Space-View Filmguide: Der Hund von Blackwood Castle

Der Hund von Blackwood Castle

Fakten

Originaltitel: Der Hund von Blackwood Castle
Deutschland, 1967
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 92 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Blackwood Castle, einige Kilometer außerhalb von London in einer ländlichen Moorgegend gelegen, ist kein angenehmer Ort. Die einstigen Besitzer Henry und Agatha Beverton haben das Anwesen längst aufgegeben und sind in den nahe gelegenen Gasthof geflohen. Als Kapitän Wilson verstirbt, kehrt plötzlich Leben in die abgelegene Landschaft ein – Wilsons 22-jährige Tochter Jane erscheint, um ihr Erbe anzutreten. Doch Nachlassverwalter Robert Jackson scheint erpicht zu sein, das alte Gemäuer abzustoßen. Seltsam nur, dass er konkrete Kaufinteressenten grob abweist. Als dann auch noch ein unheimlicher Hund im nächtlichen Moor für Leichen sorgt, steht Jane vollends vor einem Rätsel.

Review

Man muss kein Conan-Doyle-Fan sein, um die Parallelen zu erkennen, die sich „Der Hund von Blackwood Castle“ zum Doyleschen „Hund von Baskerville“ erlaubt: eine abgeschiedene Ecke Englands, in Mord endende Erbstreitigkeiten, ein unheimlicher Hund… die Wallace-Filme hatten nie allzu viel mit den Romanen des britischen Schriftstellers zu tun, dem sie ihren Reihentitel verdanken. In diesem Fall war aber eher der Sherlock Holmes eines Arthur Conan Doyle Vater der Geschichte.
Vielleicht lag dies auch darin begründet, dass der Film etwas ganz besonderes sein musste. „Der Hund…“ stellt den fünfundzwanzigsten Wallace-Streifen der Rialto Film dar. Zwar hatten in all den Jahren, die Wallace nun schon deutsche Lichtspielhäuser füllte, auch andere Produktionsfirmen nach ihrem Stück vom Kuchen gegriffen und eigene Wallaces in die Kinos gebracht, aber die „offizielle“ Reihe feierte 1967 ein stolzes Jubiläum.
Franz Seitz verfasste als Georg Laforet ein erstes Drehbuch, welches zuerst Herbert Reinecker (als Alex Berg) und dann nochmals Regisseur Alfred Vohrer überarbeitete, wobei sich Vohrers Änderungen meist aus den Dreharbeiten ergaben und vergleichsweise geringfügiger waren. Für die Innenaufnahmen des Films konnte Rialto abermals die Berliner CCC-Studios von Artur Brauner beziehen, eine bereits Wallace-erfahrene Location. Außenaufnahmen fanden unter anderem auf der Pfaueninsel und im Gasthaus Schildhorn statt. Und abermals erwies sich die Tatsache, dass Rialto nun in Farbe drehen ließ, als Glücksfall: Die Dreharbeiten zum „Hund von Blackwood Castle“ fanden im Herbst statt – und die herbstliche Stimmung und Farbenpalette der Natur überträgt sich kongenial auf die Leinwand und somit auch auf die Stimmung und Atmosphäre des Films. In Schwarzweiß hätte der „Hund“ längst nicht so kräftig gewirkt.
Auch narrativ versteht der Film zu überzeugen. Die Spannung wird konsequent und logisch aufgebaut, der Handlungsverlauf ist – von den üblichen Stereotypien der Serie einmal abgesehen – angenehm frisch und originell, vorausgesetzt man sieht dem Team um Produzenten Horst Wendlandt die angesprochenen Anleihen beim „Hund von Baskerville“ nach. Die Wallace-Filme sollten in erster Linie unterhalten und dem Publikum das geben, was es von ihnen erwartete – und die Geschichte eines durchs Moor streifenden Monsterhundes, der die Erbschleicher eines Verstorbenen dezimierte, passte einfach zu gut, um sie zu überspringen, hieß der ursprüngliche Autor diesmal auch Doyle anstatt Wallace.
Ungewöhnlich ist auch die Hauptfigur. Anstatt wie üblich einen weltmännisch wirkenden Star für die Hauptrolle des ermittelnden Kommissars zu verpflichten – Joachim Fuchsberger böte sich an –, setzte das Drehbuch erstmals voll auf Siegfried Schürenbergs Sir John, der grauen Eminenz von Scotland Yard, und ließ ihn den Fall im Alleingang lösen. Sir John hatte bisher eher als Stichwortgeber fungiert und mit seiner Präsenz in insgesamt 13 Wallace-Streifen für innere Konsistenz gesorgt.

Wissenswertes

Drehbuchautor Franz Seitz sollte noch große Erfolge feiern. Als er 1979 einen weiteren Roman für die Leinwand adaptierte, gab es dafür im Folgejahr sogar den Oscar. Das Projekt unter der Leitung von Volker Schlöndorff basierte auf einem Buch von Literaturnobelpreisträger Günter Grass und trug den Namen „Die Blechtrommel“. In der Szene vor dem Nachtclub sind auch Regisseur Alfred Vohrer und dessen Assistentin Eva Ebner kurz zu sehen. Ebner, die auch als Schauspielerin und Drehbuchautorin arbeitete, war eine Legende des deutschen Kinos. Für die klamaukige Wallace-Persiflage „Der Wixxer“ aus dem Jahr 2004 schlüpfte sie ein letztes Mal ins Wallace-Universum. Sie spielte die mysteriöse Miss Drycunt. Die unglaublicherweise Douglas Fairbanks benamte Figur wird von einem Mann verkörpert, für den der Krimi in späteren Jahren eine zweite Heimat werden sollte: Der junge Horst Tappert, hier erstmalig in einem Wallace zu sehen, sollte für das ZDF von 1973 bis 1998 den Kommissar Stephan Derrick spielen, 281 Episoden lang. Das „Lexikon des Internationalen Films“ irrt, spricht es doch vom „Hund von Blackwood Castle“ als erstem Farbfilm der Wallace-Serie. Frisch zitiert: „In ihrem Jubiläumsfilm, dem 25. der erfolgreichsten deutschen Filmserie der Nachkriegszeit, haben Produzent Horst Wendlandt, Autor Alex Berg und Regisseur Alfred Vohrer eine besonders fesselnde und spannungsgeladene Story nach Motiven aus dem nachgelassenen Werk des englischen Krimi-Altmeisters auf die Leinwand gebracht.” - Fränkischer Tag

Hauptdarsteller

  • Humphrey Connery Heinz Drache
  • Jane Wilson Karin Baal
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Lady Beverton Agnes Windeck
  • Miss Finley Ilse Pagé
  • Catherine Wilson Mady Rahl
  • Dorothy Cornick Uta Levka
  • Robert Jackson Hans Söhnker
  • Kapitän Otto Stern
  • Doc Adams Alexander Engel
  • Lord Beverton Tilo von Berlepsch
  • Ken Nelson Harry Wüstenhagen
  • Edward Baldwin Kurd Pieritz
  • Grimsby Arthur Binder
  • Tom Heyes Rainer Brandt
  • Dr. Sheppard Kurt Waitzmann
  • Mr. Jameson Paul Berger
  • Douglas Fairbanks Horst Tappert

Film-Crew

  • Regie Alfred Vohrer
  • Drehbuch Herbert Reinecker