Space-View Filmguide: Das Rätsel der roten Orchidee

Das Rätsel der roten Orchidee

Fakten

Originaltitel: Das Rätsel der roten Orchidee
Deutschland, 1961
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 84 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

In London treiben skrupellose Ganoven ihr Unwesen und erpressen schwerreiche Bürger. Jeder, der sich weigert, Schutzgeld zu zahlen, stirbt. Inspektor Weston wendet sich an Captain Allerman vom FBI, weil er sich an Gangstermethoden aus Chicago erinnert fühlt. Der erfahrene Polizeimann aus den USA erkennt schnell bekannte Muster. Zwei rivalisierende Banden sind dabei, ihr Beschäftigungsfeld von Amerika auf England auszuweiten. Alle Opfer der Verbrecher hatten ein Konto bei derselben Bank. Und beschäftigten denselben Butler. Gegen Ende müssen die Beamten erkennen, dass zwei enttarnte Banden nicht genug sind, um den Fall zu lösen.

Review

In der Chronologie der Edgar-Wallace-Filmreihe folgte „Das Rätsel der roten Orchidee“ auf „Die seltsame Gräfin“. Im Produktionsplan war eigentlich „Die Tür mit den 7 Schlössern“ vorgesehen gewesen, doch Produzent Horst Wendlandt hatte das entsprechende Drehbuch in der damaligen Fassung nicht zur Verfilmung freigegeben. Also hatte man sich einem anderen Stoff zugewendet. Die Wahl war auf „Gangster in London“ gefallen, ein Drehbuch, das der unter dem Pseudonym Trygve Larsen arbeitende Egon Eis zusammen mit Gerhard F. Hummel als Piet ter Ulen nach dem Roman „When The Gangs Came To London“ von Edgar Wallace verfasst hatte.
Der Film wurde im Real-Film Studio in Hamburg-Wandsbek gedreht. Unklarheit herrscht darüber, ob Außenaufnahmen des Films tatsächlich vor Ort in London stattfanden. Manche Quellen behaupten dies. Andere wiederum zitieren den österreichischen Regisseur des Films, Helmuth Ashley: „Wir haben nicht einen Meter Film in England gedreht.“ Eine Aussage, die Schauspieler Eddi Arent und Kameramann Franz Xaver Lederle bestätigt haben sollen.
Der Film vereinte Altbewährtes und Neues. Vertraute „Wallace-Stars“ wie Eddi Arent, Klaus Kinski, Hans Paetsch und Fritz Rasp teilten sich die Leinwand mit Neulingen wie Adrian Hoven, Marisa Mell, Eric Pohlmann, Wolfgang Büttner, Christiane Nielsen und Pinkas Braun. Für Fritz Rasp war es der letzte Auftritt in einem Wallace-Film.
Die Besetzung des FBI-Mannes Allerman war ein Clou. Für die tragende Rolle konnte der britische Schauspieler Christopher Lee, Ikone des Horror- und des Gruselfilms, gewonnen werden. „Das Rätsel der roten Orchidee“ war nicht der einzige Edgar Wallace-Film, in dem Lee auftrat, und auch nicht der erste. Zuvor hatte er schon bei „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ mitgewirkt.
Eine Verbindung zu diesem Film stellt auch die auffällige Titelanalogie her. Nach gelben Narzissen ließ die rote Orchidee nicht lange auf sich warten. Tatsächlich berief man sich auf den Erfolg des vorangegangenen „Blumen-Films“, als man vor Kinostart beschloss „Gangster in London“ in „Das Rätsel der roten Orchidee“ umzubenennen. Orchideen tauchen im Film auf, doch sind sie weniger handlungstragend als der wohlklingende Titel vermuten lässt.
Womöglich reflektiert der Titel auch schon den erklärten satirischen Unterton der Gesamtproduktion. Nach eigenem Bekunden und in Absprache mit dem Erstverleih drehte Helmuth Ashley den Film nämlich als Persiflage. Anstelle von Grusel sollte Komik das vorherrschende zweite Element neben der Kriminalthematik sein.
Wenn man aber den Täter von der ersten Minute an seiner Stimme erkennt, alle Gangster sich durch ihre schwarzen Anzüge verraten und mit dem Zufall als Erklärung von sonderbaren Begebenheiten spannende Verdachtsmomente ausgehebelt werden, bleibt zweifelhaft, ob der richtige Ansatz gefunden wurde.
Handwerklich ist dem Film nichts vorzuwerfen. Als ehemaliger Kameramann sind Helmuth Ashley die Tricks der Optik bekannt, die besonders im Kriminalfilm wirksam eingesetzt werden können. Im effektvollen Spiel mit Licht und Schatten hat er einen temporeichen Kriminalfilm inszeniert, der allerdings dem augenzwinkernden Humor den Vortritt vor der Spannung gibt.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Der amerikanische Agent Allerman tritt als „Captain“ vom FBI auf, doch diesen Dienstgrad gibt es beim FBI in Wirklichkeit gar nicht. Beim ersten Auftritt von Christiane Nielsen in der Rolle der Cora Minelli liest sie den Edgar-Wallace-Roman „Die toten Augen von London“. Das Buch wurde 1961 verfilmt. Frisch zitiert: „Der einzig bittere Vorfall dieses Jahres ereignete sich bei der rein deutschen Edgar-Wallace-Produktion ‚Das Rätsel der roten Orchidee’. Ich spielte einen FBI Agenten auf der Jagd nach Verbrechern, die von Amerika nach London gezogen waren, und geriet offen mit dem Regisseur aneinander – obwohl ich mir geschworen hatte, dies niemals mit irgendeinem Regisseur zu tun –, weil er sich wie ein Überbleibsel des totalitären Staates aufführte. Außerdem kritisierte er meinen amerikanisch-deutschen Akzent.“ – Christopher Lee erinnert sich in seiner Biographie „Christopher Lee ließ die anderen verstehen, daß der Film nichts Besonderes, unter seiner Würde, sei. Das schöne Geld hat er aber kassiert. Ich habe etwas gegen Leute, die die Hand aufhalten und dann nicht zu dem stehen, was sie tun, und das habe ich ihn spüren lassen. Egal was er tat, ich habe ihn einfach links liegen lassen. Ehrfurcht hatte ich nur vor dem großen Fritz Rasp, und meine zwei Lieblinge waren Eddi Arent und Pinkas Braun.“ – Helmuth Ashley erinnert sich auch – in Christos Tses: "Der Hexer, der Zinker und andere Mörder. Hinter den Kulissen der Edgar-Wallace-Filme.“

Hauptdarsteller

  • Captain Allerman Christopher Lee
  • Inspector Weston Adrian Hoven
  • Lilian Ranger Marisa Mell
  • Edwin Pinkas Braun
  • Cora Minelli Christiane Nielsen
  • Kerkie Minelli Eric Pohlmann
  • Tanner Fritz Rasp
  • Chefinspektor Tetley Wolfgang Büttner
  • Oberst Drood Herbert A.E. Böhme
  • Mr. Shelby Günther Jerschke
  • Mrs. Moore Sigrid von Richthofen
  • Lord Arlington Hans Paetsch
  • Babyface Edgar Wenzel
  • Steve Klaus Kinski
  • Parker Eddi Arent

Film-Crew

  • Regie Helmut Ashley
  • Drehbuch Egon Eis