
Originaltitel: Red Dragon
USA, 2002
Kinostart: 31.10.2002 (FSK: 16)
ca. 124 Min.
Horror, Thriller
Lector, ein angesehener Psychologe und Berater des FBI-Agenten Will Graham, wird durch einen Zufall überführt. Einen Zufall, der Will fast das Leben kostet. Doch Graham überlebt und zieht sich aus dem aktiven Dienst zurück. Bis ein Killer (Ralph Fiennes), von den Zeitungen „die Zahnfee“ genannt, in zwei Städten zwei Familien abschlachtet. Und er wird ein drittes Mal zuschlagen. Um dies zu verhindern, kehrt Graham in den Polizeidienst zurück. Der einzige Mensch aber, mit dem er die Fakten besprechen kann, ist ausgerechnet der Mann, der ihn töten wollte: Hannibal Lector.
„Roter Drache“ ist der dritte Hannibal-Lector-Film mit Anthony Hopkins nach „Das Schweigen der Lämmer“ und „Hannibal“. Gleichzeitig ist der Film ein Remake des Thrillers „Man Hunter“ von Michael Mann aus dem Jahre 1986. Im Reigen der offiziellen Reihe ist dieser Film der beste. Ist „Das Schweigen der Lämmer“ eine brillante Charakterstudie mit einem eher enttäuschenden Kriminalplot, ist „Hannibal“ ein Bilderrausch mit starken Schockmomenten, aber schwachen Charakteren. „Roter Drache“ vereint die Stärken seiner Vorgänger indes in sich: Er sieht gut aus, ist toll gespielt und sehr spannend (trotz eines etwas aufgesetzten Showdowns). Im Vergleich zu Michael Manns „Man Hunter“ ist „Roter Drache“ jedoch schwierig zu bewerten, denn beide Filme präsentieren letztendlich zwei vollkommen unterschiedliche Hauptcharaktere. Ist der Will Graham der 86er-Verfilmung ein Mann, der am Abgrund steht und jeden Moment in das Dunkel, das er zu bekämpfen versucht, hineinzustürzen droht, hat Edward Nortons Will Graham diesen Absturz bereits erlebt. Und zwar an dem Tag, an dem er Dr. Hannibal Lector verhaftet hat.
„Roter Drache“ spielt in der Chronologie der Ereignisse vor „Das Schweigen der Lämmer“. Regisseur Ratner ist schlau genug, dies zu berücksichtigen, indem er dem Film einen vollkommen kalten, rationalen Look verpasst. „Roter Drache“ ist in seinem Design, von der Kleidung über Büroeinrichtungen bis hin zu den Autos, ein sehr zeitloser Film. Er kann in diesem Design 1990 spielen, er kann im Jahr 2003 angesiedelt sein. Ratner, der lange Zeit als „Superman“-Regisseur gehandelt wurde, braucht sich hinter den Arbeiten von Jonathan Demme („Schweigen der Lämmer“) und Ridley Scott („Hannibal“) nicht zu verstecken. Anthony Hopkins zeigt derweil bereits in der Eingangssequenz des Filmes, dass er durch ein einfaches Hochziehen einer Augenbraue mehr Gefühle ausdrücken kann als manch ein anderer Schauspieler mit 1000 Worten. Wie? Das sollte man selbst gesehen haben!