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Space-View Filmguide: Krrish

Krrish

Krrish

Fakten

Originaltitel: Krrish
Indien, 2006
Kinostart: direct-to-video (FSK: 12)
ca. 175 Min.

Genre

Science Fiction

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Kurzübersicht

Rohit (Hrithik Roshan) lebt mit seiner Großmutter in einem abgelegenen Bergdorf im Himalaya. Seine Großmutter versteckt Rohit vor der Welt jenseits der Berge, denn Rohit ist: Anders. Sein Vater hatte Kontakt zu einer außerirdischen Macht und Rohit ist ein Erbe der außergewöhnlichen Fähigkeiten, die er außerirdische Besuch seinem Vater hinterlassen hat. Doch wenn die Liebe einen jungen Mann erwischt, ist er nicht mehr zu halten. Und als Krishna die selbstbewusste Journalistin Priya (Prijanka Chopra) kennen lernt, verlässt er die Ödnis und folgt er ihr nach Singapur. Doch bevor er ihr folgen darf, muss er seiner Großmutter ein Versprechen geben: Er darf niemanden seine Kräfte zeigen. Sein Aufenthalt im Stadtstaat verläuft zunächst unspektakulär. Bis Krishna Zeuge eines Zirkusbrandes wird und Kinder von den Flammen eingeschlossen werden. Krishna kann nicht anders. Er muss die Kinder retten. Aber er bricht seinen Schwur nicht – und so versteckt er sein Gesicht hinter einer Maske.

Review

Bollywood, das sind nicht nur dreistündige Melodramen mit viel Musik, Tanz und dramatischen Augenblicken. Früher verdankten viele große Melodramen ihren Erfolg der Tatsache, die Menschen für drei Stunden aus ihrem eher tristen Alltag zu entführen. Es spielte dabei keine allzu große Rolle, dass sich viele Filme in Handlung und Umsetzung glichen und Bollywood-Regisseure vor allem auf bewährte Formeln setzten und nur wenig Experimentierfreudigkeit an den Tag legten. Das Kino Mumbais, dem ehemaligen Bombay, stand für wohl kalkulierten, massentauglichen Kommerz.
Die hat sich im Grunde bis heute nicht geändert, geändert haben sich allerdings die Ansprüche des Publikums. In Indien ist in den letzten Jahren eine relativ große Mittelschicht entstanden. Vor allem in den Großstädten ist diese Mittelschicht beheimatet und diese besondere Spezies sucht im Kino nicht mehr die Abwechslung aus einem tristen Leben. Dieses Publikum gilt als extrem konsumfreudige und sie giert nach Abwechslung.
Und darauf reagiert nun auch Bollywood, indem die Traumfabrik neue Genre für sich entdeckt. 2004 kam da mit „Sternenkind – Koi Mil Gaya“ der erste Big-Budget-Bollywood-Sciencefictionfilm in die Kinos. Worum es darin geht?
Nun, das Quasi-„E.T.“-Remake erzählt die Geschichte von Rohit, einem jungen Mann mit dem Verstand eines kleinen Kindes, der im heimischen Wald einen freundlichen Alien entdeckt, der von seinen außerirdischen Forscherkollegen während eines Erd-Ausflugs vergessen wurde. Die beiden freunden sich an und aus Dank für seine Hilfe lässt der Außerirdische Rohits Verstand erblühen.
Der Film ließ die Kassen ordentlich klingeln. Zwar unkten Kritiker, die Produzenten hätten sich den Erfolg teuer erkauft, denn um westliche Standards zu erreichen, ließen sich die Produzenten der Filmproduktionsgesellschaft „Filmkraft“ (!) die Effekte einiges kosten. Aber letztlich schrieb der Film, trotz recht hoher (nicht näher bezifferter) Produktionskosten am Ende ordentliche schwarze Zahlen. Und was tun Filmproduzenten in einem solchen Fall, egal ob in Bollywood oder Hollywood? Sie drehen eine Fortsetzung! Und genau die ist nun auf DVD auch in Deutschland erschienen: „Krrish“
Ja, „Krrish“ ist tatsächlich der erste hoch budgetierte Bollywood-Superheldenfilm. Es ist kein billiger C-Film, wie es sie vor 25 Jahren aus Südostasien auch in Deutschland auf dem Videomarkt zu bewundern gab. „Krrish“ ist teuer. Die Effekte sind ordentlich und brauchen den Vergleich mit westlichen Produktionen nicht scheuen. Hauptdarsteller Hrithik Roshan bringt derweil eine atemberaubende Physis in seine Rolle ein, hier wurde nicht gekleckert, hier wurde richtig geklotzt!
Jedoch: Der Film funktioniert nicht, da der Mix einfach keine Funken fliegen lassen will. Mix? Genau das? Statt einen geradlinigen Superhelden zu drehen, beinhaltet „Krrish“ alle Zutaten eines Mainstream-Bollywoodfilmes. Es wird getanzt, geweint, geblödelt, große Melodramatik wechselt sich mit blödesten Slapstick-Humor ab. Masalafilme nennt man in Indien solche Genrevermischungen.
Nun war auch „Sternenkind – Koi Mil Gaya“ ein solch wilder Mix. Der Humor des Filmes war, milde ausgedrückt, kindlich-naiv, es wurde gleichfalls gesungen, getanzt, geblödelt. Aber: In seinem Fall funktionierte die Synthese aus westlichem SciFi-Film und großer Bollywood-Dramatik vorzüglich, da der Zuschauer die Welt auf der Leinwand durch die kindlich-naiven Augen von Rohit verfolgen durfte. Die typische Dramaturgie eines Bollywood-Melodrams mit überdrehten Humor und dramatischen Herz-Schmerz-Sequenzen ließ sich problemlos auf die Sciencefiction-Geschichte übertragen – was jedoch im Fall von „Krrish“ gnadenlos scheitert. Hier wirkt der Humor, der immerhin die ersten 70 Minuten (!) des Filmes beherrscht, enervierend. Musik und Tanz wirken wie Fremdkörper in dem Film, sein ätzend-dämlicher Humor bohrt sich wie ein schmerzender Stachel in eine an sich simple Handlung, die durch eine überlaute Dramatik keinen gleichmäßigen Schritt zu finden weiß.
Lediglich der von Naseeruddin Shah (im Westen bekannt geworden als Captain Nemo in dem Film „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“) verkörperte Schurke Dr. Siddhant Arya, der nichts geringeres als eine Gott gleiche Position anstrebt, setzt einige Akzente. Als Finsterling, der sich in Shakespeare’scher Tradition mehrfach direkt ans Publikum wendet, um dieses von seinen Plänen in Kenntnis zu setzen, trägt er die wenigen wirklich gelungenen Momente des Filmes – wenn man von den ansehnlichen Effektszenen einmal absieht.
Die durchweg negativen Kritiken auch in Indien haben den Erfolg des Filmes an den indischen Kinokassen, wo er als Blockbuster die Konkurrenz alt aussehen ließ, nicht verhindern können, weshalb wohl ein dritter Teil zu befürchten steht.

Bewertung: 1 Sterne

geschrieben von: Christian Lukas

DVD-Kritik

Bonus-DVD mit allerlei Specials. Okay.

Hauptdarsteller

  • Sonia Mehra Rekha
  • Krishna Mehra Hrithik Roshan
  • Priya Priyanka Chopra
  • Dr. Siddhant Arya Naseeruddin Shah
  • Vikram Sinha Sharat Saxena
  • Nisha Preity Zinta

Film-Crew

  • Regie Rakesh Roshan
  • Drehbuch Robin Bhatt
  • Drehbuch Sachin Bhowmick
  • Drehbuch Honey Irani
  • Drehbuch Akarsh Khurana
  • Drehbuch Rakesh Roshan