925 zunächst unter dem englischen Titel „The Gaunt Stranger“ erschienen war, dann als „The Ringer“ auf die Theaterbühne kam und schließlich in einer überarbeiteten Romanausgabe „The Ringer“ neu herausgegeben wurde. Zu den früheren Stoffverfilmungen zählen „The Ringer“ von Arthur Maude aus dem Jahr 1928, „Der Hexer“ von Carl Lamarc (1932), mit Paul Richter als Inspektor und Fritz Rasp als Maurice Messer, und „The Gaunt Stranger“ von Walter Forde (1938).
Der vorliegende Streifen wurde von Alfred Vohrer inszeniert und einmal mehr von Rialto Film produziert. Die Dreharbeiten fanden im CCC-Film Atelier in Berlin statt. Die London-Szenen wurden aus anderen Streifen einkopiert, darunter dem Wallace-Film „Der Zinker“. Das sieht man beispielsweise an der Szene, in der Eddi Arent eine Zeitung kauft. Der Verkäufer preist den „Hexer in London“ an, die Titelseite verkündet jedoch „Snake kills man“. Die Szene war einfach neu synchronisiert und dann wiederverwertet worden.
Da die letzten paar Rialto-Filme hinter den erhofften Einspielergebnissen zurückgeblieben waren – so auch „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ –, war ein sicherer Erfolg mal wieder dringend vonnöten. Die Verfilmung des „Hexer“-Stoffes sollte dafür sorgen. Hier allerdings ergab sich zunächst ein Problem: Durch seine Bekanntheit, nicht nur in Romanform, sondern auch dank der diversen früheren Leinwandadaptionen, war dem Publikum die Figur des Hexers wohl bekannt. Kaum jemand würde im Kinosaal noch mitraten können. Um dem entgegenzuwirken, engagierte Horst Wendlandt den bekannten Drehbuchautor Herbert Reinecker und ließ ihn die Wallace-Vorlage, unter Beibehaltung des Grundthemas, nach eigenem Gutdünken großzügig modifizieren. Das Ergebnis – vor allem die Schlusswendung – wurde als so herausragend empfunden, dass Wendlandt die letzten Drehbuchseiten weggeschlossen und alle an der Szene Beteiligten zu absolutem Stillschweigen verdonnert haben soll. Natürlich wurde das große Schlussrätsel – wer ist denn nun der Hexer? – auch der Presse zum atemlosen Kolportieren weitergegeben und im Film findet sich sogar eine die Handlung unerwartet unterbrechende Schrifttafeleinblendung, die das gespannte Publikum neckisch fragt, ob es denn schon wisse, wer der geheimnisvolle Hexer sei.
Zur weiteren Absicherung der Produktion engagierte man gleich zwei „leading men“ der Wallace-Reihe: Joachim Fuchsberger als den jugendlich energischen Inspektor Higgins und Heinz Drache als den leicht ominösen und omnipräsenten Mr. Wesby. Dazu gesellten sich die Veteranen Siegfried Lowitz als Inspektor Warren, Eddi Arent als zwielichtiger Finch und Jochen Brockmann als Maurice Messer. Für holde Weiblichkeit sorgten die Französin Sophie Hardy als Higgins’ kokett-naive Freundin (eine Art Marilyn-Monroe-Typ) und Ann Savo als Sir Johns freizügige Sekretärin. Margot Trooger gab derweil die mondäne und stets die Oberhand behaltende Cora-Ann Milton, die Frau des Hexers.
Der Hexer selbst wurde übrigens von René Deltgen gespielt, dessen Namen man im Vorspann absichtsvoll außen vor beließ. Der dahinter steckende Plan, die Zuschauer durch die lange Leinwandabsenz von Deltgen verfrüht auf seine Rolle als Hexer schließen zu lassen, ist jedoch insofern unsinnig, als dass der Hexer im Film ohnehin eine Maske trägt. Selbst wenn also das Publikum geschlossen hätte, das Deltgen der Hexer sein muss, hätte es sich nach wie vor fragen können und müssen, wann denn „Hexer“ Deltgen denn endlich in Erscheinung tritt beziehungsweise welche Maske er trägt.
Der Film entwickelte sich übrigens tatsächlich zu einem riesigen Erfolg, sodass der Hexer bereits ein Jahr später in „Neues vom Hexer“ wiederkehren durfte. Außerdem sollte Comedian Oliver Kalkofe seiner liebevollen Wallace-Parodie später den klanglich eindeutig ähnlichen Titel „Der Wixxer“ geben (und dessen Nachfolgefilm „Neues vom Wixxer“ nennen).

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Scotland-Yard-Mann Higgins hat dieselben Vornamen wie der Sohn von Edgar Wallace, nämlich Bryan Edgar. Etwas unklar ist die Reihenfolge der Vornamen: Während er sich selbst zunächst als Edgar Bryan Higgins vorstellt (einen Hauch subtiler, aber dennoch ein deutliches Namenszitat), nennt ihn seine Freundin später sogar explizit Bryan Edgar. Scotland-Yard-Chef Sir John hat auch einen Nachnamen! Hier wird er erstmals genannt. Er lautet Walford. Frisch zitiert „Gut gehext, Wallace und Company, so könnte man weitermachen.“ – Kurier, Wien „Man braucht den Film nur einmal zu sehen und man weiß sofort, hier entstand ein Klassiker. Dieser Film läßt keine Wünsche offen. Jedes weitere Wort wäre überflüssig.“ – Christos Tses in seinem Buch „Der Hexer, der Zinker und andere Mörder.“

Hauptdarsteller

  • Inspector Higgins Joachim Fuchsberger
  • James Wesby Heinz Drache
  • Elise Sophie Hardy
  • Finch Eddi Arent
  • Warren Siegfried Lowitz
  • Reverend Hopkins Carl Lange
  • Cora Ann Milton Margot Trooger
  • Maurice Messer Jochen Brockmann
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Shelby Karl Johnson
  • Reddingwood Kurt Waitzmann
  • Jean Anneli Sauli
  • Wardress Hilde Sessak
  • Gwenda Milton Petra der von Linde
  • Arthur Milton René Deltgen

Film-Crew

  • Regie Alfred Vohrer
  • Drehbuch Harald G. Petersson
  • Drehbuch Herbert Reinecker