Space-View Filmguide: Der rote Kreis

Der rote Kreis

Fakten

Originaltitel: Der Rote Kreis
Deutschland, 1959
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 92 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

In London treibt der so genannte „Rote Kreis“, ein skrupelloser Verbrecher, sein Unwesen. Er fordert von seinen Opfern hohe Summen für ihr Leben – und wenn sie nicht zahlen, ist es um sie geschehen. Sir Archibald Morton, Chef von Scotland Yard, heuert den Privatdetektiv Derrick Yale an, um die ermittelnden Beamten – Inspektor Parr und seinen Assistenten Haggett – zu unterstützten. Die Spur führt über verschiedene Opfer und Verdächtige zu einem Charles Henry Lightman, der einst in Toulouse hingerichtet werden sollte, aber überlebte, zu lebenslanger Haft begnadigt wurde und schließlich fliehen konnte. Doch unter welchem Namen lebt er heute?

Review

Schon vor dem bemerkenswerten Erfolg des ersten Wallace-Films war der zweite Streich beschlossene Sache. Allerdings wollte man mit einem anderen Regisseur und einem zum größten Teil ausgetauschten Ensemble arbeiten. Die Wahl fiel auf den im Gegensatz zu seinem Vorgänger Harald Reinl im Krimigenre versierten Fernsehregisseur Jürgen Roland, der mit der Serie „Stahlnetz“ Bekanntheit erlangt hatte und hier nun sein Spielfilmdebüt geben sollte.
Der brachte nicht nur seinen Hausautor Wolfgang Menge mit, der das von Egon Eis unter dem Pseudonym Trygve Larsen geschriebene Drehbuch noch einmal kräftig aufpolierte, Roland setzte auch eine ganze Reihe Schauspielerforderungen durch. Renate Ewert (als nicht ganz gesetzestreue Sekretärin Thalia Drummond), Karl-Georg Saebisch (als Inspektor Parr) und Klausjürgen Wussow (als aufgeweckter Derrick Yale) sollen auf seiner Wunschliste gestanden haben, Wünsche, die ihm die Constantin gerne erfüllte, denn – so der Gedanke – wenn Reinl einen so guten Wallace-Film hatte inszenieren können, was für ein Meisterwerk würde dann unter der Hand des im Genre versierten Roland entstehen?
Nur Eddi Arent wollte man dem Regisseur nicht gewähren. Auf Nachfrage soll ihm Constantins Chefdramaturg Hanns Billian eröffnet haben, dass Herr Arent weder für diesen noch für zukünftige Wallace-Filme zur Verfügung stehen würde. Roland machte daraufhin seine Teilnahme von der erneuten Besetzung Eddi Arents abhängig, und zum Glück für alle Wallace-Fans kam er damit durch und der Mann, der im Laufe der Jahre mit seinen oft schrägen Figuren in gewisser Weise zum Markenzeichen der Krimireihe werden sollte, wurde erneut engagiert.
Der zweite Wallace-Film der Nachkriegszeit, der auf dem Roman „The Crimson Circle“ aus dem Jahr 1922 basiert, wurde von Rialto Film Preben Philipsen im Palladium Atelier in Kopenhagen/Hellerup realisiert. Die Außenaufnahmen entstanden ebenfalls direkt in der dänischen Hauptstadt. Diverse London-Szenen wurden aus dem Archiv der Vorgängerproduktion, „Der Frosch mit der Maske“, genommen.
Der große Erfolg des Films, der dazu führen sollte, dass die Constantin einen umfangreichen Deal mit Penelope Wallace, der Nachlassverwalterin des Wallace-Erbes, einging, wird zum großen Teil Wolfgang Menges geschickt konstruierter Geschichte zugeschrieben. Und natürlich tragen auch die Darsteller, die eine ausgewogene Mischung aus eingängigen Charakteren und schrägen Typen mimen, ihren Teil dazu bei. Vor allem Klaus-Georg Saebisch brilliert als handfester Inspektor Parr, der vor seiner Pensionierung noch diesen einen Fall lösen will. Er tritt erfolgreich in die Fußstapfen von Siegfried Lowitz’Kriminalisten aus „Der Frosch mit der Maske“, war aber – im Gegensatz zu Letzterem – leider kein zweites Mal in einem Wallace-Film zu sehen.
Auch Fritz Rasp als der undurchsichtige Froyant, der Nachbar des vom Roten Kreis bedrohten Mr. Beardmore, dessen Rolle durch Menge deutlich erweitert wurde, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Seine mal düster-bedrohliche, mal aristokratisch-strenge Präsenz sollte noch manchen Wallace-Film zieren. Eddi Arent ist unterdessen als der kuriose Sergeant Haggett zu sehen, Klausjürgen Wussow gibt den hilfreichen Detektiv und Renate Ewert und Thomas Alder, die übrigens beide viel zu früh (1966 und 1968) zu Tode kommen sollten, spielen ein in die Ereignisse verstricktes Liebespaar.
Ein gewiefter Einfall der Filmemacher war es sicher, Friedrich Schütter als „Double“ des Roten Kreises zu engagieren, sodass man den tatsächlichen Täter nicht schon zu früh an dessen Stimme erkennen kann. So bleiben die Spannung und die überraschende Auflösung bis zum Schluss gewahrt.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Um sich für eine Szene vorzubereiten und sein Kostüm zu testen, spazierte Eddi Arent als Bettler verkleidet durch Kopenhagen. Bei einem Bäcker und einem Fleischer wurde er verscheucht, dann drückte ihm sogar eine alte Frau eine Münze in die Hand. Weil er ein schlechtes Gewissen hatte und es zudem für gute Publicity hielt, ließ er sein Bild mit der Geschichte in der Zeitung veröffentlichen und versprach der Frau 100 Kronen Belohnung, wenn sie sich melden würde. Er blieb allerdings auf dem Geld sitzen. In der Episode „E-605“ der Krimiserie „Stahlnetz“ wartet Wolfgang Völz als Kriminalbeamter vor einem Kaufhaus auf einen Informanten. Aus einer Bücherkiste fischt er den Wallace-Krimi „Der Rote Kreis“. Und wer führte Regie bei der Folge? Natürlich Jürgen Roland. Im Gegenzug sorgte Jürgen Roland im Wallace-Film für einen „Stahlnetz“-Verweis: Statt der Montage Londoner Wahrzeichen, die der Titelsequenz unterlegt werden sollte, ist nun ein Stahlnetz zu sehen!

Hauptdarsteller

  • Thalia Drummond Renate Ewert
  • Derrick Yale Klausjürgen Wussow
  • Inspeltor Parr Karl-Georg Saebisch
  • Jack Beardmore Thomas Alder
  • Sir Archibald Morton Ernst Fritz Fürbringer
  • Mrs. Carlyle Erica Beer
  • Froyant Fritz Rasp
  • Sergant Haggett Eddi Arent
  • Lady Doringham Edith Mill
  • Osborne Ulrich Beiger
  • Marles Richard Lauffen
  • Brabazon Heinz Klevenow
  • Mr. Beardmore Alfred Schlageter
  • Sergant Johnson Alberta Watson
  • Polizist Jürgen Roland

Film-Crew

  • Regie Jürgen Roland
  • Drehbuch Egon Eis
  • Drehbuch Wolfgang Menge