
Originaltitel: Replicant
USA, 2000
Kinostart: unbekannt (FSK: 18)
ca. 95 Min.
Action, Science Fiction, Thriller
Die Geschichte: Der Polizist Jake Riley (Michael Rooker) führt seit vielen Jahren einen verzweifelten Kampf gegen einen mysteriösen Serienkiller, der ausschließlich allein erziehende junge Mütter ermordet, bei all seinen Taten jedoch penibel darauf achtet, dass den Kindern nichts geschieht. Eines Tages wird Riley von Geheimdienstagenten in ein von der Außenwelt hermetisch abgeriegeltes Labor eingeladen. Riley kann nicht fassen, was er dort zu sehen bekommt: In einer Art Gebärmutter reift ein erwachsener Mann heran. Es ist ein Replicant, erschaffen aus einem Haar eben jenes Killers, den Riley seit vielen Jahren erfolglos jagt. Der Replicant hat das Wesen eines Kindes, in ihm leben jedoch die Erinnerungen des Mörders. An dem Killer selbst hat der Geheimdienst kein Interesse. Der Fall wurde nach einem Zufallsprinzip als Testlauf für ihr Projekt ausgewählt. Riley, von seinem Hass auf den Killer zerfressen, würde alles tun, um diesen zu fassen. Er hinterfragt die Absichten des Experimentes nicht, sondern übernimmt die Verantwortung für den kindlich wirkenden Klon und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Voller Verachtung behandelt er die Kopie, ohne in ihm einen Menschen zu sehen. Bis ihm klar wird, dass jeder Mensch ein Individuum ist. Der Klon mag äußerlich eine Kopie des Killers darstellen, doch es liegt allein in Jakes Händen, ob der Replicant ein Killer wird – oder ein normaler Mensch mit allen Stärken und Schwächen, die ihn als Individuum definieren.
In Südostasien genießt der Name von Regisseur Ringo Lam einen ebenso guten Ruf wie der von John Woo und Tsui Hark. Wo Woo der große Künstler ist und Hark der Phantast, ist Lam der geradlinige Handwerker. Schnörkellos und geradlinig sind seine Filme, nicht eine Szene ist zu viel, auf visuelle Spielereien verzichtet Lam ebenso wie auf überflüssige Dialoge. Nach der Übergabe Hongkongs an China kehrten die meisten Regisseure der einstigen Kronkolonie den Rücken zu und gingen nach Hollywood. Dort drehte Lam mit Jean-Claude van Damme „Maximum Risk“, doch nach diesem Dreh kehrte er frustriert in seine Heimat zurück. Leider ist kaum einer der Filme, die er seither inszeniert hat, bislang in Deutschland erschienen, obwohl alle in Südostasien Hits gewesen sind.
Eigentlich wollte Lam nie wieder in den USA arbeiten. Frustriert sei er von den dortigen Produktionsverhältnissen gewesen, hat er in nicht nur einem Interview gesagt. Und auch über Jean-Claude van Damme hat er nicht viel Gutes zu berichten. Dass Lam nun doch in die USA zurückgekehrt ist, kann man durchaus verstehen. Obwohl er in Hongkong ein Star ist, ist er doch nur ein Regisseur. Als solcher verdient er sicher nicht schlecht, dennoch ist in den USA ganz einfach mehr Geld zu verdienen. Selbst mit B-Filmen wie „Replicant“. Was viele Freunde des Hongkong-Regisseurs umhauen wird, ist die Tatsache, dass in „Replicant“ niemand anderes als Jean-Claude van Damme die Hauptrolle spielt, eben jener Ex-Star, der unter anderem dafür gesorgt hat, dass Lam frustriert in seine Heimat zurückgekehrt ist!
Zugegeben: Die Geschichte hat Schwächen. Allein die Selbstverständlichkeit, mit der Jake in ein solch geheimes Projekt involviert wird, ist alles andere als plausibel erklärt. Ebenso wie die Tatsache, dass offenbar niemandem aufgefallen ist, dass der Klon zumindest äußerlich eine perfekte Kopie des Killers darstellt und somit in diesem Moment das Aussehen des Killers als bekannt vorausgesetzt werden kann. Der Film leidet unter Schwächen wie dieser.
Auf der Positivliste aber sind vor allem Michael Rooker und die Inszenierung Ringo Lams zu vermerken. Rooker, der seinen Durchbruch dem umstrittenen Thriller „Henry – Portrait of a Serial Killer“ verdankt, ansonsten aber das Schicksal ereilt hat, in großen Filmen stets nur den Freund des Helden spielen zu dürfen (wie in „Cliffhanger“), füllt allein mit seiner Präsenz ein jedes Bild des Filmes aus. Mag das Cover auch groß mit van Damme werben, ist Rooker doch der eigentliche Hauptdarsteller des Filmes. Schließlich entdeckt seine Figur in dem Klon nicht nur ein Individuum, er findet vielmehr seine eigene Menschlichkeit wieder, die er vor langer Zeit verloren hat.
Auf der anderen Seite steht Ringo Lams geradlinige Inszenierung. Seit „Matrix“ hat der amerikanische Actionfilm eine stetige Demontage durch untalentierte Regisseure erhalten, die den Geist von „Matrix“ nicht verstanden haben. Die Action-Spezialeffekte von „Matrix“, zum Beispiel die Fahrt um einen in der Luft stehenden Körper, waren stets Teil der Geschichte. Sehen wir ähnliche Effekte in Filmen wie „Drei Engel für Charlie“, haben sie null Wert. Sie mögen gut aussehen, aber was soll mit diesen Effekten ausgesagt werden? Action ist zu einem erschreckenden Selbstzweck verkommen, der das Genre „versifft“ hat. „Replicant“ ist ein Schritt zurück zu den Wurzeln des guten B-Actionfilms. Seine Action ist hart, aber sie ist ein Teil der Geschichte. In keiner Verfolgungsjagd, in keinem Kampf ist auch nur ein Bild zu viel. Was die Action betrifft, ist „Replicant“ ein Musterbeispiel für einen schnörkellos inszenierten Actionfilm, wie man ihn heutzutage leider nur noch selten zu sehen bekommt. Und was ist mit Jean-Claude van Damme? Der macht seine Sache alles in allem gut, wobei er in der Rolle des Killers letztendlich die besseren Szenen bekommt. Doch dass der Bösewicht eine interessantere Figur ist als der Held, soll auch schon in anderen Actionfilmen zu sehen gewesen sein.