Originaltitel: The Silence of the Lambs
USA, 1991
Kinostart: 11.04.1991 (FSK: 16)
ca. 118 Min.
Clarice Starling ist eine junge und ehrgeizige FBI-Agentin in der Ausbildung, die es sicherlich zu etwas bringen wird – vorausgesetzt, sie überlebt den Fall, den ihr Agent Crawford übertragen hat. Starling soll sich mit dem inhaftierten Psychiater und Serienkiller Hannibal „der Kannibale“ Lecter zusammensetzen und versuchen, mit Lecters Hilfe auf die Spur des wahnsinnigen „Buffalo Bill“ zu kommen, der eine Senatorentochter entführt und bereits mehrere perverse Verbrechen begangen hat. Lecter willigt ein Starling zu helfen, wenn sie ihm dafür Details aus ihrem Privatleben verrät.
Fünf Jahre war es her, dass Michael Mann, der visionäre Geist hinter der 1980er Erfolgsserie „Miami Vice“, sich an einer Kinoadaption von „Roter Drache“ versucht hatte, Thomas Harris’ grandiosem ersten Roman über den faszinierenden Massenmörder Dr. Hannibal Lecter. Manns Film, „Manhunter“ betitelt, war sehr gut gemacht und ist bis heute ein sehenswertes Stück Kino, floppte aber grandios an den Kinokassen und machte eine etwaige Fortsetzung wirtschaftlich unrentabel.
Erst 1991 wagte sich die Traumfabrik wieder an einen Stoff von Thomas Harris, und achtete sogar auf die Chronologie. Nach „Schwarzer Sonntag“ (John Frankenheimer, 1977) und „Roter Drache“ („Manhunter“) sollte nun „Das Schweigen der Lämmer“ auf die Leinwände kommen, Harris dritter Roman. Das Buch war 1988 auf den Markt gekommen und hatte sich in Windeseile zum gelobten und beliebten Bestseller gemausert. Noch im Erscheinungsjahr konnte der Autor den Bram Stoker Award in der Kategorie Bester Roman entgegen nehmen und wurde für den World Fantasy Award nominiert. Kritik und Leser zeigten sich von Harris intensivem Blick in die Psyche zweier Monster in Menschengestalt (Bill und Lecter) fasziniert und bescherten auch dem ersten Teil der sich langsam zur Serie entwickelnden Romanreihe neue Auflagen, die ebenfalls reißenden Absatz fanden. Angesichts dieses Erfolges war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Hollywood wieder Interesse an dem Material bekam.
Etwa 19 Millionen US-Dollar gab man Regisseur Jonathan Demme zur Hand, um aus „Lambs“ ein wahres Thrillerfest zu zaubern. Obwohl Demme nicht die erste Wahl des Studios war! Niemand geringeres als Schauspieler Gene Hackman hatte mit diesem Film sein Debüt als Regisseur geben sollen, lehnte aber dankend ab, nachdem er Ted Tallys Drehbuch gelesen hatte. Vermutlich lag es an den Gewaltszenen. Diese schreckten auch andere Hollywoodgrößen ab. Die Rollen, die letztlich von Jodie Foster und Anthony Hopkins verkörpert wurden, hatten zuvor schon die Runde gemacht und waren vermehrt auf Ablehnung gestoßen. Sean Connery, Michelle Pfeiffer, Meg Ryan und Emma Thompson waren für sie im Gespräch gewesen, lehnten aber ab oder wurden abgelehnt. Sie alle dürften sich geärgert haben, als der Abend der Oscar-Zeremonie heran brach und „Das Schweigen der Lämmer“ gleich fünf der begehrten Trophäen gewann: beide Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor, sowie das Produzententeam (in der Kategorie Bester Film) wurden ausgezeichnet. Im Falle von Anthony Hopkins war diese Auszeichnung besonders beeindruckend, ist der Mime – den diese Rolle letztendlich in eine weitaus höhere Liga katapultierte – im Film selbst doch kaum mehr als eine Viertelstunde zu sehen. Sein Lecter ist offensichtlich so faszinierend, dass er sich auch vorhanden „anfühlt“, wenn er gar nicht im Bild ist.
Nach „Lambs“ war Hollywood in Ekstase und wollte den einmal eingefangenen Blitz ein zweites Mal in die Flasche bekommen – doch als Thomas Harris endlich den nächsten Roman der Reihe, „Hannibal“ betitelt, fertig gestellt hatte, lehnten Tally, Demme und Jodie Foster eine erneute Mitarbeit ab. Das war dann selbst ihnen, die mit „Lambs“ bewiesen hatten, was das Publikum zu goutieren bereit war, zu strange.
Wussten Sie schon …? Von einigen Homosexuellen-Verbänden der USA wurde „Das Schweigen der Lämmer“ nach seinem Erscheinen scharf kritisiert, unterstellte man dem Film doch homophobische Tendenzen. Selbst eine Protestaktion im Rahmen der Oscar-Verleihung war angedacht, blieb aber aus. Jonathan Demme reagierte auf seine Art auf diese Vorwürfe – er ignorierte sie und drehte als nächsten Film das AIDS-Drama „Philadelphia“, in welchem Tom Hanks eindrucksvoll einen vom HIV-Virus befallenen Rechtsanwalt spielt, der gegen soziale Ausgrenzung prozessiert. Hätten Sie ihn erkannt? FBI Director Hayden Burke wird von niemand geringerem als Roger Corman verkörpert, dem ungekrönten König der B-Movies. Corman ist dafür berühmt, seit den 1950er Jahren unzählige Billigfilme produziert und/oder inszeniert zu haben, darunter auch so manche Perle. Er gab und gibt Jungschauspielern und -regisseuren eine Chance, und seine Biographie ist eine Fundgrube für Cineasten und Filmfans. Stars wie Jack Nicholson haben bei Corman angefangen. Frisch zitiert: „Anthony Hopkins genießt seine Darstellung des kultivierten Psychiaters mit der Knochen ableckenden Amoralität, die allein Fleischfressern zu Eigen ist. Er nimmt nicht nur die Szenerie, sondern gleich auch noch die Statisten in sich auf. Inhaftiert in einer Anstalt für verrückte Kriminelle, wird Lecter in einem Plastikkäfig gehalten, damit er nicht an seinen Bewachern knabbert.“ -The Washington Post