Space-View Filmguide: Schwarzer Sonntag

Schwarzer Sonntag

Fakten

Originaltitel: Black Sunday
USA, 1977
Kinostart: 08.09.1977 (FSK: 16)
ca. 136 Min.

Genre

Action, Thriller

Kurzübersicht

Captain Michael J. Lander hat vom Leben genug. Er überlebte Vietnam, durchlitt das schmerzhafte Ende einer ruhmlosen Ehe und stand sogar vor dem Kriegsgericht. Heute fristet der Veteran sein Dasein als Pilot von Blimps, Prallluftschiffen, die zu Werbe- und Fremdenverkehrszwecken eingesetzt werden. Lander träumt vom Suizid und will sich, wenn er geht, bei der Welt für das vermeintlich wertlose Leben bedanken, in dem er viele Menschen mit in den Tod reißt. Der Super Bowl kommt da als gelungene Gelegenheit. Gemeinsam mit palästinensischen Terroristen plant Lander ein Attentat.

Review

Der große Regisseur John Michael Frankenheimer („Botschafter der Angst“, 1962; „French Connection II“ 1975) zeichnete für diesen ersten Leinwandausflug eines Materials von Thomas Harris verantwortlich und bewies schon 1977 eindrücklich, wie hollywoodreif die Romane des später zu Weltruhm kommenden Autors sind. Bis heute sind alle seine Romane verfilmt worden, zum Teil sogar mehrfach.
Harris ist wohl durch seine bekannteste Schöpfung jedem Krimi-Fan ein Begriff: durch Hannibal Lecter. Der u.a. von Anthony Hopkins verkörperte kannibalistische Massenmörder und genialer Geist fasziniert das Publikum seit Jahren und sorgte bisher für vier Romane und fünf Kinoadaptionen (wobei der erste Lecter-Roman, „Roter Drache“, gleich zweifach für die Leinwand adaptiert wurde). „Schwarzer Sonntag“, als Buch erstmalig 1975 erschienen, ist Harris’ erster professionell publizierter Roman und kommt als einziger ohne die spätere Serienfigur aus – was der Geschichte eher gut tut, als ihr schadet. Buch wie Film erzählen von einem anderen, nicht minder gequälten Menschen, der unter der Last des eigenen Schicksals und seiner Defizite zerbricht. Bruce Dern als Lander ist ein interessanter Charakter, der einerseits hochgradig gefährlich und unberechenbar wirkt, der dem Zuschauer andererseits aber gerade durch seine umfangreiche Hintergrundgeschichte und Bruce Derns eindringliches Spiel erstaunlich nahe geht. Im Krieg gefoltert und durch private Tragödien des letzten Lebenswillens beraubt, hat Captain Lander längst mit der Welt gebrochen und wartet nur noch auf eine Weise, seinen angestauten Aggressionen und Enttäuschungen ein für alle Male Luft zu machen. Dieser Lander ist ein Mensch, den wir – aller kriminellen Aktivität zum Trotz – jederzeit nachvollziehen können. Wir heißen seine Handlungen nicht gut, verstehen aber, wo sie herkommen.
Landers Zorn entlädt sich schließlich am Super Bowl, dem jährlichen Großereignis im Football, dem regelmäßig ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt folgt. An diesem sonntäglichen Endspiel treten die beiden Spitzenplatzierten der NFL, der National Football League, gegeneinander an. Im Falle von „Schwarzer Sonntag“ ist sogar der US-Präsident Jimmy Carter im Stadion, um diesem Ereignis beizuwohnen. Für die Durchführung seiner Aktion bedient sich Landers der Expertise palästinensischer Terroristen von der Untergrundorganisation Schwarzer September, was wiederum deren eigene Sicherheitskräfte auf den Plan ruft. Um das Schlimmste zu verhindern, schließt sich Mossad-Agent David Kabakov also der Ermittlung von FBI-Profi Sam Corley an. Nur: Wie findet man den Attentäter in einem Stadion mit 80.000 Besuchern?
Der Film war bei seiner Premiere 1977 ein großer Erfolg. Der legendäre John Williams hatte den Score komponiert und eingespielt, die Hauptdarsteller Dern, Robert Shaw und Fritz Weaver erwiesen sich auf der Leinwand als routinierte und engagierte Vertreter ihrer Zunft, und das Drehbuch des Multitalents Ernest Lehman („West Side Story“, 1961; „Der unsichtbare Dritte“, 1959 u.v.a.) adaptierte die Romanvorlage behutsam, verständnisvoll und mit spürbarem Respekt. Das Ergebnis ist ein 143-minütiger Thrill, der in seiner Grundthematik und narrativen Struktur noch heute so aktuell und brisant erscheint, wie bei seiner Premiere.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Der „Schwarze September“, hier fiktiv genutzt, existierte wirklich. Die terroristische Vereinigung zeichnete unter anderem für die Anschläge im Rahmen der Münchner Olympiade von 1972 verantwortlich, bei denen sie elf israelische Athleten tötete. In Folge dieser Taten konnte „Schwarzer September“ erfolgreich zerschlagen werden. Die Aktionen und das Ende von „Schwarzer September“ behandelt auch Steven Spielberg in seinem Film „München“ (Munich, 2005). Die Ereignisse in München dienten Thomas Harris nachweislich als Inspiration und Initialzündung für seinen Romanerstling „Schwarzer Sonntag“. Hauptdarsteller Bruce Dern („Lautlos im Weltraum“, 1972) ist der Vater von Hollywood-Schauspielerin Laura Dern („Jurassic Park“, 1993; „Inland Empire“, 2006). Jimmy Carter ist hier falsch. Eigentlich ist Gerald Ford zu der Zeit, an der „Schwarzer Sonntag“ spielt, Präsident der USA. Frisch zitiert: „Der Amerikaner hat sich an uns gewandt, weil er Sprengstoff benötigt. Das wissen Sie, Kamerad“, sagte Dahlia. „Er wird mich auch weiterhin brauchen. Wir verletzen seine politischen Überzeugungen nicht, weil er gar keine hat. Auch der Begriff ‚Gewissen’ kann in seinem Fall nicht im herkömmlichen Sinn verwendet werden. Er wird mich nicht verraten.“ - aus dem Roman „Schwarzer Sonntag“

Hauptdarsteller

  • Major David Kabakov Robert Shaw
  • Dahlia Iyad Marthe Keller
  • Captain Michael J. Lander Bruce Dern
  • FBI Agent Sam Corley Fritz Weaver
  • Robert Moshevsky Steven Keats
  • Mohammad Fasil Bekim Fehmiu

Film-Crew

  • Regie John Frankenheimer
  • Drehbuch Ernest Lehman,
  • Drehbuch Kenneth Ross
  • Drehbuch Ivan Moffat