Space-View Filmguide: Spurlos

Spurlos

Fakten

Originaltitel: The Vanishing
USA, 1993
Kinostart: 01.07.1993 (FSK: 16)
ca. 109 Min.

Genre

Horror, Mystery, Thriller

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Kurzübersicht

Während einer Autofahrt verschwindet Jeff Harrimans Freundin Diane spurlos. Sie wollte nur kurz an einer Raststätte etwas erledigen – doch sie kam nie wieder. Jeff glaubt nicht an Absicht und vermutet ein Verbrechen. Gegen die Überzeugung der Polizei und seiner Freunde, macht sich der Verzweifelte allein auf die Suche nach Diane, und wendet sich wiederholt auch an die Öffentlichkeit. Nach drei Jahren ist Jeff psychisch am Ende, doch noch immer von dem Antrieb beseelt, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Da meldet sich der Entführer…

Review

Sind wir doch einmal ehrlich: Welchen Nutzen haben amerikanische Remakes ausländischer Filme – zumindest für uns Europäer? „Drei Männer und ein Baby“, „Ringu“, „Mein Vater, der Held“, „Funny Games“… Wenn uns der Stoff interessiert, haben wir die Geschichte doch längst schon gesehen, bevor Hollywood sie nacherzählt. Und meist haben wir sie besser gesehen. Es ist eine Crux mit der amerikanischen Filmindustrie, die ausländische Produktionen nahezu ignoriert und sie ihrem Publikum – wenn überhaupt – nur auf Festivals „zumutet“. Oder in 30-Sekunden-Ausschnitten während der Oscar-Verleihung. Nein, der Amerikaner will und soll eine Geschichte auf amerikanisch zu sehen bekommen. Wenn sie etwas taugt, wird sie schlicht adaptiert.
Wie schlecht dieses Vorgehen enden kann, beweist „The Vanishing“, George Sluizers US-Remake seines Erfolgsfilms „Spoorloos“ aus dem Jahr 1988. Sluizer hatte sich eines packenden Romans des holländischen Autors Tim Krabbé angenommen, ihn mit unverbrauchten und doch beeindruckenden Stars wie Bernard-Pierre Donnadieu und Johanna ter Steege besetzt und in ruhigen, schlichten Bildern fotografiert – und heraus kam ein Thriller, der sich uns gerade wegen seiner Unmittelbarkeit, seiner Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit ins Hirn brannte. Ein Film, der schmerzte – nicht allein seiner Story wegen. Sondern auch wegen seines Realismusses. Seiner Konsequenz.
Es ist erstaunlich, wie unkonsequent „The Vanishing“ geworden ist. Immerhin hatte Hollywood nicht ganz unlogisch gehandelt und mit Sluizer den wohl wichtigsten Mann hinter den Kulissen des Originals auch für die Neuauflage verpflichtet. Wie so viele vor und nach ihm, folgte der holländische Regisseur und Autor dem Lockruf der Traumfabrik und nutzte seinen Europa-Erfolgsfilm als Trittbrett nach Kalifornien. Darsteller wie Kiefer Sutherland, der wunderbare Jeff Bridges, Nancy Travis und – als verschwundene Diane – die noch junge Sandra Bullock (ein Jahr vor ihrem Durchbruch „Speed“) waren schnell gefunden und versprachen ein hochkarätiges Leinwanddrama. Und dann kam der Fehler: Drehbuchautor Todd Graff.
Sorry, aber „Spoorloos“ war vor allem wegen seines grausamen Endes ein so großer Erfolg geworden. Tim Krabbé hatte es so konzipiert, George Sluizer für sein Originaldrehbuch auch entsprechend adaptiert – doch Hollywood war dieses Finale zu depressiv. Zu hoffnungslos. Ein Happy End musste her, und man beauftragte den Schauspieler und Autor Todd Graff damit, Sluizers Film entsprechend umzuschreiben.
Böser Fehler.
Es entstand ein seltsamer Filmhybrid, eine Mischung aus guten Ansätzen, durchaus inspirierter Regie (die Sluizer auch weitere Jobs in USA einbrachte) – und einem so derart lächerlichen Ende, dass es der kompletten Geschichte jegliche Relevanz nahm. Wie in den meisten Steven-Spielberg-Filmen jüngerer Zeit gilt auch für „Spurlos“: Wer zehn Minuten vor Filmende aus dem Kino geht, hat sich vermutlich recht gut amüsiert. Wer bis zum Ende bleibt, bekommt eine Heile-Welt-Allergie.
Es gehört wohl zu den unverständlichen Weltwundern, dass dieser Film 1994 gleich in zwei Kategorien für den Saturn Award nominiert war, den renommierten Filmpreis der „Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films“. Sowohl in der Kategorie Bester Film, als auch beim Besten Darsteller (Jeff Bridges) ging die Produktion leer aus. Vielleicht hatten sich die Juroren zwischen der Nominierungs- und der Verleihungsphase einfach mal das Original aus der Videothek besorgt…

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Pünktlich zum US-Filmstart, und somit ganze neun Jahre nach seinem Debüt, erschien auch Tim Krabbés Roman „Het Gouden Ei“ erstmals in englischer Übersetzung – unter dem Titel „The Vanishing“ (Verlag: Random House). Der Soundtrack zum Film stammt von Jerry Goldsmith, einer Legende unter den amerikanischen Film- und TV-Komponisten. Um Nancy Travis ist es im Kino in den letzten Jahren stiller geworden, doch ist die bekannte Darstellerin nach wie vor aktiv. Hauptsächlich im Fernsehen, wo sie in Serien wie „Becker“ mitspielte und Zeichentricks synchronisiert. Auch Hauptdarsteller Kiefer Sutherland hat den Wechsel ins Pantoffelkino gewagt und seiner abgeflauten Karriere damit neuen Schwung verleihen können. Bereits seit sechs Staffeln begeistert er das Publikum als Serienheld Jack Bauer in der Action-Produktion „24“. Frisch zitiert: „An einem Höhepunkt sagt Bridges zu Sutherland, er solle bei der Anekdote, die er nun erzählen werde, gut aufpassen – denn „der Teufel liegt im Detail.“ Wären Sluizer und Graff diesem Rat gefolgt, hätten sie jetzt einen Film. Aber vermutlich wäre der beste Rat ohnehin der gewesen, die Finger von diesem Klassiker zu lassen.“ - The Washington Post

Hauptdarsteller

  • Barney Jeff Bridges
  • Jeff Kiefer Sutherland
  • Rita Nancy Travis
  • Diane Sandra Bullock
  • Lynn Park Overall
  • Denise Maggie Linderman
  • Helene Lisa Eichhorn
  • Arthur George Hearn
  • Miss Carmichael Lynn Hamilton

Film-Crew

  • Regie George Sluizer
  • Drehbuch Todd Graff