Originaltitel: Psycho III
USA, 1986
Kinostart: 30.10.1986 (FSK: 16)
ca. 93 Min.
Thriller
Eine am Boden zerstörte junge Nonne flieht nach tragischen Ereignissen aus ihrem Kloster und landet in Bates’ Motel, wo Norman Bates nach den Geschehnissen aus dem letzten Film dieser Reihe wieder zu alter Größe herangewachsen ist. Norman findet Gefallen an der Frau, die ihn an sein erstes Opfer Marion Crane erinnert. Zur gleichen Zeit sucht eine Reporterin nach Stoff für eine Reportage über Serienmörder und will den mordenden Hotelier wiederholt aus der Reserve locken.
Robert Bloch war raus aus dem Spiel, und das schon 1982. Als der Autor der Originalvorlage zu Alfred Hitchcocks cineastischen Meisterwerk „Psycho“ schließlich eine Romanfortsetzung folgen ließ und sich in ihr bitterböse über die (nach damaligen Standards) Splatterfilm-Ästhetik einiger Hollywoodthriller beklagte, verspielte er sich in der Traumfabrik jeglichen Kredit; zumindest im Hause Universal, wo die Filmrechte an der Norman-Bates-Saga lagen.
Universal hatte 1983 mit Richard Franklins „Psycho II“ eine eigene Interpretation des weiteren Lebens von Norman Bates präsentiert und damit – nicht zuletzt zu ihrer eigenen großen Überraschung – einen veritablen Hit gelandet. Der Film, der Hitchcocks Original nicht einmal das Wasser reichen konnte, zählte schließlich zu den kommerziell erfolgreichsten seines Jahres – und er hatte Anthony Perkins wieder Freude an einer Figur vermittelt, die er 1960 berühmt gemacht hatte und die zum Muster aller filmischen Serienmörder geworden war. Ohne Norman Bates wäre ein Hannibal Lecter kaum denkbar.
Nach dem unerwarteten Erfolg des Sequels wollte Universal mehr. Was einst ein Kinoklassiker war, hatte sich durch den zweiten Teil plötzlich zum potenziellen Franchise entwickelt – und im Jahrzehnt der originären „Star Wars“-Trilogie wusste ganz Hollywood etwas mit diesem Begriff anzufangen. Bei „Franchise“ wurden Augen zu Dollarzeichen. Selbige sah auch Anthony Perkins, schmiss sämtliche Bedenken über Bord und willigte ein weiteres Mal ein, den Bates zu geben, wenn denn die Kasse stimme. Universal konterte mit dem Angebot des Regiestuhls zusätzlich zur Hauptrolle – und die Sache war abgemacht.
Am 2. Juli 1986 sah Amerika dann erstmals, wie sich Anthony Perkins selbst einen „Psycho“-Film vorstellte: als visuell nicht uninteressantes, primär aber auf das Drama der Hauptfigur konzentriertes Charakterstück mit deutlichen Verneigungen vor der stilistischen Größe des Originals. Der Streifen knüpft recht nahtlos an die Ereignisse und Schauplätze des Vorgängers an (der ja besonders in seiner finalen Phase deutliche Hintertürchen für eine damals noch rein theoretische Fortsetzung offen gelassen hatte), bietet zudem aber auch eine halbwegs beeindruckende Bildästhetik, die mitunter arg ins Kitschige abgleitet. Das Drehbuch von Charles Edward Pogue (Die Fliege, 1986; Dragonheart, 1996) ist ganz akzeptable Kost für Freunde der Reihe, und Perkins Spiel bleibt ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Selbst in der Kopie der Kopie ist sein Norman Bates noch meilenweit von all den anderen Slasher-Nasen des modernen Horrorfilms entfernt: Norman Bates geht dem Zuschauer nah, weil sein Handeln ein Zwang ist, ein inneres Leiden, dem sich Norman Tag für Tag stellen muss, ohne es zu wollen. Es ist ein Trieb, vor dem selbst der Triebtäter Angst hat. Perkins hat diesen Zwiespalt verstanden und dem Publikum allein durch Mimik und Intonation erfahrbar gemacht. Auch in „Psycho III“.
Wussten Sie schon …? Auch Robert Bloch stattete seiner Schöpfung einen dritten Besuch ab, diesmal allerdings lange nach dem dritten Film. „Psycho House“, 1990 bei Tor Books publiziert, spielt zehn Jahre nach dem Tod von Norman Bates und lässt die neue Heldin Amy Haines im zur Touristenattraktion verkommenen Bates Motel auf rätselhafte Geschehnisse stoßen. Doch die örtliche Bevölkerung scheint sich einer Aufklärung der Ereignisse zu widersetzen. Psycho und kein Ende. Als sich auch „Psycho III“ noch recht erfolgreich an den Kinokassen schlug (wenn auch qualitativ kein Vergleich mehr zum Original gerechtfertigt war), wollte das TV-Network NBC am Hype mitkassieren und entwickelte das Konzept für eine TV-Serie zu den Filmen. In ihr sollte Normans frisch erfundener Zellengenosse aus der Irrenanstalt, Alex West, Bates Motel erben. „Bates Motel“ war denn auch der Name der anvisierten Serie, von welcher sogar ein Pilotfilm gedreht und erfolg- und folgenlos ausgestrahlt wurde (mit Bud Cort aus „Harold und Maude“ als Alex und Perkins’ altem Stuntdouble als Norman Bates; Perkins selbst hatte – in Anbetracht des Todes seiner Figur im Rahmen von „Bates Motel“ – eine Teilnahme dankend abgelehnt). In weiteren TV-Serien war aber zumindest die Kulisse aus „Psycho II“ gut im Geschäft: Sowohl „Airwolf“ als auch „Amazing Stories“ drehten Mitte der 1980er in Bates Wohnanlagen, die übrigens für jeden Kinostreifen neu errichtet wurden. Frisch zitiert: „Der Film wurde von Perkins inszeniert und ist dessen Debüt als Filmemacher. Ich war überrascht, wie gut er arbeitet. Jeder Film dieses Namens wird mit Hitchcocks Original verglichen werden, aber Perkins ist kein Nachmacher. Er hat seine eigenen Ziele. Er hat all die Jahre mit Norman Bates gelebt und eigene Ideen für ihn. Und obwohl der Film Norman nicht entschuldigt, empfindet er doch Mitleid. Zum ersten Mal erkannte ich, dass der wahre Schrecken in den Psycho-Filmen nicht in dem liegt, was Norman macht – sondern in der Tatsache, dass er es machen muss.“ – Roger Ebert