Space-View Filmguide: Das Rätsel des silbernen Dreieck

Das Rätsel des silbernen Dreieck

Fakten

Originaltitel: Circus of Fear
Deutschland, Großbritannien, 1966
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 90 Min.

Genre

Mystery, Thriller

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Kurzübersicht

Ein großer Gelddiebstahl führt Inspektor Elliot ins Zirkusleben. Nachdem Unbekannte einen Geldtransporter überfallen und einen Wachmann getötet haben, wird einer von ihnen im Zirkus Barberini mit einem Messerwurf getötet. Elliot folgt der Spur und landet ebenfalls bei Barberinis Truppe, wo er das Hauptquartier der Banditen vermutet. Je mehr sich der Ermittler in die Beziehungen der Artisten und Schausteller einmischt, desto deutlicher bekommt er ein von Intrigen gezeichnetes Bild präsentiert. Welche Rolle spielt Natascha, die um ihr Leben fürchtet? Wie passt Vize-Impressario Carl ins Bild, den der Hass auf den Mörder seines Vaters zerfrisst? Und steckt wirklich der Messerwerfer Mario hinter dem toten Banditen?

Review

Wenn der Dativ wirklich dem Genitiv sein Tod ist, so dürfte Letztgenannter bereits Mitte der 1960er Jahre dahingeschieden sein. Wie sonst lässt sich das schmerzlich fehlende Genitiv-s im deutschen Filmtitel erklären. Unvorstellbar, dass niemand bei der renommierten Constantin einen Duden zur Hand gehabt haben soll.
„Das Rätsel des silbernen Dreieck“ (aua) basiert sehr lose auf Edgar Wallaces erstem Kriminalroman „Die vier Gerechten“ (The Four Just Men, erschienen 1905). Das Buch war der Grundstein für Wallaces spätere Karriere als weltbekannter Autor von Spannungsromanen, sorgte aber beinahe für eine finanzielle Katastrophe. In seinem jugendlichen Leichtsinn hatte der Autor bei Erscheinen des Romans nämlich verkünden lassen, er werde jedem Leser, der von selbst auf die Identität des Bösewichts der Geschichte komme, die stolze Summe von 500 Pfund auszahlen. Dies ließen sich die Leser nicht zweimal sagen. Das Buch wurde ein kommerzieller Erfolg, doch je mehr Leser sich fanden, desto mehr Leser errieten auch die Auflösung der Geschichte. Im Nu war Edgar Wallace so arm wie eine Kirchenmaus. Einzig der finanziellen Unterstützung Lord Harmworths von der Zeitung „Daily Mail“ war es zu verdanken, dass der Autor und Eigenverleger diese peinliche Lage halbwegs unbeschadet überstand und weiter arbeiten konnte.
Der atmosphärisch dichte, wenn auch ein wenig konfus konstruierte Film zum Buch wurde von der britischen Towers-of-London-Produktionsfirma unter der Leitung von Harry Alan Towers für die deutsche Constantin hergestellt, welche auch zahlreiche ihrer geschulten Wallace-Darsteller in die britische Metropole entlieh. Towers, der unter dem Pseudonym Peter Welbeck auch selbst das Drehbuch verfasste, lieferte eine anständige Arbeit ab. Er kannte sich mit Wallace aus, waren doch schon die beiden letzten Filme dieser Reihe, an denen er beteiligt war („Todestrommeln am großen Fluss“, 1963; „Sanders und das Schiff des Todes“, 1964) kommerzielle Erfolge gewesen. In der Tat war man beim deutschen Verleih so mit Towers Arbeiten zufrieden, dass beide Parteien nach 1965 eine weitere Filmserie starteten. Mit „Ich, Dr. Fu Manchu“ („The Face of Fu Manchu“) begann eine Gruselfilmreihe mit Christopher Lee in der Titelrolle, sowie vielen weiteren bekannten Darstellern aus den Wallace-Streifen.
Der Verweis auf Edgar Wallace ist beim „Dreieck“ noch ein wenig fadenscheiniger, als bei so mancher anderen Produktion, die zu den Wallace-Filmen gezählt wurde. Die Fachliteratur suggeriert nämlich, dass „Circus of Fear“, so der englische Originaltitel, quasi posthum zu einem Werk der Wallace-Reihe gemacht wurde, also nach Drehschluss für den deutschen Markt die gängigen Titel verpasst bekam.
Mit dem „silbernen Dreieck“ gelang Towers und seinem Regisseur John Moxey (der in der deutschen Kinofassung als Regisseur angegebene Werner Jacobs war faktisch nur ein Berater der Produktion) ein ansehnliches Kapitel der Wallace-Filme. Die Logik und Stringenz der Geschichte könnten zwar ein oder zwei Wendungen weniger vertragen und verursachen aus heutiger Sicht mitunter schon unfreiwillig komische Seifenoper-Momente, doch überzeugt der Film insgesamt gesehen durch einen gelungenen Spannungsaufbau und eine Reihe von wirklich unvorhersehbaren Enthüllungen bis zum Schluss. Dauer-Nebenrollenstar Leo Glenn, dem deutschen Publikum der Zeit just aus „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ vertraut, glänzte in der Rolle des mutigen Inspektors, und Heinz Drache durfte nach seiner „Schmach“ namens „Neues vom Hexer“ auch wieder in einem Wallace mitwirken.
Auch die Nachbetrachtungen der Produktion sind interessant. So wurden in Deutschland und England verschiedene Schnittfassungen des Filmes aufgeführt, außerdem wurde in Farbe gedreht – für die deutsche Verwertung nutzte man allerdings eine Schwarzweiß-Fassung. Warum? Dem Verleih lag 1966 nur eine s/w-Kopie für die Synchronisation vor, was auch genügte. Als man zum Kinostart aber eine neue Farbkopie aus England orderte, musste man feststellen, dass die Engländer für ihre eigene Schnittfassung des Filmes das Originalnegativ zerschnitten hatten. Der Constantin blieb nichts anderes übrig, als die s/w-Fassung in die Kinos zu bringen, sofern man nicht ebenfalls den englischen Schnitt verwenden wollte.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Auch in den USA lief dieser Film, wenn auch unter dem Titel „Psycho-Circus“ in den Kinos. Allerdings wurde auch hier die Schere angesetzt und eine neue Schnittfassung erstellt, diesmal von nicht viel mehr als einer Stunde Laufzeit.

Hauptdarsteller

  • Gregor Christopher Lee
  • Elliott Leo Genn
  • Barberini Anthony Newlands
  • Carl Heinz Drache
  • Eddie Eddi Arent
  • Manfred Klaus Kinski
  • Gina Margaret Lee
  • Natasha Suzy Kendall
  • Sir John Cecil Parker
  • Mason Victor Maddern
  • Mario Maurice Kaufmann

Film-Crew

  • Regie John Llewellyn Moxey
  • Drehbuch Harry Alan Towers