Space-View Filmguide: Star Trek

J. J. Abrams "Star Trek" kommt am 7. Mai in die deutschen Kinos.

Star Trek

Fakten

Originaltitel: Star Trek
USA, 2008
Kinostart: 07.05.2009 (FSK: 12)
ca. 127 Min.

Genre

Action, Science Fiction

Review

„Dies ist nicht das ‚Star Trek‘ deines Vaters“, lautete der letzte Werbespruch einer breit angelegten Werbekampagne im amerikanischen Fernsehen. Und wahrlich, nach 42 Jahren, 726 TV-Episoden, zehn Spielfilmen, unzähligen Romanen, Konsolenspielen und Comics bedurfte es eines Neustarts des in die Jahre gekommenen Klassikers.

Die letzte TV- Serie, „Enterprise“, ereilte 2005 aufgrund vor sich hin dümpelnder Quoten das Schicksal der Zwangsabsetzung, der Glanz der Serie schien bei den Kinder der Väter, die mit „Star Trek“ aufgewachsen waren, keine besondere Strahlkraft auszuüben. Dämmerung statt strahlender Schein.

Doch der Dämmerung folgt stets ein Morgen. Und dieser Morgen trägt sogar einen Namen: „Star Trek“. Ganz schlicht, ohne Seriennummer oder anderen Firlefanz. Hinter der Kamera dieses elften Spielfilms stand J. J. Abrams, seines Zeichens Erfinder von Erfolgsserien wie „Lost“ und „Alias“. Schlappe 150 Millionen Dollar drückte ihm der Verleiher Paramount in die Hand, dafür brachte Abrams sein gesamtes Autoren- und Produzententeam aus Fernsehzeiten mit ans Kinoset – und tat wie ihm geheißen: Er startete den Klassiker neu. Ähnlich wie die Produzenten der Bond-Serie. „Star Trek Reloaded“ wäre denn auch ein passender Titel gewesen. Jedoch: Hat sich der Versuch gelohnt? Nach dem an den Kinokassen enttäuschenden zehnten Teil und nach der Einstellung der letzten Serie im TV?
In einem Wort: Absolutaufjedenfall!

Abrams ist ein Fan. Als die erste „Star Trek“-Episode im amerikanischen Fernsehen am 8. September 1966 ausgestrahlt wurde, war Abrams nicht einmal drei Monate alt. Abrams ist nicht nur mit „Star Trek“ aufgewachsen, er ist vermutlich der erste echte Fan auf dem Regiestuhl der Serie. Er kennt die Serie aus dem Effeff – und bringt die Vision eines Fans auf die Leinwand. Eine Vision, die am Tag der Geburt des legendären Captains James T. Kirk beginnt. Mit einer Raumschlacht, die nicht nur die Kinoleinwand zum Vibrieren bringt, sondern die auch einen Helden das Licht der Leinwand erblicken lässt, der so gar nichts Heldenhaftes mitbringt: Kirk (als Erwachsener von dem weithin unbekannten Chris Pine dargestellt), der ohne Vater aufwächst, da dieser während der besagten Raumschlacht sein Leben verliert, ist ein Raufbold, Frauenheld, Nihilist. Dennoch tritt er eine Offiziersausbildung an der so genannten Sternenflottenakademie der Föderation an. Nicht aus Idealismus, eher, weil er gerade nichts Besseres zu tun hat. Auf seinem ersten Außeneinsatz nach drei Jahren Ausbildung, geraten die Schiffe der Föderation in einen Hinterhalt. Allein die Enterprise übersteht das Massaker. Da ihr allerdings der Kommandant abhanden kommt, übernimmt der Erste Offizier, ein gewisser Spock (Zachary Quinto) das Kommando. Der hat mit dem geheimnisvollen Angreifern ein Hühnchen zu rupfen, da der – ein gewisser Nero (Eric Bana) – gerade seine Heimatwelt, den Planeten Vulkan, in einem Schwarzen Loch hat verschwinden lassen.
Der Fan erkennt – hier stimmt etwas nicht. Vulkan? Zerstört durch ein Schwarzes Loch? Nach 42 Jahren nimmt die Serie eine überraschende Wendung, die 726 TV-Episoden in einem vollkommen neuen Licht erscheinen lässt. Den Nicht-Fan interessiert diese Wendung vermutlich weniger als das, was er ansonsten zu sehen bekommt. Und das ist ein bemerkenswerter Sci-Fi-Film. Er ist die Wiederbelebung eines Kultes, ein Film mit wahnwitzigen Schauwerten, ein potenzieller Sommerblockbuster, Popcornkino in Reinkultur – aber auch ein Film, der sich ruhige Momente gönnt. Vor allem Zachary Quinto, TV-Zuschauern als Schurke aus der Serie „Heroes“ bekannt, überzeugt als innerlich zerrissener Charakter, der zwischen verschiedenen Welten steht, heimatlos, getrieben von Rachegedanken – und von der Verantwortung, die er nun auf seinen Schultern tragen muss.
Adrenalingeschwängertes Kino, eine krachende Geschichte, überzeugende Charaktere, der Neustart dürfte gelungen sein.

geschrieben von: Christian Lukas