Space-View Filmguide: Der Rächer

Der Rächer

Fakten

Originaltitel: Der Rächer
Deutschland, 1960
Kinostart: unbekannt (FSK: unbekannt)
ca. 99 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Michael Brixan, der im Auftrag des britischen Geheimdienstes nach einem irren Massenmörder fahndet, welcher im Akkord Köpfe rollen lässt. Dabei geht der so genannte „Rächer“ durchaus methodisch vor: Alle seine Opfer hatten Dreck am Stecken. Brixans Spur führt ins Filmmilieu, wo er auf die eitle Schauspielerin Stelle Mendoza, den undurchsichtigen Dramaturgen Lorenz Voss und den vierschrötigen Schlossbesitzer Sir Gregory Penn und dessen viehischen Diener Bhag trifft. Kennt einer von ihnen die wahre Identität des Rächers? Auf Brixan wartet eine Menge Ermittlungsarbeit – und die hübsche Komparsin Ruth Sanders.

Review

Auf die Frage, ob er die komplizierte Handlung seines Romans „The Avenger“ (von 1926) selbst verstehe, soll Edgar Wallace einst mit einem Augenzwinkern erwidert haben: „Gewiss. Wenn ich laut lese und mir aufmerksam zuhöre.“ Diese Vorgehensweise hätte man wohl auch den Machern von „Der Rächer“ nahe legen sollen, denn obwohl der Krimi nach Aussage des Autors zu seinen erfolgreichsten Werken gehört, gelang es Produzent Kurt Ulrich, Regisseur Karl Anton und Drehbuchautor Gustav Kampendonk mitnichten, die Vorlage zu einem spannenden Film zu adaptieren. Das mag vor allem zweierlei geschuldet sein: Zum einen engagierte Ulrich, der nach dem immensen Erfolg der Rialto-Wallace-Filme sich mit seiner Kurt Ulrich Film GmbH auch ein Stück vom Kuchen zu sichern gedachte, mit Anton und Kampendonk zwei Mitarbeiter, die im Genre des Unterhaltungsfilms zwar höchst versiert waren, von Kriminalfilmen allerdings keine Ahnung hatten. Zum zweiten hatte sich Ulrich in den Kopf gesetzt, auf Teufel komm raus vor der nächsten Rialto-Produktion „Die Bande des Schreckens“ in die Kinos zu kommen, sodass der Film unter unglaublichem Zeitdruck binnen drei Wochen (vom 31. Mai bis 20. Juni) heruntergekurbelt werden musste. Und das sieht man ihm auch an.
Der dritte Fehler von Ulrich – sich nicht mit dem Constantin-Filmverleih zu einigen, sondern stattdessen bei ARRI Film in München zu drehen und das fertige Werk von Europa Film verleihen zu lassen – dürfte sich im Nachhinein als Glücksfall für die Fans erwiesen haben. Denn durch den Zwist war es Ulrich nicht möglich, bereits arrivierte Wallace-Darsteller ins Ensemble zu nehmen, sodass er sich nach neuen Gesichtern umschauen musste. Also kamen Heinz Drache als Michael Brixan, Klaus Kinski als Lorenz Voss und Siegfried Schürenberg als Major Staines zu ihrem ersten Auftritt in einem Wallace-Film – später sollten sie die Filmreihe als Inspektor, Schurke und Scotland-Yard-Chef prägen und noch vier Mal gemeinsam vor die Kamera treten (in „Die Tür mit den 7 Schlössern“, „Der Zinker“, „Das indische Tuch“ und „Neues vom Hexer).
Auch Ingrid van Bergen (Stella Mendoza), Rainer Brandt (ihr Kollege Reggie Conolly), Rainer Penkert (der Kameramann der fiktiven Filmcrew), Friedrich Schoenfelder (Regisseur Jack Jackson), Maria Litto (eine Tänzerin) und Albert Bessler (ein Zeitungsmann) sollten später in anderen Wallace-Filmen auf die große Leinwand zurückkehren.
Obwohl der Film ziemlich harsche Kritiken einfuhr, legte er im August 1960 einen recht ordentlichen Kinostart hin – das Publikum war einfach im Wallace-Fieber. Als jedoch kurz darauf „Die Bande des Schreckens“ von Rialto in die Kinos kam, war es für den „Rächer“ vorbei. Gegen den handwerklich eindeutig besseren Film hatte er keine Chance. Und die angepeilten fünf Millionen Besucher, die Ulrich der Presse noch vor der Premiere prophezeit hatte, wurden natürlich nicht einmal ansatzweise erreicht.
Doch selbst wenn der Film qualitativ irgendwo am unteren Ende der Hitlisten der Fans rangiert, gebührt ihm immer noch Dank dafür, dass er die Darstellerriege der späteren Edgar-Wallace-Produktionen um ein paar großartige Schauspieler, allen voran Drache und Kinski, erweitert hat.

Wissenswertes

Für Karl Anton war „Der Rächer“ die letzte Regiearbeit. Der Regisseur hatte sich seit Mitte der 1930er einen Namen als Lustspiel-Regisseur gemacht. Unter anderem entstanden „Peter Voss, der Millionendieb“ (1945), „Bonjour, Kathrin“ (1956) und „Viktor und Viktoria“ (1957) unter seiner Regie.Nicht nur Produzent Kurt Ulrich hatte sich gleich zu Beginn der Wallace-Mania sein Stück vom Kuchen gesichert, auch der rührige Filmemacher Arthur Brauner ging kurz darauf mit einem eigenen Wallace-Streifen – hier allerdings in Zusammenarbeit mit der Constantin – in Produktion: „Der Fluch der gelben Schlange“, der im Februar 1963 in die Kinos kommen sollte. Frisch zitiert „Aus heutiger Sicht ist es schade, dass man gleichsam aus einer Sahnetorte nur ein vertrocknetes Stück Kuchen machte. Hätte man nicht so übereilig produziert, wäre man an die Produktion sorgfältiger herangegangen – es hätte ein Wallace-Meisterwerk entstehen können. So wurde nur ein lahmer Krimi daraus, der noch hinter dem schlechtesten Rialto-Wallace-Film rangierte.“ – Joachim Kramp in „Hallo! Hier spricht Edgar Wallace“ „Irgendwo im Keller köpft ein Mann, am laufenden Band, Menschen. Auch der Regisseur Karl Anton verliert bei dieser Gruselgeschichte den Kopf, denn er hätte diesen verrückten Spuk nur als Groteske herausbringen können, doch dazu fehlt im der makabere Humor.“ – Der Tag, Berlin, 28.08.1960 „Krimi-Spannung wird von jedem Halbstarken, der mit seinem Moped um die Ecke fährt, besser dargestellt.“ – Abendpost, Frankfurt, 11.08.1960

Hauptdarsteller

  • Michael Brixan Heinz Drache
  • Stella Mendoza Ingrid van Bergen
  • Sir Gregory Penn Benno Sterzenbach
  • Ruth Sanders Ina Duscha
  • Henry Longvale Ludwig Linkmann
  • Major Staines Siegfried Schürenberg
  • Lorenz Voss Klaus Kinski
  • Reggie Conolly Rainer Brandt
  • Jack Jackson Friedrich Schoenfelder

Film-Crew

  • Regie Karl Anton
  • Drehbuch Gustav Kampendonk
  • Drehbuch Rudolf Katscher