Space-View Filmguide: Ripley Under Ground (2005)

Ripley Under Ground (2005)

Fakten

Originaltitel: Ripley Under Ground (2005)
USA, Großbritannien, 2005
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 96 Min.

Genre

Komödie, Thriller

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Kurzübersicht

Der junge britische Schauspieler Tom Ripley gehört zu einer Clique Londoner thirtysomethings, die sich um den aufstrebenden bildenden Künstler Derwatt schart. Als Derwatt am Abend vor seinem großen Durchbruch stirbt, beschließen die Freunde, seinen Tod geheim zu halten, damit sich Derwatts Gemälde besser verkaufen – kein Kunstsammler investiert in einen aufstrebenden Ex-Maler. Der Plan geht auf, und schon bald fälschen die Freunde neue Derwatt-Bilder, und halten den längst verstorbenen Maler für die Kunstwelt lebendig. Ein sehr lukratives Unternehmen, bis ein amerikanischer Sammler den Betrug erkennt.

Review

Tom Ripley ist wieder da – und niemand hat’s bemerkt. Es ist schon kein gutes Zeichen, wenn ein Film, der sich laut PR bewusst in die Tradition von Anthony Minghellas preisgekrönten „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) stellt – die drei weiteren Ripley-Filme sind europäischen Ursprungs und daher am amerikanischen Publikum vorbeigegangen –, nach Fertigstellung ganze drei Jahre auf eine Veröffentlichung wartet. Das ist peinlich, frustrierend und schreckt potenziell interessierte Filmfreunde ab, meistens zu Recht. Außerdem spricht es nicht gerade für die Produktion, dass sie gleich auf DVD erscheint und gar nicht erst in die reguläre Kinoverwertung kommt.
Wenn man sich Regisseur Roger Spottiswoodes „Ripley Under Ground“ ansieht, versteht man aber warum – war Minghellas Film die gefeierte Premiere, so liefert Spottiswoode den müden Nachklapp, den Film zum schnellen Abkassieren, solange die Marke noch trägt. Zu Minghellas „Der weiße Hai“ kommt hier „Der weiße Hai 4“.
Dabei ist „Ripley Under Ground“ kein schlechter Film. Abermals basiert die Geschichte auf einem Roman der Ripleyade, also der fünf Bücher von Autorin Patricia Highsmith, die sich mit dem Leben und Morden des Amerikaners Thomas Ripley befassen. Und wo Highsmith draufsteht, ist auch packende Krimispannung drin! Die Geschichte eines toten Malers, der von Ripley für die Öffentlichkeit am Leben erhalten wird, um weiterhin prächtig von seinen Werken leben zu können, passt zur Figur und gewinnt der Saga einige neue Facetten ab. Doch W. Blake Herron und Donald E. Westlake, welche den Roman als Drehbuch adaptierten, begehen einige wahre Todsünden. Zum einen verlegen sie die Handlung in die Gegenwart. Nun könnte man mit dieser Aktualisierung gut leben, da sie die eigentliche Geschichte nicht weiter tangiert, wäre da nicht die Promotion, welche den Film als Fortsetzung zu Minghellas „Der talentierte Mr. Ripley“ verstanden haben will (was sie in der Romanserie auch ist) – und letzterer spielte nun einmal werkgetreu in den 1960er Jahren. Zum anderen bringen Herron und Westlake einen Aspekt in die Handlung, der längst nicht nur Puristen stört: Humor. Highsmiths Bücher leben von der Dramatik um die Figur Tom Ripley, der sich mit Gelegenheitsgaunereien (wozu in seiner Moralvorstellung auch Mord zählt, wenn er denn notwendig ist) ein gutes Leben „erarbeitet“. Der Leser fiebert mit, weil Ripley eine Identifikationsfigur und trotz aller moralischen Verwerflichkeit noch immer nahbar, noch immer nachvollziehbar ist. Das Drehbuch macht aus ihm zeitweise, aber insbesondere aus den drei anderen Hauptfiguren – dem Galeristen Jeff Constant, Derwatts Freundin Cynthia und den depressiven Maler und Derwatt-Fälscher Bernard – reine Lachnummern ohne einen Hauch von Bodenhaftung. Das kann in Krimikomödien ganz wunderbar funktionieren, doch die Ripley-Bücher (und bis dato auch -Filme) leben vom Realismus ihrer mitunter auch gewalttätigen Protagonisten. Ein weiteres „Ocean’s Eleven“ hat Frau Highsmith nie geschrieben und auch nie beabsichtigt. Dank dieser tiefen Eingriffe in den Plot entstanden zudem Logiklöcher von der Größe der Tower Bridge. Der Roman kam ohne aus.
Als Resultat daraus bleibt der ganze Film stets belanglos. Nicht, dass er langweilig wäre; er reißt nur nicht mit. Die Darsteller sind überwiegend gelungen ausgewählt, verschwenden sich aber an stereotype Rollen. Barry Pepper in der Hauptrolle ist, bei allem Respekt vor seiner Arbeit in „The Three Burials of Melquiades Estrada“, kein John Malkovitch (aus „Ripley’s Game“, 2002). Ja, nicht einmal ein Matt Damon („Der talentierte Mr. Ripley“, 1999). Schade um die vertane Chance auf einen weiteren guten Film zur Ripleyade. Hoffen wir auf eine weitere – denn noch stehen zwei bisher unverfilmte Romane zur Verfügung.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Regisseur Spottiswoode ist dem breiten Publikum durch seinen James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ (Tomorrow Never Dies, 1997) und den Schwarzenegger-Actioner „The 6th Day“ (2000) bekannt. Die bisherigen Filme über Tom Ripley in der Reihenfolge ihres Entstehens: „Nur die Sonne war Zeuge“ (1960, nach dem 1. Roman der Reihe), „Der amerikanische Freund“ (1977, nach dem 3. Roman der Reihe) „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999, nach dem 1. Roman der Reihe), „Ripley’s Game“ (2002, nach dem 3. Roman der Reihe). Noch unverfilmte Ripleys: „Der Junge, der Ripley folgte“, „Ripley Under Water“ – auf deutsch im Diogenes Verlag erschienen. Frisch zitiert: „Lieber Jeff, falls Du Bernard siehst: ich bin tot. Er glaubt, er habe mich umgebracht. Ich erkläre es Dir später. Bitte sage dies niemandem sonst – es gilt nur für Bernard und für den Fall, daß er Dir erzählt, er habe mich umgebracht. Dann tu bitte so, als glaubtest Du ihm, und unternimm nichts. Geh zum Schein auf ihn ein. Herzlichen Gruß, Tom“ - Patricia Higsmith, Ripley Under Ground

Hauptdarsteller

  • Tom Ripley Barry Pepper
  • Heloise Jacinda Barrett
  • Webster Tom Wilkinson
  • Murchison Willem Dafoe
  • Jeff Alan Cumming
  • Cynthia Claire Forlani
  • Bernard Ian Hart

Film-Crew

  • Regie Roger Spottiswoode
  • Drehbuch W. Blake Herron
  • Drehbuch Donald E. Westlake