Space-View Filmguide: Ripley’s Game

Ripley’s Game

Fakten

Originaltitel: Ripley’s Game
USA, 2002
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 110 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Als sich sein Nachbar, der todkranke Engländer Jonathan, hinter seinem Rücken über seinen betont neureich wirkenden Lebensstil lustig macht, brechen Rachegefühle in Tom Ripley auf. Als Reeves, ein zwielichtiger Gauner, einen Mörder benötigt, schlägt Ripley daraufhin Jonathan vor. Denn er weiß, dass sein Nachbar schnell Geld braucht, um seine Familie absichern zu können. Wegen Ripleys Empfehlung stolpert der arme Jonathan plötzlich in einen Mafiakrieg.

Review

Tom Ripley ist wieder da – und zwar mit aller Macht. „Ripley’s Game“, die zweite Verfilmung von Patricia Highsmiths Roman (auf Deutsch als „Ripley’s Game oder Der amerikanische Freund“ bei detebe erschienen), ist ein visuell wie narrativ sehr beeindruckendes Stück Kino. Liliana Cavani, italienische Starregisseurin vor allem der 1970er Jahre, liefert mit diesem – darf man es sagen? – Alterswerk einen ihrer besten Filme ab, und das liegt nicht zuletzt an ihrem Hauptdarsteller. John Malkovich spielt die Ripley-Rolle, als wäre sie für ihn geschrieben worden. Vergessen sind Alain Delon, Dennis Hopper und Matt Damon – die bereits vor ihm einen Ripley gaben. Vergessen sind auch die Hardcore-Highsmithers, die sich beschwerten, dass Malkovich zumindest nach Romanmaßstäben zu alt für die Rolle und Italien das falsche Setting sei (der Roman spielt primär in Frankreich). Zwar hatten auch seine Vorgänger und Nachfolger Qualitäten und konnten die ohnehin immer ein wenig anders angelegte Rolle gut ausfüllen, doch ist John Malkovich schlicht und ergreifend der perfekte Ripley. Ist dieser Ansatz, diese Interpretation der Figur schlicht ideal. Wäre die Welt gerecht, würde „Ripley’s Game“ eine ganze Reihe von Ripley-Verfilmungen nach sich ziehen, mit denselben Beteiligten. Es würde funktionieren.
Doch die Welt ist schlecht, und somit bleiben uns nur die gut zwei Stunden Material, die uns Cavani überlassen hat. Genießen wir sie. Genießen wir, wie Dougray Scotts Jonathan den Finger genau dahin legt, wo es selbst einem so aalglatten Teflonmännchen wie Tom Ripley noch weh tut: auf die Eitelkeit. Jonathan verspottet den Lebensstil seines reichen Nachbarn aus Amerika. Für ihn ist Ripley nur ein Mensch mit Geld, nicht mit Geschmack, der sich zwar alles kaufen kann, was er mag, dem aber der intellektuelle und ideele Zugang zu den eigenen Kunstbesitztümern fehlt. Genießen wir, wie Ripley daraufhin zu Mephisto mutiert und meint, dem feinen Herrn Nachbarn eine Lektion erteilen zu müssen. Ripley lässt Jonathans Namen in seinen Gaunerkreisen fallen und stürzt den bodenständigen und sterbenskranken Mann in ein kriminelles Umfeld, in welchem er schnell vom Mörder zum Gejagten wird. Und genießen wir es, wie es abermals Ripleys Eitelkeit ist, die ihn schließlich zu Hilfe eilen lässt. Denn Reeves, Ripleys Gaunerkollege, nutzt den frischgebackenen Profikiller Jonathan mehrmals – und das ohne Ripleys Zustimmung. Abermals ein faux pas, zumindest im egozentrischen Weltverständnis des oberflächlichen Amerikaners, der gesühnt werden muss.
Cavani verlegt Highsmiths Geschichte in ihre Gegenwart, und ähnelt darin Wim Wenders, der 1977 bereits den gleichen Roman verfilmte und ihn auch zu einer Momentaufnahme seines eigenen, deutschen Hintergrundes machte. Cavani transportiert Ripley & Co. ins aktuelle Italien, bedient sich aber (und zu Recht) so stark bei ihren eigenen filmischen Manierismen, dass „Ripley’s Game“ in Punkto Kameraperpektive, Beleuchtung und Szenentempo mitunter scheint, als entspränge er dem Kino der 1960er.
Und dieser Hauptdarsteller! Wie schrieb Anthony Lane im New Yorker, als amerikanische Verleiher sich weigerten, den in Europa produzierten und gefeierten Film in die Multiplexe zu bringen? „Mir liegt kein Stammbaum vor, doch wenn sich herausstellt, dass Malkovichs Ripley ein direkter Nachfahr von seinem Vicomte de Valmont aus ‚Gefährliche Liebschaften’ ist, überrascht mich das nicht im Entferntesten.“ Das Kompliment ist groß. Und gerechtfertigt.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Komponistenlegende Ennio Morricone zeichnet für den Score dieses Films verantwortlich. Cavanis Film wurde 2003 gleich zweimal für den Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani, sowie 2005 für einen Saturn Award nominiert. Das Budget der in Italien und Deutschland gedrehten Produktion betrug etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Schotte Dougray Scott war kurzzeitig für die Pierce-Brosnan-Nachfolge in den James-Bond-Filmen im Gespräch, die Rolle ging letztlich aber an Daniel Craig. Seine Filmfrau Lena Headey spielt heute die Titelrolle in „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“, einer TV-Serie, die auf den beiden „Terminator“-Filmen des Regisseurs James Cameron basiert. Trotz des Erfolges von Anthony Minghellas „Der talentierte Mr. Ripley“ kam „Ripley’s Game“ nur als DVD-Release in die USA. Den verdienten Weg auf die dortigen Leinwände musste er Jahre nach seiner Fertigstellung auf Filmfestivals nehmen, wo Cavanis Werk neben anderen europäischen Größen wie Lars von Trier und Emmanuelle Béart und vor cineastischem Publikum punkten konnte, aber vom Mainstream unbeachtet blieb. Frisch zitiert: „Highsmith schrieb fünf Ripley-Romane, und andere Schauspieler haben die Rolle verkörpert, am aktuellsten und einfallslosesten Matt Damon in Der talentierte Mr. Ripley. Doch Malkovich macht die Rolle zu seinem Eigentum. Er spielt sie für die Ewigkeit.“ – Peter Travers, Rolling Stone

Hauptdarsteller

  • Tom Ripley John Malkovich
  • Jonathan Trevanney Dougray Scott
  • Reeves Ray Winstone
  • Sarah Lena Headey
  • Luisa Chiara Caselli
  • Kunsthändler Hanns Zischler

Film-Crew

  • Regie Liliana Cavani
  • Drehbuch Liliana Cavani
  • Drehbuch Charles McKeown