Space-View Essay :: "Schweinchen Wilbur und seine Freunde"

Die Effekte von

"Schweinchen Wilbur und seine Freunde"

Schweine, die sprechen, Mäuse, die kalauern, Spinnen, die weise Worte wählen. In „Schweinchen Wilbur und seine Freunde“ sprachen bereits 1952 Tiere recht wortgewandt daher, das Buch wurde ein Kinderbuchklassiker. Die Realverfilmung ist ab dem 7. Januar 2007 in den Kinos zu bewundern – und wie im Buch reden auch im Film die Tiere wie Menschen: Und zwar Lippensycnhron!

Glenn Melenhorst„Die Kunst ist nicht der Effekt“, erklärt Glenn Melenhorst. „Die Technik ist seit Jahren auf dem Markt. Die Kunst ist es, aus dem Effekt einen Spielfilm-Charakter zu erschaffen.“ Der Australier Melenhorst ist einer der Regisseure des Filmes „Schweinchen Wilbur und seine Freunde“, um ganz genau zu sein ist er der Animationsregisseur.

Ob King Kong durch die Straßen New Yorks wankt oder Ork-Armeen im „Herrn der Ringe“ Schlachten schlagen: Dass Spezialeffekte heute alles ermöglichen können, ist bekannt. „Genau darin aber liegt die Gefahr – dass sich der Effekt verselbstständigt. Die Zeit, in der der reine Schauwert ausreichte, um das Publikum zu begeistern, ist vorbei, seit der erste Saurier lebensecht über die Kinoleinwand rannte. Das Publikum weiß nun, dass alles möglich ist, daher muss die Geschichte stimmen, müssen die Charaktere funktionieren.“

Glenn Melenhorst hat über 400 Werbeclips mit Effekten versehen. In der Regel handelte es sich um reine Effektarbeiten, ohne, dass Melenhorst Einfluss auf die künstlerische Gestaltung gehabt hätte. „In der Werbung arbeitet man als Handwerker, der Kunde hat einen klaren Wunsch, den setzt man um.“ Ins Spielfilmmetier lässt sich diese Arbeit jedoch nicht ohne weiteres übertragen. „Der Effekt-Markt ist inzwischen ungemein hart umkämpft. Es ist heute eine Industrie, in der allein in meiner Heute mehrere Tausend Menschen arbeiten.“ Da haben die Produzenten die freie Auswahl. Immerhin: Wer einen Zuschlag bekommt, ist oft gleich für mehrere Jahre an ein Projekt gebunden, das sichert Arbeitsplätze. Film ist schließlich nicht nur Kunst, sondern, wie Melenhorst selbst sagt, eine Industrie.

Nur weil ein Film wie „Schweinchen Wilbur und seine Freunde“ in Australien gedreht worden ist, heißt das nicht, dass auch die Effekte zwangsläufig aus Australien stammen mussten. „Regisseure bevorzugen nach wie vor eine enge Zusammenarbeit ihrer Künstler und es ist ja auch wichtig, sich kurzfristig austauschen zu können, aber letztlich ist dies auch auf anderen Wegen heutzutage möglich.“ Und wenn die Produzenten zum Beispiel in Süd-Korea ein kostengünstigeres Studio gefunden hätten, wäre Schweinchen Wilbur eben von Künstlern in Seoul gestaltet worden.

Für Melenhorst sprach möglicherweise das Faktum, dass er selbst bereits als Kinderbuchautor tätig geworden ist und somit eine Verbindung zum Metier besitzt, das anderen Künstlern in diesem Fall fehlte. „Man muss im Animationsmetier heutzutage Technikexperte sein, Illustrator, Autor, es schadet nicht, wie ein Schauspieler denken zu können und Phantasie braucht man sowieso.“

Seit geraumer Zeit schauen sich auf diesem Markt vermehrt chinesische Filmproduzenten um, auch im Kino erwacht China langsam aus seinem Dämmerschlaf. Melenhorst hat unlängst für eine chinesische Großproduktion von Tsui Hark („Chinese Ghost Story“) die Spezialeffekte beigesteuert. „Das ist ein Zukunftsmarkt, denn das chinesische Publikum giert nach großen Epen.“

„Schweinchen Wilbur und seine Freunde“ startet am 7. Januar 2007 in den deutschen Kinos.

geschrieben von: Christian Lukas