Space-View Interview :: Interview mit "Sniper: Reloaded"-Regisseur

Claudio Fäh im Visier

Interview mit "Sniper: Reloaded"-Regisseur

Der Schweizer Claudio Fäh dreht Filme für den DVD-Markt. „Hollow Man 2“ hat er für eine DVD-Premiere als Regisseur aufbereitet, für „Starship Troopers 3“ zeichnete er sich ebenso als Produzent verantwortlich wie für Joe Dantes „The Hole“. Das 3D-Horrorspektakel lief in den meisten westlichen Ländern, wie es sich für einen Joe-Dante-Film gehört, im Kino. In Deutschland gibt es ihn nur auf DVD. Ebenso wie Fähs aktuelle Regiearbeit „Sniper: Reloaded“, die zweite Fortsetzung eines Actionfilmes aus dem Jahre 1993, in dem einst Tom Berenger einen Scharfschützen zwischen Pflichterfüllung und Kampf mit seinem Gewissen spielte. Wir haben uns mit Fäh über seine Arbeit unterhalten.

„Hollow Man 2“, „Starship Troopers 3“, für die TV-Serie „Ghost Whisperer“ inszenierten sie eine Web-Reihe. Sie haben offenbar eine Vorliebe fürs phantastische Genre, doch jetzt kommt mit „Sniper: Reloaded“ ein Actionfilm auf Silberling.
Dafür durfte ich etwas mehr mit Charakteren arbeiten, was ich wirklich sehr schön fand. Ich habe ein Faible fürs Phantastische. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und der Held meiner Kindheit war Steven Spielberg. Er ist bis heute mein großes Vorbild.

Demnach muss die Zusammenarbeit mit Joe Dante bei „The Hole“ für Sie ja fast die Erfüllung eines Traums gewesen sein (Spielberg produzierte Dantes „Gremlins“-Filme).
Absolut. Der Mann ist ja nicht einfach nur ein Regisseur. Der ist ein Filmfreak, der einfach jeden Film kennt und Kino atmet. Als ich Film studiert habe, wurde ich von vielen Kommilitonen schräg angeschaut, weil meine großen Kinohelden andere waren als ihre. Ich mag die großen Blockbusterregisseure, ich bewundere deren Arbeit, denn um einen großen Film zu drehen, darf man nicht nur künstlerische Aspekte im Auge behalten, man muss vor allem ein begnadeter Logistiker sein, denn man hat ja Verantwortung für ein riesiges Budget, für Hunderte von Mitarbeitern.

Was wollten denn Ihre Kommilitonen für Filme drehen?
Fäh: Wohl eher was Ernstes, Wichtiges (lacht). Ich eigne mich wohl nicht für das große philosophische Drama (lacht). Wobei „Sniper: Reloaded“ ja nun auch kein tumber Actionfilm ist, wie ich hoffe. Die Geschichte spielt im Kongo unter Rebellen und UNO-Blauhelmen, wobei es mir sehr wichtig gewesen ist, allen Figuren für ihr Handeln einen Grund mit an die Hand zu geben. Der Bösewicht der Geschichte zum Beispiel ist ja kein Weltenzerstörer, sondern eine Person, die um die moralische Verwerflichkeit ihres Tuns weiß, aber glaubt, durch dieses Handeln am Ende etwas Gutes erreichen zu können.

Solch Komplexität in einem B-Film muss doch Produzenten nervös machen.
Fäh (lacht): Nein, man traut den Zuschauern heute mehr zu als in den 80-ern, als Freund-Feind-Schemata oft eine erschreckende Simplizität erkennen ließen. Was unsere Produzenten eher nicht mochten, war das Ende des Filmes, denn „Sniper: Reloaded“ endet nicht mit einem großen Rumms, sondern für einen Film dieser Art eher ruhig. Aber als Regisseur oder als Produzent am Set muss man eben auch mal für seine Ideen kämpfen. In „Starship Troopers 3“ zum Beispiel spielt Religion eine wichtige Rolle. Da sagten unsere finanzierenden Produzenten, das sei alles viel zu komplex und müsse raus. Am Ende dann haben wir von Paul Verhoeven (Regisseur des ersten Teils) Rückendeckung bekommen, der gesagt hat: Nur wenn die Religionsgeschichte drin bliebe, würde er den Film unterstützen. Und so wurde „Starship Troopers 3“ der Film, der er ist.

Sind Sie nicht manchmal frustriert, wenn Sie darüber nachdenken, dass Sie in Südafrika in 23 Tagen einen Actionfilm wie „Sniper: Reloaded“ drehen, der dann nur auf DVD erscheint, im Schatten jener großen Blockbuster, deren Regisseure sie als Vorbilder bezeichnen …Nö. Es wird in Hollywood immer schwerer, Filme zu produzieren. Wenn ein Film 50 Millionen Dollar kostet, aber nur 10 Millionen einspielt, ist das ein Flop, der vielen Leuten viel Geld kostet. Diese großen geplanten Blockbuster sind demnach auch ein Zeichen von Nervosität. Man geht in gewisser Weise auf Nummer Sicher, großes Geld = großer Erfolg. Die Verantwortung aber, die auf den Schultern der Verantwortlichen liegt, ist immens. Da haben es Regisseure wie ich tatsächlich einfacher. Die kleinen Budgets sind kalkulierbar, der Erfolg eines Filmes lässt sich viel einfacher abschätzen. Und Leute wie ich bekommen eine Chance. In Hollywood wartet ja niemand auf einen Claudio Fäh aus der Schweiz. Und letztlich war es mir bei „Sniper: Reloaded“ sogar möglich, sehr eigene Ideen umzusetzen. Wie eben das Ende, das eben nicht den üblichen Klischees entspricht. Überhaupt ist die gesamte Inszenierung sehr auf die Figuren bezogen, ohne allzu große Effekte, sondern mit einer angenehm altmodischen, geradlinigen Action. Sie bekommen bei einem Film wie diesem ja auch nicht die ganz großen Stars, da ist es wichtig die Rollen mit Leuten zu besetzen, die wirklich spielen können. Wir hatten Richard Sammel, einen deutschen Schauspieler, dessen Namen wahrscheinlich kaum jemand in Deutschland kennt, der aber in Filmen wie „Casino Royal“, „Inglourious Basterds“ und vielen französischen Filmen mitgespielt hat und der einfach eine Erfahrung und Klasse mitbrachte, von der ich als Regisseur habe viel lernen können. Und das ist bei einem Film wie diesem wichtig: Um bestehen zu können, braucht man vor und hinter der Kamera gute Leute, da man keine großen Effekte hat, um Fehler kaschieren zu können.

Sniper: Reloaded (Sony Pictures HE, FSK ab 16, ca. 10 Euro) / „The Hole“ (Ascot Elite HE, FSK ab 12, ca. 12 Euro)