
Originaltitel: Panic in Year Zero
USA, 1961
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
Action, Thriller
Harry und Anne Baldwin sind ein typisches amerikanisches Ehepaar des Jahres 1961. Er ist etwas älter als seine Frau, sie leben zusammen in einer Vorstadt mit weißen Gartenzäunen und freundlichen Menschen, zusammen haben sie zwei Kinder. Teenager, die so gar keine Lust haben mit Mum und Dad ein Angel-Wochenende draußen auf dem Land zu verbringen. Allein die Abfahrtzeit: Sechs Uhr morgens. Doch wenn Dad sagt – wir fahren – dann fährt die Familie. Dad ist schließlich der Boss der Familie. So bricht die amerikanische Bilderbuchfamilie auf. Doch kaum haben sie ihre Stadt – Los Angeles – verlassen, erscheint ein weißer Blitz am Firmament und nichts ist mehr, wie es noch Minuten zuvor gewesen ist. Los Angeles wurde das Ziel eines atomaren Angriffs. Nun herrscht Krieg. Harry flieht mit seiner Familie ins Hinterland. Und auf ihrer gemeinsamen Flucht entwickelt Harry eine ihn selbst überraschende Kaltblütigkeit, wenn es darum geht seine Familie zu beschützen.
Samuel Zachary Arkoff ist eine amerikanische Filmlegende der etwas anderen Art. Sein Name steht nicht in großen Lettern auf Plätzen, nach ihm werden keine Straßen benannt und kaum ein Filmemacher würde ihn als Vorbild bezeichnen. Was man nur als bedauerlich bezeichnen kann, denn Samuel Z. Arkoff gründete schließlich die American International Pictures, ein auf B-Pictures spezialisiertes Studio. Wobei American International Pictures streng genommen nicht irgendein Studie gewesen ist. Es war „das“ Studio, wenn es um B-Pictures ging. Arkoffs Filme liefen selten in großen Kinos. Meist wurden sie in Vorortlichtspielhäusern runtergekurbelt oder in Autokinos gezeigt, wo die Handlung das junge Publikum eh nicht interessierte. Doch im Gegensatz zu anderen B-Filmproduzenten legte Arkoff durchaus auf Qualität wert. Roger Corman war sein wichtigster Mann, der junge Jack Nicholson verdiente sich erste Sporen bei Arkoff. Er arbeitete gerne mit Genre-Autoren wie Richard Matheson zusammen, Francis Ford Coppola drehte hier sein Debüt. Viele Filme mögen heute vergessen sein, manche waren sicherlich billig und für den schnellen Filmverzehr gedacht, aber dennoch hatte Arkoff ein Gespür für gute Stoffe. So auch in diesem Fall. 1945 erhielt Ray Milland einen Oscar. Er war ein Star. Doch um das Jahr 1960 herum hatte der britische Schauspieler den Zenit seiner Karriere längst überschritten. Seine letzte große Rolle lag sechs Jahre zurück. 1954 gab er den Schurken in Hitchcocks Meisterstück „Bei Anruf Mord“. Danach folgten nur mehr Fernsehproduktionen, kleine Arbeiten, die seinen Namen verblassen ließen. Das kam Arkoff gelegen, denn so war Milland hungrig, wollte sich kreativ entfalten, war bereit für ein kleines Geld zu arbeiten – wenn er sich dabei künstlerisch einbringen konnte. Also übertrug Arkoff Milland nicht nur die Hauptrolle von „Panik im Jahre Null“, er übergab ihm auch die Regie. Und so inszenierte Milland für ein paar Tausend Dollar „Panik im Jahre Null“, ein Film, den er ganz auf seine Person zuschnitt, in dem er noch einmal zeigen durfte, dass er ein Schauspieler war, der alleine einen Film tragen konnte.
Mögen einige Szenen aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch erscheinen (etwa eine Autobahnszene, während der Milland versucht mit seinem Wagen von einem Nebenweg kommend in den fließenden Verkehr einzufädeln, was ihm aber ob des fließenden Verkehrs misslingt – eines Verkehrs, der allerdings an der Straße, an der er steht, gar nicht vorhanden ist und statt dessen von so genannten Stock-Footage kommt, das zu einer ganz anderen Tageszeit aufgenommen wurde als jener, zu der diese Szene spielt), so ist „Panik im Jahr Null“ dennoch ein guter Film, da Ray Milland akkurates Schauspielerkino abliefert. Er trägt den Film, er hat einige bemerkenswerte Dialoge, er verkörpert einen durch und durch glaubwürdigen Charakter, die Schauspielführung ist der Zeit entsprechend solide, er schafft es als Regisseur mit geringen Mitteln Atmosphäre und Spannung zu erschaffen. Ein Meisterwerk ist „Panik im Jahre Null“ deshalb noch lange nicht, aber ein Film, der Aufmerksamkeit verdient hat.
Es gibt eine Reihe von Originalaufnahmen von Atombombentests. Etwas geschmacklos, aber irgendwie auch passend. Die Synchro ist darüber hinaus etwas lieblos ausgefallen. Sie entstammt der Deutschland-Premiere des Filmes Mitte der 1990-er Jahre auf Kabel 1.