
Originaltitel: Star Wars - Episode IV: A New Hope
USA, 1977
Kinostart: 02.02.1978 (FSK: 12)
ca. 127 Min.
Action, Science Fiction
1973 schrieb ein junger Mann namens George Walton Lucas Jr. das Drehbuch zu dem Film „American Graffity“ und führte selbst Regie. Der teilweise autobiografische Film wurde ein großer Erfolg, unter anderem gewann er fünf Oscars. Daraufhin wurde Lucas ein begehrter Regisseur in Hollywood. Sein nächstes Projekt sollte ein ganz besonderes werden: In den kommenden Jahren schrieb er die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines gewissen Anakin Skywalker. Wie besessen arbeitete das kreative Genie Lucas konzentriert an der Realisierung seines Traums. Er gründete die Firma ILM (Industrial Light and Magic), die eine ganz neue Art von Spezial-Effekten umsetzen sollte und das auch tat. ILM ist inzwischen legendär, dort entstanden Teile von „Star Trek II“, „Star Trek IV“, „E.T“, „Zurück in die Zukunft“, „Jurassic Park“ und den „Harry Potter“-Filmen.
Lucas wurde klar, dass seine Sternensaga zu groß für einen einzelnen Film war, machte er eine Trilogie daraus. Allerdings wollte keines der großen Studios etwas von dieser Geschichte wissen. In den 1970er Jahren waren Science-Fiction-Filme finanziell nicht sehr erfolgreich. Es gelang Lucas letztendlich, die 20th Century Fox zu überzeugen. Als Honorar verlangte er „nur“ die Rechte an allen zukünftigen „Star Wars“-Filmen sowie die Rechte an allen Merchandising-Artikeln und eine Beteiligung von 40 % am Einspielergebnis des Films. Dieses Vorgehen war zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich, und das Studio ging auf die Bedingungen ein, weil es sich nicht vorstellen konnte, dass ein solches Science-Fiction-Projekt an den Kinokassen sonderlich erfolgreich sein würde. Wie sich herausstellen sollte, war das ein großer Fehler, der Lucas zum Milliardär machte. Der Film brach alle Rekorde, gewann sieben Oscars und wurde zu einem gewaltigen Kultphänomen.
Zur Geschichte braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Der junge Luke Skywalker lebt auf dem trostlosen Wüstenplaneten Tattooine, wo er – scheinbar zufällig – in eine Rebellion gegen das alles beherrschende Imperium hineingezogen wird. In den drei Filmen „Star Wars“ („Krieg der Sterne“, 1977), „The Empire Strikes Back“ („Das Imperium schlägt zurück“, 1980) und „The Return of the Jedi“ („Die Rückkehr der Jedi Ritter“, 1983) lernt er die attraktive Prinzessin Leia, den Schmuggler Han Solo und zahlreiche Gefährten, aber natürlich auch Gegner kennen. Im Laufe der Trilogie mausert er sich vom naiven Bubi zum mächtigen Jedi-Ritter, in dessen Händen das Schicksal der gesamten Galaxis liegt und der erkennen muss, dass sein größter Gegner sein eigener Vater ist.
Das Darstellertrio Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford wurde über Nacht zu Superstars. Allerdings schloss sich nur für Harrison Ford (der übrigens auch schon in Lucas' „American Graffiti“ eine Rolle gespielt hatte) eine wirklich erfolgreiche Karriere an – auch weil ihn George Lucas für die Hauptrolle in den „Indiana Jones“-Filmen verpflichtete. Für Mark Hamill gab es nach „Star Wars“ kaum interessante Rollen. In letzter Zeit ist er häufig in Videospielen und Zeichentrickserien zu hören. Carrie Fisher hatte nach „Star Wars“ massive Alkohol- und Drogenprobleme, hat aber inzwischen wieder als Schauspielerin (z. B. in „Harry und Sally“, „Scream 3“ oder „Drei Engel für Charlie: Volle Power“) und Drehbuchautorin Fuß gefasst. U. a. schrieb sie Teile der 69. und 74. Oscarverleihung.
So ganz genau kann sich niemand den überwältigenden Erfolg von „Star Wars“ erklären. Es gibt eine ganze Menge Gründe, die alle zum Erfolg beigetragen haben und mit denen man mühelos ganze Bände füllen könnte.
Die Mischung aus Hochmodernem und Althergebrachtem ist einer der Erfolgsfaktoren. Optisch dominieren hervorragende, für die Zeit geradezu revolutionäre Effekte, während es in der Geschichte um traditionelle Werte wie Mut, Ehre, Spiritualität, Loyalität, Glauben und Freundschaft geht. Auch mit der Mischung verschiedener Genres ist George Lucas ein großer Wurf gelungen. In „Star Wars“ kann man Entlehnungen aus Western, Ritter-, Mantel- und Degenfilmen, „Der Zauberer von Oz“, Kriegsfilmen, Soap Operas sowie natürlich aus Fantasy- und Science-Fiction-Geschichten finden.
Auch die liebenswerten Figuren, besonders die nichtmenschlichen, steuern ihren Teil zum Erfolg des Phänomens bei. Der pfiffige R2-D2 und der ewig nörgelnde C-3PO sind die heimlichen Stars der „Star Wars“-Filme, und die zahlreichen Außerirdischen sorgen für Atmosphäre. Sie sind nicht nur exotisch und bunt, sondern haben ihre individuellen Eigenarten und Sprachen. Der Detailreichtum, mit dem Lucas die zahlreichen Schauplätze, Gestalten und Raumschiffe angelegt hat, trägt auch maßgeblich zur Stimmung und dichten Atmosphäre bei.
Dazu kommt ein Soundtrack, der für sich genommen schon legendär und äußerst hörenswert ist, auch Komponist John Williams hat ein Meisterstück zu „Star Wars“ beigesteuert.
Andererseits warnt aber George Lucas davor, zu viel in den Film hineinzuinterpretieren, insbesondere wenn es um religiöse oder metaphysische Deutungen geht. Letztendlich liegt es natürlich im Auge des Betrachters, was man in den „Star Wars“-Filmen und ihren Figuren sehen möchte.
Womit auch immer man den Erfolg dieses Phänomens begründet, die Faszination ist zeitlos. Menschen, die die Originaltrilogie als Kind im Kino gesehen haben, sind davon heute noch genauso begeistert, wie junge Menschen, die die Filme heute zum ersten Mal anschauen. Wie es ein echtes Kultphänomen auszeichnet, kann man die Abenteuer immer wieder sehen, ohne sich zu langweilen – bis man sie schon mitsprechen kann.
„Star Wars“ ist ein modernes Märchen im Kleid einer Science-Fiction-Geschichte. Es geht um edle (und einige finstere) Ritter, Prinzessinnen, Monster, Schwertkämpfe und eine geheimnisvolle, magieähnliche Macht. Im Vordergrund steht natürlich der plakative Kampf des Guten gegen das Böse, verkörpert durch die Rebellen und verbliebenen Jedi-Ritter, die sich gegen das übermächtige Imperium auflehnen. Es geht aber auch um die Versuchung, die Macht ausübt und über die Art und Weise, wie sie Menschen korrumpiert, und darum, die Kraft zu haben, dieser dunklen Seite der Macht zu widerstehen.
„Star Wars“ ist inzwischen ein fester Bestandteil unserer Kultur. Der Satz „Möge die Macht mit dir sein“ ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, und unter Präsident Reagan wollte die US-Regierung (wenig schmeichelhaft) ein satellitengestütztes Programm zur Raketenabwehr namens „Star Wars“ ins Leben rufen.
„Star Wars“ war der erste Film, der eine Welle von Merchandising-Artikeln nach sich zog und damit gewaltigen Umsatz machte – wie es heutzutage jede größere Produktion versucht. Von Actionfiguren, Postkarten und Postern über Masken und Lichtschwerter bis hin zu Bechern und Bettwäsche gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Geschichten des „Star Wars“-Universums werden in Romanen, Comics, Zeichentrickfilmen und Video- bzw. Computerspielen weitererzählt. Und am 20. September 2004 kommt dann endlich der Tag, auf den so viele „Star Wars“- und Film-Fans gewartet haben: Die Originaltrilogie erscheint auf DVD. George Lucas ist bekannt – oder berüchtigt – dafür, dass er sich mit der DVD-Veröffentlichung seiner Filme Zeit lässt. Dafür kann sich die DVD-Box allerdings sehen lassen: Sie enthält neben den DVDs in der Special Edition eine weitere DVD, die mit Bonusmaterial randvoll gestopft ist. Darunter ist auch ein Ausblick auf „Episode III“, mit dem die „Star Wars“-Saga im nächsten Jahr wohl endgültig abgeschlossen wird.
George Lucas hat mit „Star Wars“ nicht nur einen der besten und wichtigsten Science-Fiction-Filme geschaffen, sondern einen der einflussreichsten Kinofilme überhaupt, und mit Darth Vader erblickte der wohl beste Bösewicht der Filmgeschichte das Licht der Kinosäle.