
Originaltitel: Stardust
UK/USA, 2007
Kinostart: 18.10.2007 (FSK: 12)
ca. 122 Min.
Fantasy
Es gibt einfach Filme, die sind irgendwie magisch. Da stimmt schlicht und ergreifend alles: Die Handlung weist das rechte Maß an Bestandteilen fürs Herz, fürs Zwerchfell, fürs Auge und fürs Hirn auf. Die Effekte geben sich keine Blöße, beherrschen aber auch nicht die Szenerie. Und die Schauspieler – ein wohlfeiler Reigen aus zugkräftigen Stars, frischen Gesichtern und prägnanten Nebendarstellern – schlüpfen mit einer Überzeugung in die eigenen Rollen, als wären sie ihnen eine zweite Haut.
„Der Sternwanderer“, das auf der preisgekrönten Graphic Novel von Autor Neil Gaiman und Illustrator Charles Vess basierende Märchen für Erwachsene, ist definitiv ein magischer Film. Erzählt wird die Geschichte des jungen Tristan Thorne, der zu Zeiten Queen Victorias in dem kleinen englischen Dorf Wall lebt, das sich im Wesentlichen dadurch auszeichnet, dass es an eine uralte Steinmauer grenzt. Die Mauer trennt das Dorf von einem Wald, besitzt aber eine Lücke – allerdings von einem ähnlich uralten Wächter bewacht –, durch der Mutige hindurchschlüpfen könnte.
Niemand weiß genau, was hinter dieser Mauer liegt, man munkelt allerdings von einer magischen Welt. Tristan soll bald erfahren, was an den Geschichten dran ist, denn um die Liebe der eitlen Dorfschönheit zu gewinnen verspricht er, ihr binnen einer Woche einen gefallenen Stern zu bringen, den beide bei einem nächtlichen Picknick vom Firmament stürzen sehen. Dass es sich bei dem Stern indes um eine strahlende Schönheit namens Yvaine handelt, die denkbar unwillig ist, als Geschenk herhalten zu müssen, hätte er sich nicht träumen lassen. Und da sich auch noch einige andere Gestalten – ein sinistres Hexentrio und eine Gruppe Prinzen, die für Macht über Leichen gehen würden – für den bezaubernden Stern interessieren, entwickelt sich die Heimreise nach Wall zum außergewöhnlichen Abenteuer, das Tristan vom Knaben zum Mann reifen lässt und ihm vor Augen führt, was im Leben wirklich wichtig ist.
Die Handlung wurde spürbar „in Form gebracht“ (soll heißen umgeschrieben), um ein rundes Hollywood-Fantasy-Abenteuer zu ergeben und hat dadurch einiges an der britischen Vorliebe, sich ausschweifend in Nebenhandlungen an erfreuen, eingebüßt, aber das hat der Geschichte in Filmform sogar noch gedient. Die wesentlichen Elemente sind selbstredend erhalten geblieben und auch wenn das Ganze nicht mehr ganz so spöttisch-makaber klingt, wie man es von Neil Gaiman gewöhnt ist, sondern eher den Witz in den Vordergrund stellt, atmet der Film dennoch den Geist seines Erzählers, wenn Hexen, die bei jedem Zauber hässlicher werden, Prinzen, die sich mit Begeisterung gegenseitig um die Ecke bringen, nur um als geisterhaftes Publikum die noch lebenden Brüder auf ihrer Queste zu begleiten, oder Luftpiraten, die ganz furchtbar um ihr Prestige besorgt sind, eigentlich aber unglaublich nette Kerle sind, auftreten.
Auch wenn Regisseur Matthew Vaughn im „Making Of“ mehrfach betont, dass er es niemals für möglich gehalten hätte, ist es ihm doch gelungen, ein sehenswertes Ensemble um sich herum zu versammeln. Michelle Pfeifer, spätestens seit ihrer Rolle als Catwoman in „Batmans Rückkehr“ der Inbegriff der gefährlichen Schönheit, verkörpert lustvoll die fiese Hexe Lamia und schreckt dabei auch nicht vor grausigem Make-Up zurück. Rauhbein Robert De Niro gibt den „hartgesottenen“ Captain Shakespeare, Anführer der Luftpiraten und Blitzjäger, und darf dabei wunderbar gegen den Strich spielen. (Allein wegen ihm lohnt der Film!) Neuling Charlie Cox mimt den jungen Tristan trefflich als vertäumten Dorfburschen, der sich zum Traumprinzen mausern darf. Und Claire Danes strahlt wortwörtlich in ihrer Rolle als Yvaine – selten hat die Computertechnik den Charme einer Darstellerin bezaubernder befördert.
Die DVD glänzt mit einem hervorragenden Bild und gutem Ton, den man sich in deutsch, englisch oder türkisch zu Gemüte führen kann. Das Bonusmaterial ist dagegen leider etwas spärlich. Das „Blooper Reel“ ist nicht wirklich lustig, sieht man von dem unfreiwilligen Lacher ab, den sich Paramount einhandelt, weil es alle Flüche ausrutschender oder sich verplappernder Darsteller „ausgepiept“ hat. Die „Entfernten Szenen“ sind ganz nett einmal anzuschauen – im Gegensatz zu manchem anderen Film ist man jedoch tatsächlich dankbar dafür, dass die Szenen entfernt wurden, denn sie hätten zu dem Film nichts beigetragen. Sehenswert allein ist das halbstündige „Making Of“, das erfreulich oft den geistigen Vater Neil Gaiman selbst zu Wort kommen lässt, der unter anderem erzählt, wie er die Idee zu „Der Sternwanderer“ hatte – und trotz aller Abweichungen vom Buch zum Film mit dem Ergebnis höchst zufrieden zu sein scheint. Auch ansonsten stehen Informationen zur Entstehung des Films im Vordergrund; „Schultergeklopfe“ bleibt weitgehend aus. Dennoch hätte es sicher noch einiges gegeben, über das man mehr hätte berichten können. Und ein Audiokommentar von Vess und Gaiman wäre natürlich großartig gewesen. Vielleicht in der Special Edition...
Als Beilage gibt es eine Leseprobe des illustrierten Romans „zum Film“, in dem man schon auf wenigen Seiten die doch etwas unterschiedlichen Ansätze von Autor Gaiman und Regisseur Vaughn erkennen kann.
UK/USA 2007. Regie: Matthew Vaughn. Buch: Jane Goldman, Matthew Vaughn, Neil Gaiman (Romanvorlage). Kamera: Ben Davis. Musik: Ilan Eshkeri. Darsteller: Charlie Cox, Claire Danes, Robert De Niro, Michelle Pfeiffer u. a.
1 DVD
Länge: 122 min.
Bildformat: 2,35 : 1
Tonformat: Englisch, Deutsch, Türkisch (Dolby Digital 5.1 Surround)
Untertitel: Englisch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Making-Of, Deleted Scenes, Blooper Reel, Trailer
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erschienen am 06.03.2008