Space-View Filmguide: Der Mönch mit der Peitsche

Der Mönch mit der Peitsche

Fakten

Originaltitel: Der Mönch mit der Peitsche
Deutschland, 1967
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 88 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

In einem britischen Mädcheninternat geht die Angst um, seitdem eine Schülerin mithilfe eines Säure-Gas-Gemischs heimtückisch ermordet wurde. Als Inspektor Higgins und Sir John von Scotland Yard eintreffen, sehen sie sich noch einem zweiten (?) Gegner gegenüber: eine vermummte Gestalt in roter Mönchskutte sucht das Internat heim und mordet, unter anderem fällt auch ein Lehrer ihrer tödlichen Peitsche zum Opfer.
Higgins’ Ermittlungen führen zu ersten Ergebnissen: Zum einen scheinen die Taten mit zwei entflohenen Gefängnisinsassinnen in Zusammenhang zu stehen. Und zum anderen kristallisiert sich nach und nach die junge Erbin Ann Portland als Hauptopfer der Serie heraus. Da wird Portland entführt…

Review

Die Mädcheninternate Englands sind, treue Zuschauer der Wallace-Filme wissen es nur zu gut, ein Nährboden für kriminelles Gesindel und locken mit ihrer Mischung aus Abgeschiedenheit und architektonischer Morbidität Übeltäter jedweder Couleur an. Auch unbekannte Straftäter in Mönchskutten, die mit sirrenden Peitschen bewaffnet sind und des Nachts die Umgebung noch eine Spur unsicherer machen, treten dort zuhauf auf.
Den Eindruck konnte man als Fan der Wallace-Reihe zumindest im Herbst des Jahres 1967 gewinnen. Getreu der amerikanischen Maxime, das man niemals an einer Mannschaft herumdoktern sollte, die erfolgreich ist, hatte sich Horst Wendlandt, welcher die Wallaces produzierte, die Einspielergebnisse der letzten Jahre besehen und eine ihm interessant erscheinende Feststellung gemacht: „Der unheimliche Mönch“, Harald Reinls Gruselthriller über Erbstreitigkeiten in Schloss Darkwood und einen die tödliche Peitsche schwingenden Racheengel im Mönchsgewand, war 1965 ein Kassenknüller gewesen. Das Publikum liebte ihn, die Kritiker lobten die Spannung und das angenehm homogen gezeichnete Setting… Wendlandt war sich sicher: Sie brauchten einen zweiten Mönchsfilm!
Wallace-Stammautor Harald G. Petersson wurde mit der ersten Drehbuchfassung eines neuen Filmes über mordende Kuttenträger beauftragt, und ersann den Arbeitstitel „Der Mann mit der Peitsche“. Alex Berg (alias Herbert Reinecker) überarbeitete diese Buchversion noch, und schließlich fand auch der für so wichtig befundene Mönch im Titel Erwähnung. Auch Regisseur Alfred Vohrer griff noch ein wenig in den Plot ein und veränderte beispielsweise die Schauplätze einiger weniger Szenen aus drehtechnischen Gründen. Den von Reinecker ersonnenen Kriminalpsychologen Blake strich Vohrer gleich ganz aus dem Film und ließ Scotland-Yard-Chef Sir John kurzerhand Abendkurse in Psychologie belegen.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, auch wenn das treue Wallace-Fandom den Ursprungs-Mönch weitaus höher handelte. Die Presse lobte den Spannungsbogen und die Figurenzeichnung, die Süddeutsche Zeitung schrieb sogar, die handwerkliche Qualität der Wallace-Reihe sei nach der Umstellung auf Farbfilme deutlich angestiegen. Andererseits fanden sich auch Gegenstimmen, die im „Mönch mit der Peitsche“ kaum mehr als einen müden Aufguss sahen – quasi ein Remake, noch lange bevor dieser Begriff überhaupt Einzug in den deutschen Sprachraum gehalten hatte.
Man darf den Wallace-Filmen ihre Stereotypien nicht vorenthalten. Immerhin sind sie es doch – diese ewig wiederkehrenden Motive von Erben in Gefahr, maskierten Superschurken und abgelegenen (und in Berlin oder Hamburg gedrehten) Gegenden des ländlichen Englands –, die den immensen Kultcharakter der Serie ausmachen. Natürlich könnte man eine so selbstsichere Verlässlichkeit als narratives Malen nach Zahlen abstrafen. Oder man betrachtet sie schlicht als Erfolgsrezept. Die noch immer starke Fanbasis und große Beliebtheit dieser Filme macht schnell deutlich, welche der Alternativen zutrifft. „Der Mönch mit der Peitsche“ hielt sein Versprechen, eine Geschichte im Stile des „unheimlichen Mönchs“ zu erzählen – und sein Publikum dankte es ihm. Nach einer Kinopremiere im altehrwürdigen Münchner Mathäser-Filmpalast im August 1967 ging Alfred Vohrers Wallace in den regulären Verleih und schlug sich wacker.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Grit Böttcher und Ursula „Uschi“ Glas trafen bei „Der Mönch mit der Peitsche“ im Rahmen der Wallace-Serie aufeinander. Glas hatte Böttcher beim Original „Der unheimliche Mönch“ ersetzt, nachdem die Schauspielerin krank geworden war, und machte ihre Sache so gut, dass sie in Folge zu weiteren Wallaces eingeladen wurde. Und Grit Böttcher erhielt hier die Gelegenheit, den damals verpassten Film quasi noch mal zu drehen. Siegfried Schürenbergs Sir John ist eine Art Konstante vieler Wallace-Filme. Insgesamt dreizehn Mal gab der eigentlich Siegfried Wittig heißende Schauspieler die Scotland-Yard-Ikone. Die Schwimmbadszenen spielen zwar in der Nacht, mussten aber am Tage gedreht werden, da Mark Denver-Darsteller Harry Riebauer abends auf der Theaterbühne erwartet wurde. Alfred Vohrer machte aus der Not eine Tugend und ließ die Fenster des Hallenbades verhängen, was den Szenen einen noch düstereren Charakter verlieh. Frisch zitiert: „Regisseur Alfred Vohrer hat schon bessere Filme als diesen gedreht. Hier werden die abgeleierten Klamotten des Kintopps zusammengekratzt und in schlechten Farben aufgemöbelt. Weder Spannung noch Gruselstimmung wollen so recht aufkommen. Zu umständlich, schwerfällig und unglaubwürdig wird alles erzählt.” - Kölner Stadt-Anzeiger

Hauptdarsteller

  • Inspektor Higgins Joachim Fuchsberger
  • Ann Portland Uschi Glas
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Betty Falks Grit Böttcher
  • Keyston Konrad Georg
  • Mark Denver Harry Riebauer
  • Harriet Foster Tilly Lauenstein
  • Sekretärin Ilse Pagé
  • Frank Keeney Siegfried Rauch
  • Glenn Powers Claus Holm
  • Greaves Günter Meisner
  • Bannister Hans Epskamp
  • Harrison Heinz Spitzner
  • Brent Jan Hendriks
  • Sergeant Hanfield Rudolf Schündler

Film-Crew

  • Regie Alfred Vohrer
  • Drehbuch Herbert Reinecker