
Originaltitel: Spider-Man 3
USA, 2007
Kinostart: 01.05.2007 (FSK: 12)
ca. 139 Min.
Action, Fantasy
Im dritten Teil von SPIDER-MAN hat Peter Parker (TOBEY MAGUIRE) es endlich geschafft, seine Liebe zu Mary Jane (KIRSTEN DUNST) und seine Pflichten als Superheld in Einklang zu bringen. Doch schon ziehen am Horizont dunkle Wolken auf. Als sich Spider-Mans Anzug pechschwarz verfärbt und ihm neue, ungeahnte Kräfte verleiht, verändert dies auch Peter und bringt die dunklen, rachsüchtigen Seiten seines Charakters ans Licht, Eigenschaften, die Peter bald nicht mehr kontrollieren und beherrschen kann. Unter dem Einfluss des Anzugs wird Peters Ego immer größer. Dabei vernachlässigt er zunehmend all die Menschen, denen er am meisten am Herzen liegt. Bald ist Peter gezwungen, sich zwischen der verführerischen Kraft des neuen Anzugs und dem mitfühlenden Helden, der er einst war, zu entscheiden. Peter muss seine persönlichen Dämonen bezwingen, während zwei der meist gefürchteten Schurken, Sandman (THOMAS HADEN CHURCH) und Venom (TOPHER GRACE), beispiellose Macht erlangen und in ihrer Rachsucht Peter und jeden, den er liebt, bedrohen.
Ein Abschluss aus dem Bilderbuch. Für „Spider-Man 3“ wurde geklotzt. Über 250 Millionen Dollar soll der dritte Teil der Spinnen-Trilogie gekostet haben. Damit wäre er, lässt man den Faktor Inflation einmal außen vor, der teuerste Film aller Zeiten. Aber bei 1,6 Milliarden Dollar Einspielergebnis für die ersten beiden Filme, na, wer wird sich denn da lumpen lassen?
Und schlecht ist er nicht. Im Gegenteil: Er gehört sogar zu den besseren aktuellen Produktionen aus Hollywood.
Jedoch muss er sich mit seinen starken Vorgängerfilmen messen, die bewiesen haben, dass große Geschichten und großes Hollywoodgeld einander nicht ausschließen müssen, wobei Regisseur Sam Raimi gar das Kunststück gelang, einem starken ersten Teil einen noch weitaus stärkeren zweiten Teil folgen zu lassen. Wohl kaum eine andere Heldenfigur ist innerlich so zerrissen wie Tobey Maguires Peter Parker. Er ist im besten Sinne des Wortes der normale Junge von nebenan. Ein ganz normaler junger Mann, der nicht selten mit der Verantwortung, die er zu tragen hat, hadert und sich ein anderes Leben wünschte. Diese Geschichte wird im dritten Teil weiterverfolgt. Und durchaus gelingt es Sam Raimi, dem Helden neue Züge abzugewinnen. So erlebt der Zuschauer einen Peter Parker, der sich inzwischen mit seiner Rolle abgefunden hat und den Kult um seine Person sogar genießt. Dass dies nur einen Verdrängungseffekt darstellt, mit dem Peter seine Einsamkeit kompensiert, wird klar, wenn er mit einem außerirdischen Parasiten konfrontiert wird, der nach und nach die dunkle Seite Peter Parkers offenbart: Einen gefährlichen Vigilanten, der sich längst nicht mehr auf dem schmalen Grat zwischen Recht und Rache bewegt, sondern sich für eine – die falsche – Seite entschieden hat.
Nur: Warum bedarf es dafür eines außerirdischen Parasiten? Diese gesamte Handlung passt nicht zu der doch sehr im Hier und Jetzt verankerten Story um einen jungen Mann auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft. Jene Suche, welche die ersten beiden Teile so wunderbar von anderen Produktionen abhob. Der gesamte Handlungsstrang wirkt wie ein Fremdkörper – ein Parasit eben – in der Welt von Raimis Spinnenmannfilmen. Gleichzeitig kommt da die Geschichte des Ausbrechers Flint Marko zu kurz. Der wird von Thomas Haden Church dargestellt. Haden Church entstammt eigentlich dem komischen Fach, umso erstaunlicher ist seine Darstellung eines gebrochenen Mannes, der in einem Moment tiefster Verzweiflung ein Verbrechen begangen hat, das ihn und seine gesamte Familie ruinierte. Da dies ein Superheldenfilm ist, mutiert Marko durch einen Unfall natürlich zu einem Superschurken. Aber er ist kein Weltenzerstörer, vielmehr gehört das, was sich aus der Konfrontation zwischen Marko und Peter Parker entwickelt, mit Sicherheit zu den bewegendsten Zweikämpfen des modernen Heldenkinos - doch bleibt dieser Kampf nur die Blaupause einer grandiosen Idee, die zwar angedacht, aber nicht wirklich ausgespielt wird.
Letztlich lebt der Film von seinen durchweg grandiosen Darstellern, die mit einer fast schon irritierenden Menschlichkeit ihre Figuren porträtieren und so manch eine dramaturgische Schwäche des Drehbuches überdecken. Ihre Gefühle wirken echt, ihre Emotionalität berührend.