Space-View Filmguide: Manhunter – Roter Drache

Manhunter – Roter Drache

Fakten

Originaltitel: Manhunter
USA, 1986
Kinostart: 29.01.1987 (FSK: 16)
ca. 119 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Profiler Will Graham, langjährig im FBI-Dienst tätig gewesen, hat den sprichwörtlichen Abgrund gesehen, und genug von der Verbrecherjagd. Er, der den Serienmörder Dr. Hannibal Lecter einst dingfest machen konnte, hat sich mit der Familie zur Ruhe gesetzt und arbeitet hart daran, die erschreckenden Erinnerungen aus seinem Unterbewusstsein zu verbannen. Als ein Psychopath mit dem Alias „Zahnfee“ Amerika heimsucht, wendet sich Grahams ehemaliger Boss Jack Crawford Hilfe suchend an Will. Nur widerstrebend willigt Graham ein, sich des Falles anzunehmen. Und er weiß auch schon, wie: Mithilfe des inhaftierten Lecters…

Review

Lieber deutscher Verleih, wie heißt dieser Film denn nun eigentlich? Zugegeben: Als er ursprünglich herauskam, hatte der Hype um Dr. Hannibal „the cannibal“ Lecter, der infolge von „Das Schweigen der Lämmer“ einsetzte, noch längst nicht begonnen, und das Publikum interessierte sich kaum um den Autor hinter der Geschichte, einen Amerikaner namens Thomas Harris. Da konnte man sicherlich den Originalfilmtitel – „Manhunter“ – auch für den deutschen Markt beibehalten, ohne die Zielgruppe zu verwirren. Aber seitdem? Wer Michael Manns Adaption des ersten Hannibal-Lecter-Romans heute sehen will, muss kombinieren können, denn „Manhunter“ ist im deutschen Sprachraum seitdem – und dank der 2002 gestarteten Neuverfilmung „Roter Drache“ – unter verschiedensten Bezeichnungen auf DVD und im TV gelaufen: „Roter Drache“, „Manhunter“, „Blutmond“ … alles der gleiche Film.
Und ein guter noch dazu. Um es gleich vorweg zu nehmen: Man braucht keinen Schauspieler wie Anthony Hopkins, um einen glaubhaften und überzeugenden Lecter präsentiert zu bekommen. Seit „Das Schweigen der Lämmer“ hat der berühmte Mime diese Rolle quasi zu seiner eigenen gemacht und ihn in bisher vier Filmen verkörpert, doch das war zu Zeiten von „Manhunter“ noch reine Zukunftsmusik. Der Schotte Brian Cox („Zodiac“, 2007) macht seine Sache sehr gut und überzeugt in der schon legendären Figur ohne Einschränkungen. Ursprünglich hatten die Produzenten auch Kollegen wie Mandy Pantinkin („Criminal Minds“), John Lithgow und Brian Dennehy für die Rolle im Auge.
Regisseur Michael Mann, der den Roman auch selbst zu einem Drehbuch adaptierte, ist Perfektionist und visuell ästhetisch arbeitender Filmemacher. Unvergessen ist sein Beitrag zur 80er-Jahre-Kultserie „Miami Vice“, mit welcher er wie kaum ein anderer Modeströmungen seiner Zeit einfing, spiegelte und nicht selten sogar erzeugte. Die TV-Reihe um Don Johnson und Philip Michael Thomas gilt als essentieller Bestandteil der Popkultur. Auch „Manhunter“ bedient sich in seiner Bildsprache und der Orchestrierung dieser Ästhetik.
Stichwort TV-Serie: Manns Will Graham, in der Neuverfilmung aus dem Jahr 2002 von Edward Norton verkörpert, wird von William Louis Petersen gespielt. Der Schauspieler aus Illinois ist dem Publikum der Gegenwart als Hauptfigur Gil Grissom aus der Erfolgsserie „CSI – Den Tätern auf der Spur“ bekannt, wo er sich ebenfalls mit (fiktiven) Verbrechen befasst. Petersen spielt Graham als einen Mann, der zwar Leistung zeigt und durchaus Gefallen an seinem Job und seinem besonderen Talent für diese Art von Arbeit zeigt, daran aber langfristig zu Grunde geht. Als „Manhunter“ einsetzt und wir Graham im Ruhestand begegnen, lässt Michael Mann keinen Zweifel daran, dass dieser Grund für Will Graham längst erreicht ist.
Der von Produzentenlegende Dino de Laurentiis angegangene Film hätte ursprünglich für eine ganze Reihe von Lecter-Filmen sorgen können, floppte 1986 aber derart an den Kinokassen, dass etwaige Pläne über eine Adaption des nächsten Romans, „Das Schweigen der Lämmer“, schnell zu den Akten gelegt wurden. Erst mit Jonathan Demmes Riesenerfolg aus dem Jahr 1991 bekam Hollywood wieder Lust auf den Kannibalen Lecter. Nachdem Demmes „Schweigen der Lämmer“ mit Jodie Foster und Anthony Hopkins zum Welterfolg wurde, änderte man sogar in den USA den Titel des Films „Manhunter“ um. Doch auch als „Red Dragon: The Pursuit of Hannibal Lecter“ konnte er nicht punkten. Seinen guten Ruf erarbeitete sich „Manhunter“ später auf Video und DVD.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Tom Noonan, Darsteller der Zahnfee, glaubt an spontane Eingebungen beim Schauspiel. Um die Spontaneität seiner Kollegen nutzen zu können, zeigte er sich ihnen beim Dreh von „Manhunter“ erst dann in vollem Outfit, als die Kameras schon liefen. Kameramann und Aufnahmeleiter Dante Spinotti sollte viele Jahre später auch bei der Neuverfilmung des Stoffes unter dem Titel „Roter Drache“ mitarbeiten – in gleicher Position. William L. Petersen lud Tom Noonan Jahrzehnte nach den Dreharbeiten ein, eine Gastrolle in seiner TV-Serie „CSI – Den Tätern auf der Spur“ zu übernehmen. Noonan willigte ein. Frisch zitiert: „Mich interessierte die kindliche Unmoral, die Lecktor [sic] auszeichnete. Obwohl einige Leute wirklich auf die Figur stehen, hatte ich ihn nie als diese Art von Held betrachtet, zu dem er dann schließlich wurde. Damit habe ich noch immer ein Problem. … Der Unterschied zwischen Anthony Hopkins’ Darstellung und meiner liegt darin, dass Tony Hopkins verrückt ist und ich wahnsinnig bin.“ - Brian Cox

Hauptdarsteller

  • Jimmy Price Dan Butler
  • Will Graham William Petersen
  • Beverly Katz Michele Shay
  • Molly Graham Kim Greist
  • Sarah Robin Moseley
  • Reba Joan Allen
  • Dr. Hannibal Lecter Brian Cox
  • Jack Crawford Dennis Farina
  • Freddie Lounds Stephen Lang
  • Francis Dollarhyde Tom Noonan
  • Kevin Graham David Seaman
  • Dr. Chilton Benjamin Hendrickson
  • Geehan Michael Talbott
  • Hauskäuferin Garcelle Beauvais

Film-Crew

  • Regie Michael Mann
  • Drehbuch Michael Mann