Originaltitel: Der Schwarze Abt
Deutschland, 1963
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 88 Min.
Thriller
Der verborgene Schatz der Familie Chelford beschäftigt die Gemüter. Nicht nur Lord Harry Chelford hat sein Leben der Suche gewidmet, auch seine Ex-Sekretärin Mary Wenner strebt nach dem Gold (und dem Titel Lady Chelford). Um dies zu erreichen, macht sie Chelfords wettsüchtigem Finanzverwalter Arthur Gine ein unmoralisches Angebot. Der soll die Verlobung Chelfords mit seiner Schwester Leslie lösen. Das will auch der erpresserische Bürovorsteher Gilder, der Leslie für sich gewinnen möchte. In dem Reigen zwielichtiger Gestalten hat Chelfords Vetter Dick Alford alle Hände voll zu tun, den weltfremden Verwandten aus Ärger herauszuhalten.
„Der schwarze Abt“ ist in zweierlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung unter den Edgar-Wallace-Filmen. Zum einen spielt die Rialto-Film-Produktion unter der Regie von Franz-Joseph Gottlieb mal nicht in London, sondern komplett „auf dem Lande“: also auf Schloss Fossaway, das der Familie Chelford als Stammsitz dient, sowie in der Ruine der alten Abtei von Fossaway und in der direkten Umgebung. Schloss Herdringen bei Neheim/Hüsten, das schon – aus anderer Perspektive aufgenommen – als Kulisse für den Film „Der Fälscher von London“ gedient hatte, durfte für das herrschaftliche Domizil der Chelfords Pate stehen. Die Innenaufnahmen wurden im Frühjahr 1963 in den CCC-Studios in Berlin-Spandau gedreht.
Zum anderen ist der Kriminalplot diesmal deutlich zurückgenommen. Die Todesrate hält sich bemerkenswert in Grenzen, zumeist kennt man auch direkt den Mörder und selbst das Geheimnis des schwarzen Abtes, der als Geist das Schloss der Chelfords heimsuchen soll, ist keins, das die Produktion sonderlich lange geheim zu halten versucht. Vom Prolog einmal abgesehen, in dem der maskierte Unbekannte in alter Wallace-Manier einen „Unschuldigen“ zu Tode bringt, sind seine Auftritte spärlich gesät und wirken mitunter auch etwas unmotiviert. Auch die Tatsache, dass es scheinbar einen guten und einen bösen schwarzen Abt gibt, wird nicht wirklich genutzt – geschweige denn wird erklärt, welche Motivation der böse Abt hat (ein ähnliches Verwirrspiel hatte bereits bei „Der grüne Bogenschütze“ bestanden).
Obwohl sich also pflichtschuldig zwei Scotland-Yard-Beamte auf dem Schloss der Chelfords einquartieren – Charles Regnier als der abgebrühte Inspektor Puddler und Eddi Arent als sein trotteliger Assistent Horatio –, sind sie hier keineswegs die eigentlichen Protagonisten und Identifikationsfiguren, sondern nicht viel mehr als „Typen“, die einem umfangreichen Reigen an Charakteren gegenüberstehen, von denen irgendwie keiner ganz unschuldig ist. Joachim Fuchsbergers Dick Alford hat noch die reinste Weste: Er liebt nur die Verlobte seines Vetters und versucht diesen (und den Bruder seiner Verlobten) zu decken, egal, ob es um Unterschlagung oder Totschlag im Affekt geht. So wird er zum mehrfachen Geheimnisträger, auch wenn er dadurch mit der Polizei in Konflikt gerät.
Neben ihm sind die Wallace-Veteranen Werner Peters (als schurkischer Gilder), Harry Wüstenhagen (als von ständigen Geldsorgen geplagter Arthur Gine) und der einmal mehr mit unheimlicher Intensität spielende Klaus Kinski (als ebenso neugieriger wie skrupelloser Butler Thomas Fortuna) zu sehen. Eher blass – wortwörtlich und auch im übertragenen Sinne – wirkt Grit Böttcher, die als Leslie Gine eigentlich nur ständig die Maid in Not zu mimen hat. Eindruck hinterlässt dagegen Dieter Borsche, dessen Lord Chelford zunächst mit Strenge und Distinguiertheit auftritt, um dann zunehmend fiebrigem Wahn zu verfallen – der ihm letztlich auch zum Verhängnis wird.
Fantasie beweist auch Kameramann Richard Angst, der die eher behäbige Handlung immer wieder durch ungewöhnliche Perspektiven durchbricht. Gerne übernimmt er dabei mögliche Sichtweisen von Protagonisten, so wenn er aus der Tiefe eines Brunnenschachts heraus filmt, durch eine offene Falltür oder gar durch die ausgeschnittene Kopfpartie der alten Lady Chelford hindurch, deren Bild an der Wand des Kaminzimmers hängt und deren Konterfei der zunehmend dem Wahn verfallene Sohne mit groben Scherenschnitten entfernt hat.
„Der schwarze Abt“ gehört sicher nicht zu den Top-Stoffen der Reihe, dennoch konnte er letzten Endes als akzeptabler Erfolg verbucht werden – was auch an der für einen Wallace-Film ungewöhnlich niedrigen FSK-Freigabe von 12 Jahren gelegen haben dürfte.
Wussten Sie schon …? Eddi Arent gab für seine Rolle als Horatio vollen Körpereinsatz. So ließ er sich nach Aussage von Regisseur F. J. Gottlieb für seinen Kampf gegen den schwarzen Abt ein paar Judo-Griffe beibringen. Da Gottlieb, der dem Training ebenfalls beigewohnt hatte, sogar dem Lehrer noch einen Kniff beibringen konnte, war Arent so begeistert, dass er sich den finalen Faustschlag von seinem Boss persönlich verpassen lassen wollte. Der schlüpfte also in die Robe des Maskierten und stellte sich dem (Schau)Kampf. Leider verrutschte bei besagtem Schlag die Kapuze, sodass Gottlieb nichts mehr sehen konnte und den Schauspieler aus Versehen tatsächlich k.o. schlug. Frisch zitiert „Viele Schuldige und Unschuldige müssen ihr Leben lassen, ehe sich die Story vom ‚schwarzen Abt’ in ein mehr romantisches als folgerichtiges Ende auflöst.“ – Badische Nachrichten, Karlsruhe, 11.09.1963 „Ein schwaches Buch, um daraus einen guten Krimi zu machen. Die zwei Äbte stiften eher Verwirrung als Spannung. Alles ist so harmlos wie eine Fahrt durch die Geisterbahn. Musik und Kamera sind brillant.“ – Christos Tses fasst die zeitgenössische Kritik zusammen in: "Der Hexer, der Zinker und andere Mörder.“